Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.

Krawalle in England: Randalierer wüten jetzt auch in Liverpool und Birmingham

Sie zünden Autos und Häuser an, plündern Geschäfte, attackieren Polizisten: Die dritte Nacht in Folge gab es in London heftige Krawalle, Fußballspiele in der britischen Hauptstadt wurden abgesagt. Mittlerweile erfasst die Gewaltwelle auch andere Großstädte in England, Hunderte Menschen randalierten.

London - In der Nacht hat die Gewalt in England weitere Städte erfasst: Nicht nur in London gingen vermummte Randalierer auf die Straße, nicht nur in der Hauptstadt lieferten sie sich Gefechte mit der Polizei - sondern auch in Liverpool, Birmingham und Bristol. Premierminister David Cameron, der seinen Urlaub unterbrochen hat, rief für den heutigen Dienstag den Nationalen Sicherheitsrat zusammen.

In Birmingham plünderten Vermummte Juwelierläden und Elektronik-Geschäfte und setzten eine Polizeiwache in Brand. In den frühen Morgenstunden wurden auch aus Bristol Unruhen gemeldet. Aus Liverpool meldete die Polizei "isolierte Ausbrüche von Unruhen". Augenzeugen berichteten laut der Agentur PA, dass mehrere hundert Vermummte in den Straßen vorbeifahrende Autos stoppten, die Insassen zum Aussteigen zwangen und anschließend die Fahrzeuge in Brand setzten.

In London wurden drei Personen wegen des mutmaßlichen Versuchs festgenommen, einen Polizisten zu ermorden. Ein Beamter sei von einem Auto angefahren und schwer verletzt worden, teilte die Polizei mit. Der Mann und ein Kollege hatten einige Fahrzeuge angehalten, weil sie glaubten, die Insassen seien bei der Plünderung eines Elektronikgeschäfts beteiligt gewesen.

Fotostrecke

22  Bilder
Jugendgewalt in London: Plündern, Brandschatzen, Zerstören

"Was hier passiert, kann einfach nicht entschuldigt werden", kommentierte Scotland Yard-Chefin Christine Jones die Krawalle in der Hauptstadt. Von der "Schlacht um London", schrieben britische Zeitungen.

Am Dienstagabend sollte im Osten Londons das Ligapokalspiel West Ham United gegen Aldershot stattfinden - doch die Partie wurde auf Bitten von Scotland Yard verschoben. Auch das Carling-Cup-Duell zwischen dem Südlondoner Club Charlton Athletic und Reading wurde auf einen unbestimmten Zeitpunkt verlegt. Ob das Freundschaftsspiel der englischen Nationalmannschaft gegen die Niederlande am Mittwoch wie geplant im Wembley Stadion stattfinden kann, ist noch nicht entschieden.

Insgesamt seien in London und Birmingham bis Dienstagmorgen fast 350 Verdächtige festgenommen worden, teilte die Polizei mit. Sie hatte in der Nacht zum Dienstag weitere 1700 Beamte in die betroffenen Teile Londons geschickt. "Zu wenig und zu spät", sagte ein ausgeraubter Geschäftsinhaber der BBC.

In der Nacht gab es in mehreren Stadtteilen heftige Auseinandersetzungen. In Ealing im Westen gingen maskierte Jugendliche auf Raubzug und setzten dabei Mülltonnen in Brand. Zahlreiche Schaufenster gingen zu Bruch, berichtete PA. "Es sieht aus wie in einem Kriegsgebiet", wurde ein Augenzeuge zitiert. Im Stadtteil Croydon brannte ein ganzer Straßenzug, aus einem Möbellager schlugen noch in der Nacht meterhoch die Flammen. Am Abend entdeckte die Polizei in einem Auto einen schwer verletzten Mann, der aus mehreren Schusswunden blutete. Näheres wurde nicht bekannt.

"Opportunistische Kriminelle"

Auch in den Stadtteilen Clapham, Peckham, Hackney, Ealing und Lewisham gab es am Montag Krawalle. In Clapham stand ein Wohnhaus in Flammen, in Ealing ging in der Nacht ein Lager des Elektronik-Riesen Sony in Flammen auf, wie die BBC berichtete. Ein nahe gelegenes Hotel musste evakuiert werden, rund 200 Gäste wurden in Sicherheit gebracht.

