KZ-Wächter Neues Verfahren gegen Demjanjuk

Wegen seiner Taten im Vernichtungslager Sobibór ist er bereits verurteilt worden, jetzt untersuchen Staatsanwälte, was er noch verbrochen hat: Dem ehemaligen KZ-Wachmann John Demjanjuk droht ein neues Verfahren wegen Beteiligung an der Ermordung von 4974 Menschen im KZ Flossenbürg.

DPA

Berlin - Gegen den früheren KZ-Wachmann John Demjanjuk läuft ein neues Verfahren. Wie der "Tagesspiegel" berichtet, prüft die Staatsanwaltschaft Weiden in der Oberpfalz Vorwürfe im Zusammenhang mit seiner Tätigkeit als Wachmann in dem nationalsozialistischen Konzentrationslager Flossenbürg. Hier soll er von Oktober 1943 bis Dezember 1944 an der Ermordung von 4974 Menschen beteiligt gewesen sein.

"Es gibt einen Anfangsverdacht aufgrund einer Anzeige", sagte Oberstaatsanwalt Gerhard Heindl der Zeitung. Die neue Strafanzeige stellten zwei Schlüsselfiguren des vorherigen Demjanjuk-Prozesses, der frühere Ermittlungsrichter Thomas Walther und der Nebenklagevertreter Cornelius Nestler.

Im Mai war Demjanjuk in München wegen Beihilfe zum Mord an 27.900 Juden im Vernichtungslager Sobibór schuldig gesprochen und zu fünf Jahren Haft verurteilt worden. Der gebürtige Ukrainer, der nach langem Rechtsstreit aus seinem langjährigen Aufenthaltsland USA nach Deutschland abgeschoben worden war, befindet sich auf freiem Fuß, weil das Gericht den Haftbefehl unter anderem wegen seines hohen Alters außer Vollzug gesetzt hat.

kuz/dpa

Forum - Diskussion über diesen Artikel
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syd_ 16.07.2011
1. Was bringt das den überhaupt ...
Ich finde es sehr gut auch nach so einer langen Zeit die Verbrecher des Nazi Regimes zu Verurteilen aber dann sollen Sie auch in den Knast und nicht wie hier erst ein riesen Bohei machen und Ihn dann doch einfach auf freien Fuss setzen. Dann hätte man sich das auch alles sparen können. Und die 2. Anklage kann man sich ja dann auch sparen wenn er eh nicht ins Gefängnis muss.
Marie Laveau 16.07.2011
2. W
Wirds jetzt nicht langsam mal Zeit, dass wir George Dabbelju wegen Vorbereitung und Durchführung eines illegalen Angriffskrieges vor Gericht stellen? Oder trauen wir uns das nicht?
unente, 16.07.2011
3. schön auskübeln
Zitat von syd_Ich finde es sehr gut auch nach so einer langen Zeit die Verbrecher des Nazi Regimes zu Verurteilen aber dann sollen Sie auch in den Knast und nicht wie hier erst ein riesen Bohei machen und Ihn dann doch einfach auf freien Fuss setzen. Dann hätte man sich das auch alles sparen können. Und die 2. Anklage kann man sich ja dann auch sparen wenn er eh nicht ins Gefängnis muss.
Dafür überschlägt sich die BRD-Justiz jetzt noch einmal voller Übereifer, um an einem ehemaligen Kriegsgefangenen das Exempel zu statuieren, welches sie in der ganzen Nachkriegszeit so sträflich missen ließ. Filbinger bekam sogar noch ein Staatsbegräbnis - aber der war ja, wie viele andere Nazis auch, am Aufbau dieses "Rechtsstaates" (einschließlich Justiz) maßgeblich beteiligt. Zum Glück kann man aber den schlimmsten aller schlimmen Verbrecher der 'Demjanjuk-Zeit' (so muss man diese Epoche wohl ab jetzt bezeichnen) nun endlich vorführen und rundumverurteilen.
Hans58 16.07.2011
4. Nie mehr einen Titel...
Zitat von syd_Ich finde es sehr gut auch nach so einer langen Zeit die Verbrecher des Nazi Regimes zu Verurteilen aber dann sollen Sie auch in den Knast und nicht wie hier erst ein riesen Bohei machen und Ihn dann doch einfach auf freien Fuss setzen. Dann hätte man sich das auch alles sparen können. Und die 2. Anklage kann man sich ja dann auch sparen wenn er eh nicht ins Gefängnis muss.
Ich stimme Ihrem Beitrag vollinhaltlich zu. Im Fall des noch nicht rechtskräftig verurteilten Mannes, der im April dieses Jahres 91 Jahre alt wurde, ist die Befassung der StA mit weiteren möglichen Kriegsverbrechen "für die Katz". Gelegentlich werde ich das Gefühl nicht los, dass sich die Staatsanwaltschaften und auch die Gerichte mit absolut aussichtslosen Fällen befassen, bei denen dann erkennbar und unabhängig vom Ergebnis alles beim alten bleibt. Um nicht missverstanden zu werden: Die Verbrechen von 1933 - 1945 müssen - soweit noch offen - auch weiterhin aufgeklärt werden und die Täter bestraft werden (wobei diese bei Kriegsende nicht jünger als 18-21 Jahre alt sein konnten und damit heute auch hoch in die 80 sind).
grafheini2 16.07.2011
5. Angriffskriege
Zitat von Marie LaveauWirds jetzt nicht langsam mal Zeit, dass wir George Dabbelju wegen Vorbereitung und Durchführung eines illegalen Angriffskrieges vor Gericht stellen? Oder trauen wir uns das nicht?
sind bekanntermaßen nur dann strafbar, wenn der Angreifer militärisch besiegt wird.
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