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Streit um Brautgeschenk: Limburger Gericht beruft sich bei Urteil auf Scharia

Eine türkische Braut darf teuren Schmuck von ihrem Schwiegervater behalten, auch wenn ihre Ehe nur wenige Monate dauerte. Das hat das Landgericht Limburg entschieden. Es entspreche der türkischen Tradition, geschiedene Frauen materiell abzusichern.

Limburg - Das Landgericht Limburg hat den Streit um eine türkische Brautgabe in Anlehnung an das islamische Scharia-Recht entschieden. In dem Verfahren ging es um Goldschmuck im Wert von etwa 12.000 Euro. Ein türkischer Familienvater hatte das Geschmeide seiner Schwiegertochter als traditionelle Brautgabe geschenkt. Die junge Frau trennte sich nach zwei Monaten Ehe von ihrem Mann, worauf der Schwiegervater das Geschenk zurückforderte.

Die Frau dürfe den Schmuck behalten, teilte am Montag das Limburger Landgericht mit. Die Brautgabe diene dazu, eine Frau bei einer Scheidung materiell abzusichern - unabhängig von der Dauer der Ehe. Dies entspreche der Rechtsprechung türkischer Obergerichte und sei auch die Wertvorstellung der beiden beteiligten türkischen Familien gewesen.

Der Grundgedanke dieser Tradition, eine geschiedene Ehefrau vor Mittellosigkeit zu schützen, sei von der Verfassung gedeckt, sagte Gerichtssprecher Andreas Janisch. Es könne nicht sicher gesagt werden, wie ein solcher Streitfall zwischen zwei deutschen Familien entschieden worden wäre. Die Grundsätze eines fremden Kulturkreises könnten aber in eine Entscheidung miteinbezogen werden, wenn sie nicht gegen das Wertesystem des Grundgesetzes verstoßen.

Aktenzeichen 2 O 384/10

ulz/dpa

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