KZ Auschwitz Ehemaliger SS-Wachmann muss vor Gericht

Ein 93-Jähriger muss sich ab April vor dem Landgericht Hanau verantworten. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm wegen seiner Arbeit als Wachmann im KZ Auschwitz Beihilfe zum Mord vor.

Landgericht Hanau: Ab April Prozess gegen früheres SS-Mitglied
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Landgericht Hanau: Ab April Prozess gegen früheres SS-Mitglied


Mehr als 70 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs kommt ein ehemaliger KZ-Wachmann vor Gericht. Der heute 93-Jährige war laut Anklage an der Tötungsmaschinerie der Nazis in Auschwitz beteiligt, wie das Landgericht Hanau mitteilte. Dem Rentner wird Beihilfe zum Mord vorgeworfen.

Der Anklage zufolge war der Beschuldigte als junger Mann acht Monate vom 1. November 1942 bis 25. Juni 1943 in dem KZ im damals besetzten Polen stationiert. Der Prozess wird vor einer Jugendkammer stattfinden, weil der Angeklagte zu Beginn des fraglichen Zeitraums erst 19 Jahre alt war.

Nach Auffassung des Gerichts besteht hinreichender Tatverdacht, dass das damalige SS-Mitglied an den Nazi-Verbrechen in dem KZ beteiligt war. Konkret geht es in der Anklage um drei Deportationstransporte und mindestens 1075 getötete Menschen. Die Züge kamen aus Berlin, Drancy (Frankreich) und Westerbork (Niederlande) am 1. November 1942, 19. Mai 1943 und 25. Juni 1943 nach Auschwitz.

Die Anklage ist zugelassen, der Beschuldigte verhandlungsfähig und das Hauptverfahren eröffnet. Der Prozess soll Mitte April beginnen.

Der Prozess in Hanau steht in einer Reihe mit weiteren Verfahren. Am 11. Februar beginnt in Detmold ein Prozess gegen einen ehemaligen SS-Wachmann, der heute 94 Jahre alt ist. Weitere Personen, die in Auschwitz Dienst taten, sind in Neubrandenburg und Kiel angeklagt.

Hintergrund der Verfahren ist ein gewandeltes Rechtsverständnis. Demnach müssen auch frühere Auschwitz-Helfer, die womöglich nur am Rande mit dem mörderischen Geschehen zu tun hatten, damit rechnen, doch noch belangt zu werden - Mord verjährt nicht. Wer seinen Teil zum Funktionieren der Tötungsmaschinerie, zum industriell organisierten Massenmord beitrug, wird verfolgt.

ulz/dpa



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