Verbrechen in der DDR Kreuzworträtselmord wird nach 32 Jahren neu aufgerollt

Es waren in der DDR die wohl umfangreichsten Ermittlungen in einem Mordfall: Der Abgleich eines Kreuzworträtsels mit Hunderttausenden Dokumenten führte zum Mörder eines Jungen. 32 Jahre nach der Tat ermittelt die Staatsanwaltschaft jetzt erneut - weil die Ex-Freundin des Täters ein Buch geschrieben hat.

Bild aus "Die großen Kriminalfälle: Der Kreuzworträtsel-Mord" (2000): Berühmte Spur
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Bild aus "Die großen Kriminalfälle: Der Kreuzworträtsel-Mord" (2000): Berühmte Spur


Halle - In einem der spektakulärsten Kriminalfälle der DDR-Geschichte wird nach 32 Jahren neu ermittelt. Im sogenannten Kreuzworträtselmord von Halle-Neustadt aus dem Jahr 1981 hat die Staatsanwaltschaft von Amts wegen ein Mordermittlungsverfahren gegen die damalige Freundin des Täters eingeleitet, sagte Sprecher Klaus Wiechmann am Freitag. Zuvor hatte die "Leipziger Volkszeitung" darüber berichtet.

Auslöser für die neuen Untersuchungen seien Zeitungsinterviews und ein gerade erschienenes Buch. Darin verarbeitet die inzwischen 49-Jährige das damalige Geschehen - verpackt in eine fiktive Rahmenhandlung. Laut "Mitteldeutscher Zeitung" hat die Frau in einem Interview gesagt, sie habe ihren Freund bei der Tat in der Wohnung ihrer Mutter überrascht - bislang habe das keiner gewusst. Der Freund habe sie nicht fliehen lassen und psychisch unter Druck gesetzt.

Laut Staatsanwaltschaft wurde die Autorin mehrfach befragt. Ihre früheren Aussagen und die neuen Enthüllungen stimmten nicht überein, zitiert die Zeitung Sprecher Wiechmann. So sei unklar, ob die Frau in der Wohnung gewesen sei, als der Junge noch gelebt habe. Zudem, so der Sprecher laut "Mitteldeutscher Zeitung", stelle sich die Frage, ob sie der Beihilfe oder Mittäterschaft schuldig sei.

Im Januar 1981 war der sieben Jahre alte Lars ermordet worden. Seine Leiche wurde in einem Koffer verpackt aus einem Zug geworfen. Es folgten die wohl umfangreichsten Ermittlungen in der Geschichte der DDR.

Untersuchung Hunderttausender Dokumente

Beamte hatten in dem Koffer alte Zeitungen gefunden - unter anderem mit einem gelösten Kreuzworträtsel. Diese Schriftprobe war das einzige Indiz, das Aussicht auf einen Fahndungserfolg versprach. Es folgte ein riesiger Schriftabgleich: Laut "Mitteldeutscher Zeitung" sammelten Polizisten Zehntausende Schriftproben in Halle-Neustadt und untersuchten Hunderttausende andere Dokumente mit handschriftlichen Eintragungen, etwa Anträge auf Personalausweise oder Personalakten.

Schließlich konnte die Polizei die Schrift einer 40-Jährigen zuordnen. Über die Frau, selbst an der Tat unbeteiligt, kamen die Ermittler zu deren Tochter - sie hat nun das Buch geschrieben. Die damals 18-Jährige war zu dem Zeitpunkt mit Matthias S., ebenfalls 18, zusammen. Er gestand die Tat. Den Koffer, so sagte er laut "Mitteldeutscher Zeitung", habe er mit Zeitung ausgelegt, weil kein Blut aus dem Gepäckstück herauslaufen sollte. S. wurde 1982 verurteilt, 1991 in den Maßregelvollzug entlassen. Heute soll er in Thüringen wohnen.

Unter dem Titel "Der Kreuzworträtselmord: Die wahre Geschichte" ist im Sutton-Verlag am 1. Februar das Buch der damaligen Freundin erschienen. Es enthülle, so der Verlag, was nie bekanntgeworden sei: dass die junge Frau den Mord entdeckt habe.

ulz/dpa

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