Kriminalstatistik 2017 Zahl erfasster Straftaten auf niedrigstem Stand seit Jahrzehnten

2017 hat die Polizei in Deutschland so wenige Straftaten registriert wie seit den frühen Neunzigerjahren nicht mehr: Die Kriminalstatistik verzeichnet 5,76 Millionen Delikte.

Polizist mit Mann in Handschellen
DPA

Polizist mit Mann in Handschellen


Die Zahl der registrierten Straftaten in Deutschland ist 2017 im Vergleich zum Vorjahr um 9,6 Prozent gesunken. Damit gingen 5,76 Millionen Delikte in die Polizeiliche Kriminalstatistik ein, die nun offiziell in Berlin von Innenminister Horst Seehofer vorgestellt wurde. Das ist der niedrigste Stand seit 1992.

Im Verhältnis zur Bevölkerungszahl ist die erfasste Kriminalitätsrate laut Ministerium sogar niedriger als in den vergangenen 30 Jahren. "Deutschland ist sicherer geworden. Gleichwohl gibt es zur Entwarnung keinen Anlass", sagte Seehofer.

Die Schlussfolgerung, Deutschland sei sicherer geworden, lässt sich auf Grundlage der Kriminalstatistik allerdings überhaupt nicht ziehen, wie eine SPIEGEL-Analyse ergibt. Doch auch die gegenteilige Aussage, dass alles immer schlimmer werde, findet in der PKS keine solide Basis. (Lesen Sie die Hintergründe dazu hier.)

Rechnet man die ausländerrechtlichen Verstöße heraus, kommt man auf 5,58 Millionen Straftaten. Als ein Grund für den Rückgang gilt, dass wegen der geringeren Zuwanderung weniger ausländerspezifische Vergehen wie illegale Einreisen und unerlaubte Grenzübertritte registriert wurden. Zum anderen ist es gelungen, Massendelikte wie Diebstahl einzudämmen.

Zentrale Trends aus der Statistik waren schon Ende April bekannt geworden. Die Aufklärungsquote stieg 2017 auf 57,1 Prozent und erreichte damit einen neuen Höchststand. Ein Fall gilt als "Aufgeklärt", sobald die Polizei einen Tatverdächtigen ermittelt hat - ob dieser jemals wegen der Straftat verurteilt wird, spielt keine Rolle.

Insgesamt wurden 2,11 Millionen Tatverdächtige ermittelt, was einem Rückgang um 10,5 Prozent entspricht. Darunter befanden sich 1,38 Millionen deutsche (minus 2,2 Prozent) und 736.265 nichtdeutsche Tatverdächtige (minus 22,8 Prozent). Der Anteil tatverdächtiger Personen ohne deutsche Staatsangehörigkeit ging im Vergleich zum Vorjahr von 40,4 auf 34,8 Prozent zurück.

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Diebstähle machten wie in den Vorjahren einen Anteil von 36,3 Prozent an der gesamten Kriminalität aus. Im Vergleich zum Jahr davor sank ihre Anzahl um 11,8 Prozent auf 2,09 Millionen Fälle. Mit 23 Prozent besonders stark zurückgegangen sind Wohnungseinbrüche, die aber immer noch 116.540 Fälle ausmachen. Bei 52.495 davon handelte es sich um Versuche.

Auch die Zahl der Gewaltverbrechen wie Körperverletzung, Totschlag, Raub oder Mord war mit einem Minus von 2,4 Prozent rückläufig - insgesamt wurden 188.946 solcher Delikte registriert.

Einen starken Rückgang gab es bei ausländerrechtlichen Verstößen. Diese sanken um 63,1 Prozent - so etwa die unerlaubte Einreise nach dem Aufenthaltsgesetz um fast 80 Prozent (50.147 Fälle) und der unerlaubte Aufenthalt um 48,4 Prozent (116.344).

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Einen starken Anstieg um 9,2 Prozent gab es bei Drogendelikten zu verzeichnen. 330.580 Fälle wurden hier registriert. Die stärksten Zuwächse gab es bei LSD (27 Prozent), Kokain (18,7) und Cannabis (12 Prozent). Bei Rauchgiftkriminalität handelt es sich um ein sogenanntes Kontrolldelikt - je mehr die Polizei in diesem Bereich ermittelt, desto mehr Fälle deckt sie auf. In vielen Städten gab es im vergangenen Jahr verstärkte Kontrollen. Zudem hat der Zoll erweiterte Kontrollmöglichkeiten und die Fälle des Zolls zählen erstmals auch in die PKS.

Noch deutlicher war der Zuwachs bei Wirtschaftskriminalität: Hier gab es einen Anstieg um 28,7 Prozent auf 74.070 Taten. Laut dem Bericht ist die Ursache für den Anstieg im Wesentlichen ein komplexes Ermittlungsverfahren mit zahlreichen Einzeldelikten in Sachsen.

Deutlich zugenommen hat die strafbare Verbreitung pornografischer Schriften um 12,9 Prozent auf 10.066 Fälle, darunter Verbreitung, Erwerb, Besitz und Herstellung kinderpornografischer Schriften um 14,5 Prozent (6512 Taten) und jugendpornografischer Schriften um 23,7 Prozent.

ulz/Reuters/dpa

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