Kriminalstatistik Weniger Gewalt, mehr Einbrüche

Laut der neuen Kriminalstatistik hat vor allem die Zahl der Wohnungseinbrüche zugenommen. Politiker sprechen von einem "neuen Typ Einbrecher". Bei der Gewaltkriminalität wurde ein Rückgang der Straftaten registriert.

Polizeibeamte bei Ermittlungen in Berlin: Mehr Einbrüche, weniger Gewalttaten
DPA

Polizeibeamte bei Ermittlungen in Berlin: Mehr Einbrüche, weniger Gewalttaten


Berlin/Wiesbaden - Wohnungseinbrüche, Internetkriminalität und Taschendiebstahl: Laut der neuen Kriminalstatistik haben Delikte aus diesen Bereichen im vergangenen Jahr deutlich zugenommen. Die Zahlen könnten nun Konsequenzen haben. Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) fordert einen Stopp des Personalabbaus bei den Ermittlungsbehörden.

Zwar blieb die Zahl der Straftaten mit knapp sechs Millionen insgesamt konstant, wie Innenminister Thomas de Maizière (CDU) am Mittwoch bekanntgab. Demnach gab es weniger Sachbeschädigungen und einen Rückgang der Gewaltkriminalität. Vor allem Jugendliche begingen 2013 deutlich weniger Gewalttaten als im Jahr zuvor. Aber: Im gleichen Zeitraum gab es in Deutschland fast 150.000 Wohnungseinbrüche - so viele wie seit 15 Jahren nicht mehr.

Für die gut organisierten Banden, die Deutschland ins Visier genommen hätten, gebe es derzeit nur ein geringes Entdeckungsrisiko, sagte der GdP-Bundesvorsitzende Oliver Malchow. "Wir haben zu wenige Leute, denen man zu wenig Zeit gibt, nach Einbrüchen eine intensive Tatortarbeit zu machen", sagte er. Diese sei aber notwendig, um Lagebilder für die weiteren Ermittlungen zu erstellen.

Der Bund Deutscher Kriminalbeamter (BDK) machte ebenfalls personelle Engpässe für die momentane Situation verantwortlich. In vielen Bundesländern müsse die Polizei schon Privatfirmen beauftragen, um sichergestellte Festplatten mit verdächtigen Fotos und Videos auszuwerten, sagte BDK-Chef André Schulz.

Die Tricks der Diebesbanden
Auch de Maizière zeigte sich besorgt angesichts der gut vernetzten und mobilen Banden, die für die viele Einbrüche in Deutschland verantwortlich sein sollen. Diese Gruppen arbeiteten nach dem Muster der Organisierten Kriminalität. Der Vorsitzende der Innenministerkonferenz der Länder, Nordrhein-Westfalens Ressortchef Ralf Jäger (SPD), sprach von einem "neuen Typ Einbrecher", der die Polizei vor neue Herausforderungen stelle.

vks/dpa/AFP



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insgesamt 10 Beiträge
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Affenhirn 04.06.2014
1. Ressourcen optimaler verteilen
wie viele Manntage steckt die Polizei in die Begleitung der Fussballspiele etc.? Und wie viele Manntage in die Aufarbeitung von Einbrüchen etc.?
rolandjulius 04.06.2014
2. Noch mehr Einbrüche
Herr Innenminister, wissen Sie dass unterbliebene Strafverfolgung gegen das Völkerrecht verstößt? Das ist ein Armutszeugnis eines "Rechtsstaates"
outwiper 04.06.2014
3. Optional
mal die ganzen Verkehrspolizisten von der Strasse holen und lieber Einbruchsdelikte aufklären lassen. Aber Blitzen ist ja einfacher und bringt Geld ein. Aufklärung von Einbrüchen nicht. Soll sich doch der Pöbel mit seiner Hausratversicherung rumbalgen und sich selbst schützen. Ob aktiv oder passiv. Ach, aktiv geht ja auch schwer, da Schusswaffenbesitz in D verboten ist. Und selbst bei Notwehr ist man meistens dran. Also hoffen dass Türen und Fenster halten u dass die Nachbarn aufmerksam sind. Armes Deutschland.
Mach999 04.06.2014
4.
Wenn man sich die ersten Kommentare hier so durchliest, bekommt man den Eindruck, als wären Wohnungseinbrüche an der Tagesordnung. Ja, natürlich muss man mehr Ressourcen in die Aufklärung und Prävention stecken, wenn die Anzahl zunimmt. Aber hier von Verstößen gegen das Völkerrecht (Wo steht das denn bitte?) zu reden und Verkehrskontrollen einstellen zu wollen (jedes Jahr 4.000 Verkehrstote in Deutschland), zeigt vor allem, dass manche Leute wegen Zahlen in Panik ausbrechen, die sie nicht verstehen. Ja, es ist schlimm, wenn in die eigene Wohnung eingebrochen wird. Aber wenn in meine Wohnung alle 267 Jahre einmal eingebrochen wird (bei 150.000 Einbrüchen in 40 Millionen Wohnungen), dann finde ich das weniger schlimm und weniger traumatisierend, als verprügelt zu werden. Die Gewaltkriminalität ist aber zurückgegangen. Das ist mir viel wichtiger, und daran muss auch weiter gearbeitet werden.
OskarVernon 04.06.2014
5.
Zitat von Mach999Wenn man sich die ersten Kommentare hier so durchliest, bekommt man den Eindruck, als wären Wohnungseinbrüche an der Tagesordnung. Ja, natürlich muss man mehr Ressourcen in die Aufklärung und Prävention stecken, wenn die Anzahl zunimmt. Aber hier von Verstößen gegen das Völkerrecht (Wo steht das denn bitte?) zu reden und Verkehrskontrollen einstellen zu wollen (jedes Jahr 4.000 Verkehrstote in Deutschland), zeigt vor allem, dass manche Leute wegen Zahlen in Panik ausbrechen, die sie nicht verstehen. Ja, es ist schlimm, wenn in die eigene Wohnung eingebrochen wird. Aber wenn in meine Wohnung alle 267 Jahre einmal eingebrochen wird (bei 150.000 Einbrüchen in 40 Millionen Wohnungen), dann finde ich das weniger schlimm und weniger traumatisierend, als verprügelt zu werden. Die Gewaltkriminalität ist aber zurückgegangen. Das ist mir viel wichtiger, und daran muss auch weiter gearbeitet werden.
Vorsicht: Die allermeisten Verkehrstoten sind keine Opfer, sondern Täter - nämlich bei selbst verursachten Unfällen umgekommen. Auch wenn Sie's nicht wahrhaben wollen: Gewaltkriminalität fordert mehr Opfer als der Straßenverkehr - es liegt also auf der Hand, wo eigentlich zu unser aller Schutz die Prioritäten liegen *sollten*...
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