Plündernde und brandschatzende Banden, die in der Nacht zum Sonntag im nördlichen Stadtteil Tottenham die Randale begonnen hatten, waren schon in der Nacht zum Montag in weitere Stadtteile weitergezogen. Auch Gruppen gewalttätiger Kinder zwischen 10 und 14 Jahren waren unterwegs. Vizepremierminister Nick Clegg sagte, die Randalierer seien "opportunistische Kriminelle".

Die Krawalle hatten im Problemviertel Tottenham begonnen, nachdem dort ein 29-Jähriger von einem Polizisten erschossen worden war. Randalierer hatten daraufhin Büros, Wohnungen, Supermärkte, Polizeiautos und einen Doppeldecker-Bus in Brand gesetzt und Geschäfte ausgeplündert. Das Ausmaß der Gewalt schockierte die Polizei. Von einigen Häusern blieben nur die Grundmauern übrig. Die Sachschäden an Gebäuden und öffentlichen Einrichtungen gehen in den mehrstelligen Millionenbereich.

hut/dpa/AP

Diesen Artikel...
Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 334 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. "opportunistische Kriminelle"?
muhviehstar 09.08.2011
Das sind die Abgehängten, die Ausgeschlossenen, die die auf der Strecke geblieben sind. Das steht uns auch noch bevor wenn das Murksel und sein verkommener Haufen, der sich Regierung nennt nicht schleunigst anfangen Politik zu machen die allen gerecht wird.
2. Eine Jugend ohne Perspektive
heinrichp 09.08.2011
Zitat von sysopSie zünden Autos und Häuser an, plündern Geschäfte, attackieren Polizisten: Die dritte Nacht in Folge gab es in London heftige Krawalle, Fußballspiele in der britischen Hauptstadt wurden abgesagt. Mittlerweile erfasst die Gewaltwelle auch andere Großstädte in England, Hunderte Menschen randalierten. http://www.spiegel.de/panorama/justiz/0,1518,779096,00.html
Eine Jugend ohne Perspektive verschafft sich ein Ventil, eine Gesellschaft die all das zulässt muss sich nun nicht wundern.
3. .
RosaHasi 09.08.2011
die folgen politischen versagens. hier wird es genauso kommen
4. -
instinkt 09.08.2011
Zitat von sysopSie zünden Autos und Häuser an, plündern Geschäfte, attackieren Polizisten: Die dritte Nacht in Folge gab es in London heftige Krawalle, Fußballspiele in der britischen Hauptstadt wurden abgesagt. Mittlerweile erfasst die Gewaltwelle auch andere Großstädte in England, Hunderte Menschen randalierten. http://www.spiegel.de/panorama/justiz/0,1518,779096,00.html
......Wer wird den die englischen Rebellen beruhigen und auf welche Art???? Werden jetzt Panzer über London rollen?
5. Schlimme Entwicklung
hanno96 09.08.2011
Es ist schlimm, wenn durch gewalttätige Krawalle und Brandstiftungen Menschen gefährdet werden. Darüber kann man nur den Kopf schütteln. Wenn aber weiter auf der Welt nur noch Geld zählt und der Mensch häufig nur als Kostenfaktor gesehen wird, darf man sich nicht wundern, wenn sowas in Zukunft leider noch zunehmen wird (z.B. in Israel oder Spanien gibt es ja ähnliche - wenn auch bisher nicht gewalttätige - Entwicklungen). Die Prediger der freien und angeblich sozialen Marktwirtschaft merken gar nicht, dass sie sich durch ihre rücksichtslose Ellenbogenpolitik letztlich selbst schaden. Ich kann mir jedenfalls nicht vorstellen, dass sie Lust darauf haben, künftig z.B. nur in bewachten Wohnsiedlungen zu leben oder sich nicht mehr frei und ohne Angst vor Übergriffen bewegen zu können.
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2011
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH





SPIEGEL.TV
Der kompakte Nachrichtenüberblick am Morgen: aktuell und meinungsstark. Jeden Morgen (werktags) um 6 Uhr. Bestellen Sie direkt hier: