Las-Vegas-Attentäter Stephen Paddock "Er war immer nett zu meinen Kindern"

Normal, offen, nett - so beschreiben Freunde und Familie den Las-Vegas-Attentäter Stephen Paddock. Über das Arbeitsleben des 64-Jährigen ist wenig bekannt. Sein Vater wurde seinerzeit vom FBI gesucht.

Abgesperrter Bereich vor dem Mandalay-Bay-Hotel
AFP

Abgesperrter Bereich vor dem Mandalay-Bay-Hotel


Er war ein pensionierter Buchhalter, lebte unauffällig auf einer Golfanlage in der Wüste von Nevada und hatte keinerlei Vorstrafen: Nichts an der bislang bekannten Vorgeschichte von Stephen Craig Paddock deutet darauf hin, was ihn zu einer der fürchterlichsten Gewalttaten der jüngeren US-Geschichte antrieb.

Mindestens 59 Menschen hat der Rentner während eines Country-Konzerts in Las Vegas erschossen und mehr als 500 weitere verletzt. Als ein Spezialeinsatzkommando kurz darauf das Hotelzimmer stürmte, von dem er aus in die Menge gefeuert hatte, war der 64-Jährige bereits tot - offensichtlich hatte er sich das Leben genommen.

Freunde und Familie reagierten geschockt und entsetzt. "Er war kein begeisterter Waffen-Typ. Ich wusste zwar, dass er über Pistolen verfügte. Aber so weit ich weiß, hat er keine Maschinengewehre besessen", sagte Eric Paddock, der Bruder des Attentäters.

"Ein ganz normaler und offener Mann"

"Wo zur Hölle hat er diese automatischen Waffen her? Er hatte keinen militärischen Hintergrund", führte Paddock fort. Letztmals soll er mit seinem Bruder in Kontakt getreten sein, als Hurrikane Irma über Florida hinwegfegte. Der Massenmörder, der aus dem 32. Stock auf die Konzertbesucher gezielt hatte, soll sich nach dem Wohlbefinden von Erics Familie erkundigt haben. "Er liebte es zu zocken. Er war nett zu meinen Kindern, wenn sie in Las Vegas waren", sagte Paddock.

Sharon Judy, eine ehemalige Nachbarin von Stephen Paddock in Viera (Florida), beschrieb den 64-Jährigen als einen "ganz normalen und offenen Mann". "Als wir uns das erste Mal sahen, vertraute er mir direkt seinen Schlüssel an und sagte: 'Hey, hab mal ein Auge auf mein Haus, solange ich weg bin'".

Details zu seinem Arbeitsleben gibt es kaum. Zwischen 1985 und 1988 soll er für eine Luft- und Raumfahrtfirma gearbeitet haben. Die "Dallas Morning News" hatte zudem berichtet, dass Paddock ab 2000 als Manager und Eigentümer eines Gebäudekomplexes in Mesquite (Texas) gearbeitet haben soll.

Aufschlussreicher waren die Recherchen zum Vater des Attentäters: Benjamin Hoskins Paddock, ein verurteilter Bankräuber, wurde in den Sechziger- und Siebzigerjahren vom FBI gesucht. 1969 zählte er laut dem amerikanischen Inlandsgeheimdienst nach einem Gefängnisausbruch zu den gefährlichsten Menschen des Landes. Er wurde als psychopathisch und extrem selbstmordgefährdet eingestuft.

bam/dpa



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