Kriminalitätsstatistik: Erstmals seit Jahren mehr Straftaten

Die Zahl der registrierten Straftaten in Deutschland ist gestiegen - zum ersten Mal seit sieben Jahren. Gleichzeitig ist die Aufklärungsquote laut Kriminalitätsstatistik gesunken. Die Polizeigewerkschaft macht "völlig verfehlte Sparmaßnahmen" verantwortlich.

Wohnungseinbruch: Geringe Aufklärungsquote Zur Großansicht
dapd

Wohnungseinbruch: Geringe Aufklärungsquote

Berlin - In Deutschland wurden im vergangenen Jahr rund 5,99 Millionen Straftaten registriert - ein Zuwachs von einem Prozent im Vergleich zu 2010. Dies geht aus der Polizeilichen Kriminalstatistik hervor, die Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) am Mittwoch in Berlin vorstellte. Die Aufklärungsquote ist demnach von 56 auf 54,7 Prozent gesunken.

Schuld an der Entwicklung sind nach Ansicht der Deutschen Polizeigewerkschaft (DPolG) "völlig verfehlte Sparmaßnahmen bei der Polizei". Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) nannte vor allem den Wegfall der Grenzkontrollen Ende 2007 als Ursache des Anstiegs.

Unter den Straftaten dominieren wie in den Vorjahren Diebstahldelikte mit einem Anteil von 40,1 Prozent an der Gesamtkriminalität. Dies bedeutet einen Anstieg um 4,4 Prozent. Besonders deutlich zugenommen haben im Jahresvergleich Wohnungseinbrüche mit einem Plus von 9,3 Prozent. Die Aufklärungsquote betrug hier lediglich 16,2 Prozent. Stark zugenommen haben auch Fahrraddiebstähle mit 7,2 Prozent.

Die Zahl der erfassten Fälle sexuellen Missbrauchs von Kindern ist 2011 erneut gestiegen - um 4,9 Prozent. Experten gehen dabei von einer hohen Dunkelziffer aus. Mit einem Plus von 23,3 Prozent hat auch der Besitz und die Beschaffung von Kinderpornografie massiv zugenommen.

Rückgang von Wirtschaftskriminalität

In einigen Bereichen verzeichnet die Statistik jedoch auch einen Rückgang: Beispielsweise ist die Zahl der Gewalttaten gesunken, ebenso die Zahlen für Auto- und Ladendiebstähle. Die Wirtschaftskriminalität sank um 22,7 Prozent. Auch die Verbreitung pornografischer Schriften über das Internet ging um 2,1 Prozent zurück.

Die neuesten Zahlen ändern nichts daran, dass langfristig ein deutlicher Rückgang der Kriminalität zu verzeichnen und die Aufklärungsquote angestiegen ist: Seit 1993 sind die erfassten Straftaten um 11,3 Prozent zurückgegangen, die Aufklärungsquote lag damals noch bei 43,8 Prozent.

Bei der jüngsten Kriminalitätsstatistik wurden regional große Unterschiede ermittelt: Das Bundesland mit der geringsten Kriminalität ist wieder Bayern, wo es im Vergleich die wenigsten Straftaten gab (4969 pro 100.000 Einwohner). Dahinter folgt Baden-Württemberg. Die meisten Straftaten gab es in Berlin, gefolgt von den anderen beiden Stadtstaaten Bremen und Hamburg. Unter den Großstädten hat München die geringste Kriminalitätsrate, Frankfurt am Main die höchste.

Bereits vor der offiziellen Vorstellung waren Informationen aus einzelnen Bereichen der Statistik bekannt geworden. Demnach wurden 2011 etwa mehr als doppelt so viele Ecstasy-Tabletten sichergestellt wie 2010.

