Holocaust Staatsanwaltschaft lehnte Ermittlungen gegen Auschwitz-Buchhalter ab

Oskar Gröning steht in Lüneburg vor Gericht, die Staatsanwaltschaft Hannover wirft ihm Beihilfe zum Mord in 300.000 Fällen vor. Die Frankfurter Staatsanwaltschaft hingegen wollte nach SPIEGEL-Informationen den früheren SS-Mann verschonen.

Tor zum KZ Auschwitz: Prozess um Beihilfe zum Mord in 300.000 Fällen
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Tor zum KZ Auschwitz: Prozess um Beihilfe zum Mord in 300.000 Fällen

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Die Staatsanwaltschaft Frankfurt am Main hat die Wiederaufnahme von Ermittlungen gegen einen in Auschwitz eingesetzten SS-Mann abgelehnt. Nach Informationen des SPIEGEL wollte die Behörde im Januar 2013 nicht gegen den im Vernichtungslager als Buchhalter eingesetzten Oskar Gröning vorgehen. (Lesen Sie hier die ganze Geschichte im neuen SPIEGEL.)

Die Staatsanwaltschaft hatte bereits 1985 ein Ermittlungsverfahren gegen Gröning eingestellt. "Die Kausalität seiner Tätigkeit" sei "für den Erfolg der Vernichtungsaktion" nicht gegeben gewesen, hieß es damals. Gröning habe lediglich Dienst in der Lagerverwaltung gemacht, der Massenmord im Konzentrationslager könne ihm nicht zur Last gelegt werden.

Die Staatsanwaltschaft Hannover beurteilt die Rechtslage vollkommen anders. Sie klagte den heute 93-Jährigen im August 2014 wegen Beihilfe zum Mord in 300.000 Fällen an. Gröning habe in Auschwitz den reibungslosen Ablauf der Tötungsmaschinerie gewährleistet, heißt es in der 85-seitigen Anklageschrift.

Am Dienstag beginnt der Prozess vor dem Landgericht Lüneburg. Gröning will offenbar aussagen: Sein Mandant werde Stellung zur Anklage nehmen, sagte Anwalt Hans Holtermann der "Allgemeinen Zeitung" Uelzen.

Dieses Thema stammt aus dem neuen SPIEGEL - ab Samstagmorgen erhältlich.

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