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Geschnappte Geldfälscher von Landshut: In voller Blüte

Von , München

In einer Garage bei Landshut betrieben zwei Männer eine Geldfälscherwerkstatt - mit herkömmlichen Tintenstrahldruckern. Ihre 50-Euro-Blüten gingen auch an Besteller aus dem Ausland, jetzt schlug die Polizei zu.

Polizistin mit sichergestelltem Falschgeld Zur Großansicht
DPA

Polizistin mit sichergestelltem Falschgeld

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Drei herkömmliche Tintenstrahldrucker, ein paar Chemikalien, Schneidegeräte, Papier und eine Seite im Internet - viel mehr brauchten die beiden jungen Männer nicht für ihre kriminellen Geschäfte. Den Ermittlern gingen sie am vergangenen Mittwoch ins Netz. Die Beamten stießen in der Nähe von Landshut auf eine Geldfälscherwerkstatt der besonderen Art.

Die beiden Männer im Alter von 21 und 23 Jahren hatten sich offenbar nicht nur das Material für die Falschnoten beschafft, darunter auch Hologramme. Sie hatten die Blüten auch hergestellt und zudem anschließend über das Internet verkauft. Diese Vorgehensweise sei deutschlandweit eine Premiere, sagte Helmut Schäfer, Leiter des Sachgebiets Falschgeld beim Bayerischen Landeskriminalamt, am Mittwoch in München.

In einer Garage, die als Werkstatt diente, stießen die Fahnder auf 60 fertiggestellte 50-Euro-Falschnoten sowie die technische Ausstattung der Geldfälscher. Die Ermittlungen ergaben, dass die Täter bereits Falschgeld über das sogenannte Darknet angeboten hatten und die Blüten an Besteller verschickt worden waren. In sichergestellten Unterlagen stieß die Polizei auf rund 200 Post-Einlieferungsbelege. Laut Ermittlern hatten die beiden Männer im vergangenen Dezember mit der Produktion ihrer Blüten begonnen.

50 Falschgeldkäufer im Fokus der Fahnder

Unklar ist, wieviel Falschgeld von den einzelnen Bestellern geordert wurde. Die Ermittler würden davon ausgehen, "dass man nicht unter fünf Noten bestellt", sagte Schäfer. Die beiden Männer hatten ihre 50-Euro-Falschnoten für rund 10 Euro das Stück im Internet angeboten, zahlbar per Digitalwährung Bitcoin. Geordert wurde demnach von Personen aus Deutschland, Österreich, der Schweiz und den Niederlanden.

Man habe bereits 50 Namen von Falschgeldbeziehern im Visier, sagte Schäfer. Wer sich Falschgeld verschafft, muss mit einer Freiheitsstrafe von mindestens einem Jahr rechnen. Den beiden Tätern, die in Untersuchungshaft sitzen, droht eine Haftstrafe von mindestens zwei Jahren. Der Landshuter Staatsanwaltschaft zufolge bestritten sie ihren Lebensunterhalt von den Geldfälschungen. Einer der beiden hatte sich zwischenzeitlich ein luxuriöses Auto gemietet: einen Lamborghini. Mietkosten pro Tag: 500 Euro. An dem Fahrzeug verursachte er einen Schaden in Höhe von mehr als 10.000 Euro.

Einer der beiden Männer, der 23-Jährige, räumte bereits seinen Tatbeitrag ein, er will aber lediglich ein Helfer gewesen sein. Der 21-Jährige machte dagegen bislang keine Angaben.

"Ziemlich sorglos" im Umgang mit verdächtigen Papierabfällen

Das Falschgeld sei von schlechter Qualität gewesen, sagten die Ermittler. Die Täter hätten die Scheine aber mit Hologrammen aufgepeppt. Zum Schutz vor Fälschungen weisen die meisten Geldscheine Hologramme auf. Woher die Hologramme auf den Landshuter Falschnoten stammen, ist noch unklar - man könne entsprechende Fälschungen unter anderem in China bestellen, so die Polizei.

Ein Anwohner brachte die Ermittler auf die Spur der Landshuter Geldfälscher: Ihm war es im Januar merkwürdig vorgekommen, dass die beiden Männer regelmäßig die Garage aufsuchten, in der kein Auto geparkt war. Stattdessen kamen sie regelmäßig mit Papier und brachten später in Kunststoffsäcke verpackte Papierreste wieder weg. Die Täter seien "ziemlich sorglos" im Umgang mit ihren verdächtigen Papierabfällen gewesen, so LKA-Mann Schäfer.

Frieren wollten die beiden Männer bei ihren Fälschungsarbeiten in der Garage nicht: Die Polizei fand in der Werkstatt neben zwei Stühlen und zwei Schreibtischen auch einen Elektroheizkörper.


Zusammengefasst: Die Polizei hat in Landshut zwei jungen Geldfälschern das Handwerk gelegt und deren Werkstatt ausgehoben. Es handele sich bundesweit um eine Premiere, sagte der Leiter der zuständigen Abteilung beim Bayerischen Landeskriminalamt (LKA): Die beiden hätten sämtliche Schritte von der Bestellung der Hologramme bis zum Vertrieb der falschen Noten über das Internet selbst abgewickelt. Den beiden drohen laut Staatsanwaltschaft mindestens zwei Jahre Haft, da sie gewerbsmäßig fälschten. Gefunden wurden in der Landshuter Garage 60 gefälschte 50-Euro-Scheine sowie 200 Postbelege, die den Versand von Banknoten an Besteller im In- und Ausland dokumentieren.

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