Mutmaßlicher Nazi-Kriegsverbrecher Ungarn klagt Csatáry an

Bis vor einem Jahr lebte er unbehelligt in Budapest, nun muss sich László Csatáry in Ungarn vor Gericht verantworten: Die Staatsanwaltschaft hat Anklage gegen den mutmaßlichen Nazi-Kriegsverbrecher erhoben, schon binnen 90 Tagen soll der Prozess beginnen.

Csatáry im Juli 2012 in Budapest: Jetzt auch in Ungarn angeklagt
REUTERS

Csatáry im Juli 2012 in Budapest: Jetzt auch in Ungarn angeklagt


Budapest - Wegen Beihilfe zur Tötung von Juden im Zweiten Weltkrieg hat die ungarische Justiz Anklage gegen den mutmaßlichen Nazi-Kriegsverbrecher László Csatáry erhoben. Da der Fall des 98-Jährigen "außergewöhnlich" sei, müsse nun binnen 90 Tagen ein Prozess gegen ihn beginnen, teilte die Staatsanwaltschaft mit.

Csatáry soll zwischen 1941 und 1944 maßgeblich an der Deportation von 15.700 Juden aus dem Ghetto Košice in der heutigen Slowakei in Konzentrationslager der Nationalsozialisten mitgewirkt haben. Er bestreitet die Vorwürfe.

Nach dem Krieg lebte Csatáry zunächst unbehelligt unter falschem Namen in Kanada - obwohl er 1948 in Abwesenheit in Košice zum Tode verurteilt worden war. Als die Behörden 1995 seine wahre Identität herausfanden, floh er in seine ungarische Heimat. Im Jahr 2011 machte das Simon-Wiesenthal-Zentrum in Jerusalem die ungarischen Behörden auf seinen mutmaßlichen Aufenthaltsort aufmerksam.

Im vergangenen Juli wurde Csatáry in seiner Wohnung in Budapest festgenommen und steht seitdem unter Hausarrest. Die Slowakei hatte sich um eine Auslieferung Csatárys bemüht und deshalb die Verurteilung zum Tod in eine lebenslange Haftstrafe umgewandelt. Die Todesstrafe in der Slowakei ist abgeschafft.

hut/AFP

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