Landgericht Bayreuth Mordfall Peggy wird neu aufgerollt

Es gab einen Verdächtigen, einen Prozess, ein Urteil - und immer viele Zweifel am Verfahren. Jetzt wird der Fall Peggy Knobloch neu aufgerollt, das Landgericht Bayreuth hat die Wiederaufnahme angeordnet. Als Grund wurde unter anderem die Falschaussage eines wichtigen Zeugen angegeben.

DPA/ Polizei

Bayreuth - DerMordfall Peggy wird neu verhandelt: Die 1. Jugendkammer des Landgerichts Bayreuth hat die Wiederaufnahme des Strafverfahrens angeordnet. Der Tatverdächtige Ulvi K. war im April 2004 vom Landgericht Hof wegen Mordes zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt worden - in einem Indizienprozess. Der geistig behinderte Gastwirtsohn K. befindet sich derzeit wegen anderer Taten in einem psychiatrischen Krankenhaus.

Der Jugendkammer zufolge gibt es zwei Gründe, die eine Wiederaufnahme des Verfahrens erfordern. Ein inzwischen verstorbener Zeuge soll vor dem Landgericht Hof eine vorsätzlich falsche Aussage zu Ungunsten des Angeklagten K. gemacht haben. Der Zeuge räumte dies im Jahr 2010 selbst vor dem Ermittlungsrichter ein. Man könne nicht ausschließen, dass diese Falschaussage auf die damalige Urteilsfindung Einfluss hatte, teilte das Gericht mit. Zudem habe die Aussage auch als Tatsachengrundlage für ein psychiatrisches Sachverständigengutachten gedient.

Als weiteren Grund für die Wiederaufnahme führt die Jugendkammer an, dass dem Gericht in Hof eine sogenannte Tathergangshypothese vom April 2002 nicht vorgelegen habe. Ein Profiler hatte diese formuliert. Darin hieß es, Ulvi K. könne Peggy auf dem Heimweg abgepasst und dann verfolgt haben. Das Mädchen sei weggerannt, den Schulranzen auf dem Rücken. Ulvi K. habe sie dann eingeholt und getötet.

Nach 40 Vernehmungen, protokolliert auf 800 Seiten, hatte Ulvi K. in Abwesenheit seines Anwalts schließlich zugegeben, Peggy getötet zu haben - sein Geständnis allerdings liest sich wie eine Kopie der Tathergangshypothese.

Das Nichtvorliegen der Tathergangshypothese sei erheblich, sagt jetzt die Jugendkammer in Bayreuth. Ein Sachverständiger, der damals die Glaubhaftigkeit der Geständnisse des Angeklagten beurteilen sollte, hatte ausgeschlossen, dass deren Inhalt Ulvi K. durch vernehmende Kriminalbeamte suggeriert worden sei.

Die Beamten hätten zum Zeitpunkt des Geständnisses am 2. Juli 2002 das Szenario nicht in der Hand gehabt, sagte der Sachverständige damals. Im Verfahren stellte sich aber heraus, dass es eine Tathergangshypothese gegeben hat.

Seit Peggy K.s Verschwinden bemühen sich eine Bürgerintiative und Journalisten herauszufinden, was im Mai 2001 wirklich geschehen ist. Der Frankfurter Rechtsanwalt Michael Euler hatte in Bayreuth den Antrag auf Wiederaufnahme des Verfahrens eingereicht.

ala



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