Skandal in Bremer Kinderklinik Kündigung von Chefarzt ist unwirksam

Das Hygiene-Desaster im Klinikum Bremen-Mitte hat den Leiter der Frühchenstation seinen Job gekostet. Nun hat ein Gericht seiner Klage stattgegeben und entschieden: Die Kündigung war nicht rechtens.  

Hans-Iko Huppertz vor dem Arbeitsgericht in Bremen: Klage gegen Entlassung
DPA

Hans-Iko Huppertz vor dem Arbeitsgericht in Bremen: Klage gegen Entlassung


Bremen - Fristlos entlassen: Mitte November des vergangenen Jahres hat der Chef der Kinderklinik in Bremen, Hans-Iko Huppertz, seinen Job verloren. Zu schwer wogen die Vorwürfe gegen den Mediziner, nachdem bei 23 Kindern auf seiner Station der gefährliche Keim der Gattung Klebsiella nachgewiesen worden war. Drei Frühchen starben.

Am Mittwoch hat das Arbeitsgericht Bremen-Bremerhaven nun die Entlassung für unwirksam erklärt und damit der Kündigungsschutzklage des Arztes stattgegeben. Es gebe keinen "so schwerwiegenden Verursachungsbeitrag des Klägers im Zusammenhang mit dem Keimausbruch auf der Frühgeborenenstation", dass eine Fortsetzung des Arbeitsverhältnisses nicht möglich sei, hieß es zur Begründung.

Mildere Mittel wie die Entziehung der Aufgaben als Leiter und Hygienebeauftragter der Station hätten daher Vorrang vor der Kündigung. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Erst vor wenigen Tagen waren in dem Klinikum erneut gefährliche Bakterien aufgetaucht: Ärzte stellten bei einem zehn Wochen alten Baby eine Besiedelung mit einem gefährlichen Darmbakterium fest.

aar/dpa/dapd

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insgesamt 7 Beiträge
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kaykr 23.05.2012
1. optional
ob der Richter auch so geurteilt hätte, wäre er selbst egal ob mittelbar oder unmittelbar betroffen
maxmehr2008 23.05.2012
2. Typischer ...
Zitat von sysopDPADas Hygiene-Desaster im Klinikum Bremen-Mitte hat den Leiter der Frühchenstation seinen Job gekostet. Nun hat ein Gericht seiner Klage stattgegeben und entschieden: Die Kündigung war nicht rechtens. http://www.spiegel.de/panorama/justiz/0,1518,834819,00.html
... Idiotenaktionismus durch die Schwachköpfe in der Personalabteilgung und Geschäftsführung den Mann zu feuern. Im Übrigen eine alte Masche, Chefärzte mit alten (und damit privatliquidationsberechtigten) Verträgen auf die Straße zu setzen um irgendwelche verzweifelten und unterwürfigen Profilneurotiker an die Stelle des alten Chefs zu setzen, der alle Entscheidungen der gescheiterten BWLer, die sich so in deutschen Kliniken rumtreiben, abzunicken. Was zum Geier kann der Mann für Klebsielle Besiedlung??? Müssen Chefärzte jetzt persönlich die Krankenhausflure desinfizieren?? (die oben genannten Lakaien würden das sicher liebend gerne tun) Ist es nicht viel eher so, dass fast alle deutschen Kliniken durch und durch keimverseucht sind (ESBL, MRSA, Noroviren etc.) und dass aufgrund von Outsourcingmaßnahmen und Verlagerung ehemals noch einigermaßen bezahlter angestellter Reinigungskräfte auf Service Firmen (die natürlich so die Hälfte bezahlen) die Motivation gründlich zu putzen schwer nachgelassen hat? Ist es nicht so, dass es nicht wie in holländischen Kliniken Quarantänemaßnahmen aufgrund von Personal und Budgetmangel eine gute Kontrolle von Krankenhauskeimen gibt??? Hmm mal nachdenken ... ach und Spiegelforumszensierer, auch wenn ich hier harte Worte zur Anwendung bringe, so trifft es doch GENAU den Nagel auf den Kopf, also bitte sparen Sie sich einmal die tolle political correctness und veröffentlichen Sie meinen Beitrag :)) ich danken Ihnen.
menne61 23.05.2012
3. Rechtens
Zitat von sysopDPADas Hygiene-Desaster im Klinikum Bremen-Mitte hat den Leiter der Frühchenstation seinen Job gekostet. Nun hat ein Gericht seiner Klage stattgegeben und entschieden: Die Kündigung war nicht rechtens. http://www.spiegel.de/panorama/justiz/0,1518,834819,00.html
Habe auch in Mitte gelegen, in der HNO. Die Putzfrauen dort haben auch nicht ihre Handschuhe gewechselt und mit einem Feudel ohne zu wechseln den ganzen Raum gewischt, einschließlich des Bades. Das Fensterbrett haben sie nur sporadisch gewischt, die Bettrahmen schon gar nicht. Da kann man sich vorstellen wie verheerend sich sowas auf der Frühchen Station auswirkt. Nur, das alles dem Chefarzt anzukreiden ist der einfachste Weg. Kann mir keiner sagen das diese Mißstände nicht schon lange bekannt gewesen sein müssen. Hinter vorgehaltener Hand hat es sicherlich schon Gesprächsstoff gegeben. Nur, keiner wollte sich den Hut aufsetzen.
miruwa 23.05.2012
4.
Zitat von menne61Habe auch in Mitte gelegen, in der HNO. Die Putzfrauen dort haben auch nicht ihre Handschuhe gewechselt und mit einem Feudel ohne zu wechseln den ganzen Raum gewischt, einschließlich des Bades. Das Fensterbrett haben sie nur sporadisch gewischt, die Bettrahmen schon gar nicht. Da kann man sich vorstellen wie verheerend sich sowas auf der Frühchen Station auswirkt. Nur, das alles dem Chefarzt anzukreiden ist der einfachste Weg. Kann mir keiner sagen das diese Mißstände nicht schon lange bekannt gewesen sein müssen. Hinter vorgehaltener Hand hat es sicherlich schon Gesprächsstoff gegeben. Nur, keiner wollte sich den Hut aufsetzen.
Alles was höher als Boden ist oder nicht Bad sollen die auch garnicht putzen. Sitzflächen, Fensterbänke, Nachttischchen, Bettgestelle... alles Aufgaben der Pflege, die man noch so nebenbei erledigen darf. Und das nebenbei auch nicht täglich. Bis auf das Tischchen reicht es, solche Flächen bei "Entlassungen" zu desinfizieren. Im 3-Bett-Zimmer sind sie da trotzdem 4-5mal die Woche dran. Oberflächendesinfektion macht nebenbei bei sowas auch wenig Sinn. Ne Stunde später ist die Keimdichte wie zuvor und nen Nutzen für den Patienten hat es nicht.
carlo 23.05.2012
5. Bravo
Ein Hoch auf das Arbeitsgericht Bremen. Es gibt doch noch einen Hauch Gerechtigkeit in diesem Land. Es bleibt nur zu hoffen, dass der Schaden, der durch das feige Vorgehen derjenigen, die nur darauf bedacht sind, durch ein Bauernopfer von der eigenen Verantwortung abzulenken, nicht zu groß ist und das Team der Neonatologie sich wieder auf das konzentrieren kann, was es am besten kann, nämlich Leben zu Retten.
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