Datenlese

Kriminalitätsstudie Von drei Straftätern wird einer rückfällig

Wirken juristische Sanktionen auch langfristig? Meistens schon, wie eine Auswertung von rund einer Million Fälle zeigt. Nur 35 Prozent der Straftäter werden rückfällig. Für einzelne Delikte und Altersgruppen liegt der Anteil aber deutlich höher.

  Gefahr im Verzug:  Wer mehr auf dem Kerbholz hat, wird häufiger rückfällig
DPA

Gefahr im Verzug: Wer mehr auf dem Kerbholz hat, wird häufiger rückfällig


Wer wegen einer Straftat verurteilt wird, landet nicht immer im Gefängnis - aber auf jeden Fall in einer großen Datenbank: dem Bundeszentralregister. Dieses Register haben Wissenschaftler nun im Auftrag des Bundesjustizministeriums ausgewertet. Ihre Suche galt doppelten Einträgen, also Wiederholungstätern, die in den Jahren nach der Straftat rückfällig werden.

Hinter der nun vorgestellten Studie steht die Frage, ob Haft- und Geldstrafen auch langfristig wirksam sind. Schließlich sollen sie Täter nicht nur rückwirkend bestrafen, sondern auch präventiv von weiteren Vergehen abhalten. Tatsächlich, so das Ergebnis der Auswertung, tauchen die meisten Straffälligen nur einmal im Register auf. Zu Wiederholungstätern werden nur 35 Prozent.

In ihre Auswertung nahmen die Autoren der Studie rund eine Million Fälle aus dem Jahr 2007 auf. Die Urteile aus dem Bezugsjahr liefen in jedem zweiten Fall auf eine Geldstrafe hinaus, in jedem vierten Fall wurde von einer Strafverfolgung abgesehen. Immerhin knapp 27.000-mal saßen die Verurteilten ohne Bewährung im Gefängnis.

Mörder seltener rückfällig?

Dann beobachteten die Wissenschaftler die drei Jahre nach dem Richterspruch beziehungsweise der Entlassung aus dem Gefängnis. Was dann geschah, variiert je nach Delikt stark. Von den Tätern, die wegen Raubes, Erpressung oder besonders schweren Diebstahls vor Gericht standen, wurde mehr als jeder zweite rückfällig. Deutlich seltener wurde zum Wiederholungstäter, wer zuvor wegen Mordes oder Totschlags verurteilt wurde.

Auch zwischen Männern und Frauen finden sich deutliche Unterschiede. Während 37 Prozent der männlichen Straftäter mehrmals im Register auftauchen, sind es bei den weiblichen lediglich 25 Prozent. Harmloser sind auch die Delikte, mit denen Frauen zu Wiederholungstätern werden.

Entscheidend hängen die Rückfallquoten auch vom Alter der Straffälligen ab. Von je fünf Tätern unter 25 Jahren verüben zwei erneut eine Straftat, bei den über 50-Jährigen ist es nur einer. Als "erwartungsgemäß" bezeichnete diese Unterschiede Mitautor Jörg-Martin Jehle vom Institut für Kriminalwissenschaften der Universität Göttingen.

Einen Zusammenhang sehen die Wissenschaftler auch zwischen Vorstrafen und Rückfallrisiko. Wer mehr auf dem Kerbholz hat, der wird häufiger zum Wiederholungstäter - erst recht, wenn er oder sie im Gefängnis gesessen hat.

che/isa



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