Kriminologe Pfeiffer "Die Sicherheit in Deutschland steigt - auch für Frauen"

Der Fall Maria L. hat eine Debatte über Vergewaltigungen in Deutschland ausgelöst. Dabei sinkt die Zahl seit Jahren, sagt der Kriminologe Christian Pfeiffer. Daran habe auch der Zuzug von Flüchtlingen nichts geändert.

Kriminologe Christian Pfeiffer
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Kriminologe Christian Pfeiffer


Der deutsche Kriminologe Christian Pfeiffer hat dem Eindruck widersprochen, dass Deutschland insbesondere für Frauen unsicherer geworden sei. Die Statistik zeige für die vergangenen zehn Jahre, "dass in Deutschland vollendete Vergewaltigungen um 20 Prozent abgenommen haben", sagte Pfeiffer der "Welt am Sonntag". "Auch das Jahr 2015 hat - trotz des gewaltigen Zustroms an Männern - nichts an diesem Trend geändert. Die Sicherheit in Deutschland steigt, insbesondere auch für Frauen."

Zuletzt hatte der Fall der Studentin Maria L. aus Freiburg für Aufsehen gesorgt. Sie war erst vergewaltigt und dann getötet worden. Als Täter verdächtigt die Polizei einen 17-jährigen afghanischen Asylbewerber.

Der Kriminologe Pfeiffer sprach sich dafür aus, Statistiken sorgfältig und unvoreingenommen zu betrachten. "Dazu gehört auch, klar zu sagen: Von 100 Ausländern geht mehr Kriminalität aus als von 100 Deutschen." Das liege daran, dass die Gruppe altersmäßig anders zusammengesetzt ist. Außerdem daran, dass viele keinen Job hätten und sozial noch nicht integriert seien. Gewalt sei nicht kulturell zu bestimmen, sondern vor allem eine soziale Frage. "Wenn diese Faktoren auf Deutsche zutreffen, steigt auch bei ihnen das Kriminalitätsrisiko", erklärte Pfeiffer, der früher Direktor des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen und von 2000 bis 2003 Justizminister des Landes war.

Zahl der Straftaten durch Zuwanderer ist gesunken

Hinzu komme ein weiteres Phänomen: "Die Anzeigebereitschaft ist viel größer, je fremder der Täter ist." Der ausländische Mann, der eine Frau hinter die Büsche ziehe und vergewaltige, habe eine hohe Anzeigequote. Der vertraute Arbeitskollege, der Chef oder auch der Partner, der das Gleiche tue, werde dagegen deutlich seltener angezeigt.

Die beste Prävention sei eine gewaltfreie Erziehung, sagte Pfeiffer. Das sei der Stabilisierungsfaktor schlechthin. Außerdem forderte er mehr Investitionen in Bildung. Beides habe nachweisbar zu einem Rückgang von Gewalttaten geführt. "Je gebildeter die Familie, umso weniger wird geschlagen. Bildung ist also der Faktor, den wir verbessern müssen." (Mehr zu Kriminalitätszahlen finden Sie in der Polizeilichen Kriminalstatistik für das Jahr 2015).

Im Jahr 2016 ist die Zahl der durch Zuwanderer begangenen Straftatenlaut Bundeskriminalamt gesunken - im ersten Quartal um mehr als 18 Prozent, im gesamten ersten Halbjahr sogar um 36 Prozent.

Im Januar, Februar und März wurden nach Zahlen des BKA 69.000 Fälle begangener oder versuchter Straftaten durch Zuwanderer registriert. Ein signifikanter Rückgang ist insbesondere im Bereich der Verstöße gegen die sexuelle Selbstbestimmung zu beobachten, die in diesem Zeitraum demnach rund 1,1 Prozent aller durch Zuwanderer begangenen Straftaten ausmachten.

anr/Reuters



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