aar/dpa/Reuters

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insgesamt 8 Beiträge
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1. Ein Frage der Interpretation
rvdf11974 16.05.2012
Ich frag mich immer wieder wie man die reinen Zahlen einfach nimmt und dann so interpretiert wie man will. Ich hab da ne tolle Idee! Wie wäre es wenn wir die Polizei abschaffen? Dann müssten doch alle Verbrechen auf 0% runtergehen weil keiner diese mehr aufnimmt oder? Nach dem Artikel der die Zahlen so einseitig interpretiert schon! Sorry aber das ist kein Journalismus, denn Zahlen vergleichen können wir auch...
2.
prosperosbluebeard 16.05.2012
Zitat von rvdf11974Ich frag mich immer wieder wie man die reinen Zahlen einfach nimmt und dann so interpretiert wie man will. Ich hab da ne tolle Idee! Wie wäre es wenn wir die Polizei abschaffen? Dann müssten doch alle Verbrechen auf 0% runtergehen weil keiner diese mehr aufnimmt oder? Nach dem Artikel der die Zahlen so einseitig interpretiert schon! Sorry aber das ist kein Journalismus, denn Zahlen vergleichen können wir auch...
Gut beobachtet. Mir fiel noch etwas viel interessanteres auf. Die aktuelle PKS (http://www.bmi.bund.de/SharedDocs/Downloads/DE/Broschueren/2012/PKS2011.pdf;jsessionid=13CB194B49A52B9A12DB847CC64AC193.2_cid295?__blob=publicationFile) für das Jahr 2011 wird ja für die Öffentlichkeit nur noch in einer reduzierten Fassung mit 71 S. als pdf ins Netz gestellt – die Langfassung als gedrucktes Buch muss gekauft werden... Und nun raten Sie mal, warum die letzte Publikation der PKS als Langfassung (http://www.bka.de/nn_193232/SharedDocs/Downloads/DE/Publikationen/PolizeilicheKriminalstatistik/pksJahrbuecher/pks2009,templateId=raw,property=publicationFile.pdf/pks2009.pdf) 2009 vollständig im Netz erschien mit 502 S. als pdf mit 14 MB... Mit der Regierungsübernahme von Schwarz-Gelb aber kamen nur noch wenig aussagekräftige Kurzfassungen, die ständigen Pressemitteilungen aber zur inneren Sicherheit steigerten sich gewaltig. Nebenbei: die Ungeheuerlichkeit, dass die PKS 2011 4 Tage vorher der Welt zugespielt wurde und daraus die ersten Sensationsmeldungen gebastelt wurden – z.B. im Bereich des sexuellen Missbrauchs von Kindern – schauen Sie aber auf S. 45 nach, finden Sie vor dem Schlüssel 113000 und 13100 ein „Ä“, (d.h. inhaltliche/redaktionelle Änderung In einigen Bereichen ist dadurch die Vergleichbarkeit mit dem Vorjahr beeinträchtigt beziehungsweise nur eingeschränkt gegeben. - dazu werden Sie aber von journalistischer Seite nichts finden... Sie sollen gar nicht mehr klar erkennen können, aufgeschlüsselt nach vielen Faktoren, was sich im Bereich der Kriminalität in der BRD tut!
3. Seit wann ist Pornografie kriminell?
drsven 16.05.2012
Zitat von sysopDie Zahl der registrierten Straftaten in Deutschland ist gestiegen - zum ersten Mal seit sieben Jahren. Gleichzeitig ist die Aufklärungsquote laut Kriminalitätsstatistik gesunken. Die Polizeigewerkschaft macht "völlig verfehlte Sparmaßnahmen" verantwortlich. Kriminalitätsstatistik: Zahl der Straftaten in Deutschland steigt - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/panorama/justiz/0,1518,833523,00.html)
Aus dem Artikel: *Auch die Verbreitung pornografischer Schriften über das Internet ging um 2,1 Prozent zurück.* Mensch, Gott sei dank! Dieses schreckliche Verbrechen: Verbreitung pornografischer Schriften. Zum Glück geht's zurück. Sonst muss man noch das rechte Handabhacken als Strafe für so einen Schmuddelkram einführen.
4. Die ersten Stunden der Kriminologie
DieTante 16.05.2012
Machen wir einen kleinen Ausflug in die ersten Stunden einer Kriminologie-Vorlesung: Die PKS, werte Journalisten (Sie dürfen die kriminologischen Vorlesungen übrigens ebenfalls besuchen, wenn Ihre journalistische Tätigkeit Kenntnisse hierzu erfordert), ist KEINE Statistik, welche das Kriminalitätsaufkommen in der Bundesrepublik 1:1 wiedergibt, sondern vor allem und zuvorderst ein Tätigkeitsnachweis der Polizeibehörden. Erhöhte Werte der PKS sagen demzufolge nicht unbedingt und uneingeschränkt auch aus, dass die Kriminalität gestiegen ist. Sie weist vielmehr lediglich nach, wie oft die Polizei in bestimmten Deliktsbereichen die Ermittlungen aufgenommen hat - ohne zu berücksichtigen, ob es tatsächlich zu Ab- oder Verurteilungen kam und eine Straftat im juristischen Sinne tatsächlich stattfand. Erhöhte Werte können auch daraus resultieren, dass Straftaten aus früheren Jahren nun aufgeklärt werden konnten, was im reinen Jahresvergleich aber nicht für ein erhöhtes Kriminalitätsaufkommen spricht. Halten Sie es wir Churchill und "trauen Sie nur der Statistik, welche Sie auch selbst gefälscht haben" ;)
5.
prosperosbluebeard 16.05.2012
Zitat von drsvenAus dem Artikel: *Auch die Verbreitung pornografischer Schriften über das Internet ging um 2,1 Prozent zurück.* Mensch, Gott sei dank! Dieses schreckliche Verbrechen: Verbreitung pornografischer Schriften. Zum Glück geht's zurück. Sonst muss man noch das rechte Handabhacken als Strafe für so einen Schmuddelkram einführen.
Im § 184 StGB ist klar festgelegt, worum es geht: Zugänglichmachung an Personen unter 18 Jahren, außerdem verbotene Pornographie (Gewalt-/Tierporno) etc. Außerdem: was soll die Schariaanspielung? Besonders tragisch sind die 100 erfassten Fälle Schweren sexueller Missbrauch von Kindern zur Herstellung und Verbreitung pornographischer Schriften § 176a Abs. 3 StGB (+13,6%) und 3.896 Fälle Besitz und die Verschaffung von Kinderpornographie; (+23,3 Prozent )
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