Massaker von Las Vegas Hotelkette will mit Klage Ansprüche der Opfer abwehren

Die Hotelkette MGM geht gegen mehr als tausend Opfer des Massakers von Las Vegas vor. Ein Anwalt bezeichnet das als "das verwerflichste Verhalten, das ich jemals gesehen habe".

Mandalay Bay Resort and Casino in Las Vegas
AP

Mandalay Bay Resort and Casino in Las Vegas


Die US-Hotelkette MGM Resorts will sich nach dem Las-Vegas-Massaker von 2017 vor juristischen Ansprüchen schützen. Das Unternehmen habe eine entsprechende Feststellungsklage eingereicht, um sich bestätigen zu lassen, dass es nicht haften müsse, teilte Sprecherin Debra DeShong auf Facebook mit.

"Unsere Beschwerde richtet sich nur gegen Menschen, die uns entweder schon verklagt oder damit gedroht haben." Es gehe dabei nicht um Geld. Mehr als tausend Menschen haben einem Bericht der Zeitung "Las Vegas Review-Journal" zufolge die Kette bereits verklagt.

Ein 64 Jahre alter Mann hatte am 1. Oktober 2017 von einem Hotelzimmer der Kette aus 58 Menschen erschossen und Hunderte verletzt. Nach dem Massaker kritisierten Überlebende die Sicherheitsmaßnahmen in dem Hotel. Im Zimmer des Schützen fanden Ermittler nach der Tat 23 Waffen.

Die Klage richtet sich gegen zahlreiche Opfer, um zu vermeiden, für die Tat und ihre Folgen verantwortlich gemacht zu werden. Man sei in keiner Weise haftbar, argumentiert MGM unter Berufung auf ein Gesetz, das nach den Anschlägen vom 11. September 2001 erlassen wurde.

Die Sicherheitsanforderungen habe man erfüllt: Der von MGM Resorts beauftragte Sicherheitsdienst habe ein Zertifikat des US-Heimatschutzministeriums gehabt, wonach das Unternehmen vor "Akten von Massenverletzungen und Zerstörung" schütze und darauf reagiere.

Die Opfervereinigung Route 91 Strong teilte mit, MGM mache die Überlebenden erneut zu Opfern. Viele von ihnen litten immer noch unter posttraumatischen Belastungsstörungen, hätten ihre Arbeit verloren oder seien wegen des Massakers suizidgefährdet.

"In meinen 30 Jahren Berufstätigkeit ist dies das verwerflichste Verhalten, das ich jemals gesehen habe", sagte der Anwalt Robert Eglet, der eines der Opfer vertritt.

Das Massaker war an der Zahl der Opfer gemessen das folgenreichste der vergangenen Jahre in den USA. An jenem späten Sonntagabend hatte Stephen Paddock, ein bis dahin unauffällig lebender Spieler, aus seinem Zimmer im Hotel Mandalay Bay aus das Feuer auf ein gegenüberliegendes Musikfestival mit 20.000 Besuchern eröffnet. Anschließend tötete er sich laut Polizei selbst. Sein Motiv ist noch immer unklar.

bbr/dpa/AFP



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penie 18.07.2018
1. Was soll denn daran verwerflich sein?
Verwerflich ist doch das Verhalten der Angehörigen, die meinen, wie es in USA und inzwischen auch bei uns üblich ist, irgend jemanden verklagen zu müssen. Bei allem Respekt vor ihrem Leid: Augenscheinlich trifft die Hotelgesellschaft kein Verschulden und das sie sich gegen diese absurde Klage wehren, ist ohnehin ihr gutes Recht. "Opferanwälte" sind natürlich Partei und arbeiten, vor allem in den USA mit Mitteln, die m.E. zum Entzug der Zulassung führen müßten. Der Gegenpartei das Recht auf juristische Gegenwehr abzusprechen, zeugt von einem Rechtsverständnis, das einem Organ der Rechtspflege nicht ansteht.
geotie 18.07.2018
2.
Also das ist wirklich seltsam!? Da wollen einige das Hotel verklagen, aber die Waffenhersteller werden gar nicht in Betracht gezogen! Warum, weil da einige Senatoren und Waffenhändler gesagt haben, das Gott die Waffen so gewollt habe? Aber was soll man sagen, die US-Amis haben schon eine seltsame Auffassung mit Waffen. Was soll's!
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