Kriminalstatistik: Internetbetrug und Autodiebstahl nehmen zu

Weniger Verbrechen bei einer höheren Aufklärungsrate: Innenminister Thomas de Maizière konnte mit der Kriminalstatistik 2009 positive Tendenzen präsentieren. Sorgen bereiten den Ermittlern allerdings das Internet - und die Gewaltbereitschaft gegen Polizeibeamte.

Kriminalstatistik 2009: Zahlen und Fakten Fotos
Bundesministerium des Innern

Berlin - Um Mord und Totschlag ging es zwar unter anderem bei der Präsentation der 51-seitigen Polizeilichen Kriminalstatistik, doch das Fazit von Bundesinnenminister Thomas de Maizière klang durchaus positiv: "Deutschland gehört zu den sichersten Ländern der Welt."

Insgesamt wurden laut der Statistik im vorigen Jahr bundesweit 6,05 Millionen Straftaten registriert, damit ist die Gesamtkriminalität um ein Prozent im Vergleich zu 2008 zurückgegangen. Erfasst werden alle Verbrechen innerhalb Deutschlands. Eine Schätzung der Dunkelziffer der nicht bekannt gewordenen Taten enthält die Polizeistatistik allerdings nicht.

Die Aufklärungsquote habe mit 55,6 Prozent (2008: 54,8 Prozent) den höchsten Stand seit der Einführung der gesamtdeutschen Statistik im Jahr 1993 erreicht. "Weniger gemeldete Straftaten bei gleichzeitig steigender Aufklärungsquote - der positive Trend der Vorjahre hat sich 2009 fortgesetzt", sagte der Minister.

De Maizière legte die Zahlen gemeinsam mit dem Vorsitzenden der Innenministerkonferenz (IMK), Hamburgs Innensenator Christoph Ahlhaus (CDU), vor. Ahlhaus kritisierte die verstärkte Brutalität von Bürgern gegenüber Polizeibeamten im Einsatz. "Wir erleben einen massiven Verlust an Respekt vor den Beamten", sagte Ahlhaus.

Polizeigewerkschaft warnt vor Euphorie

Die Deutsche Polizeigewerkschaft (DPolG) warnte vor zu viel Euphorie angesichts der positiven Entwicklung. Der stellvertretende Bundesvorsitzende Hermann Benker kritisierte die Streichung von über 10.000 Stellen bei der Polizei in den vergangenen zehn Jahren. "Wo permanent Personal gekürzt wird, sinkt die Möglichkeit, Straftaten zu registrieren", erklärte er in Berlin.

De Maizière hob positiv hervor, dass die Kriminalität in der Altersgruppe von 14 bis 18 Jahren im vergangenen Jahr deutlich zurückgegangen ist. Bei der Gewaltkriminalität gab es rund 39.700 Fälle mit Tatverdächtigen aus dieser Altersgruppe und damit rund neun Prozent weniger als im Vorjahr.

Viele Straftaten unter Alkoholeinfluss

Einen Anstieg habe es allerdings bei der politisch motivierten Gewalt gegeben. "Das ist eine besorgniserregende Entwicklung", sagte de Maizière. Vor allem im linken Spektrum sei die Gewaltbereitschaft gestiegen.

Auch die Taten unter Alkoholeinfluss haben 2009 zugenommen. Insgesamt wurde jede dritte Gewalttat unter Alkoholeinfluss verübt. Insbesondere bei den schweren und gefährlichen Körperverletzungsdelikten sei dies zu beobachten, deren Anteil im Vergleich zum Vorjahr um fast zwei Prozent angestiegen ist.

Besorgniserregend sei die zunehmende Kriminalität im Internet, sagte de Maizière. 2009 wurden bundesweit 206.909 Straftaten im Netz erfasst (2008: 167.451 Fälle). Das ist der bislang höchste Wert. Erneut sind im Zusammenhang mit dem Tatmittel Internet überwiegend Betrugsdelikte registriert worden. Der Anteil bei der Verbreitung pornographischer Schriften über das Internet sei dagegen von 6,2 auf 2,9 Prozent zurückgegangen.

"Automobilindustrie ruht sich auf ihren Lorbeeren aus"

Einen deutlichen Anstieg gab es bei den Autodiebstählen um fast neun Prozent auf rund 40.400 Fälle. Die grenznahen Gebiete im Osten und Norden Deutschlands seien besonders stark betroffen, weil die Diebe die gestohlenen Fahrzeuge von dort rasch nach Osteuropa schaffen könnten, so de Maizière.

Der Bundesinnenminister warf den Autokonzernen Versäumnisse vor. "Mein Eindruck ist, dass die Automobilindustrie sich auf ihren Lorbeeren ausruht", sagte der CDU-Politiker. Die Branche müsse endlich die elektronische Wegfahrsperre weiterentwickeln. Mit Hilfe präziser Anleitungen im Internet ließen sich heute aber sogar die Sperren der modernsten Fahrzeugmodelle knacken.

ada/dpa/Reuters

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