NSU-Anschlag mit Nagelbombe: Polizisten sollen auffällig früh am Tatort gewesen sein

Tatort Keupstraße in Köln: Wann waren die Ermittler vor Ort? Zur Großansicht
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Tatort Keupstraße in Köln: Wann waren die Ermittler vor Ort?

Hatte die Polizei vor dem NSU-Bombenanschlag in Köln Hinweise, dass etwas passieren könnte? Das ZDF berichtet, ein Zeuge habe unmittelbar nach der Tat Beamte am Tatort beobachtet. Ein Mitglied des Untersuchungsausschusses hält es demnach für unwahrscheinlich, dass die Fahnder zufällig da waren.

Hamburg - Unmittelbar nach dem vor knapp neun Jahren verübten Bombenanschlag des Nationalsozialistischen Untergrunds (NSU) in der Kölner Keupstraße waren laut einem ZDF-Bericht zwei Polizisten vor Ort. Dies habe das nordrhein-westfälische Innenministerium bestätigt, berichtete das "heute journal" am Sonntagabend laut einer Vorabmeldung unter Berufung auf ein entsprechendes Schreiben des Ministeriums. Darin würden die beiden Beamten namentlich genannt.

Der Zeuge Ali D., der die Beamten damals beobachtet hatte, habe nach eigener Aussage direkt nach dem Anschlag der Polizei von seinem Wissen berichtet, so das ZDF. Trotzdem sei er erst 2013 von der Polizei vorgeladen worden.

Clemens Binninger, CDU-Obmann im NSU-Untersuchungsausschuss, sagte dem "heute journal", dies werfe Fragen auf: "War es ein Routineeinsatz, zufällig in der Nähe des Anschlagsorts?" Das schätzt Billinger dem Vorabbericht zufolge als "unwahrscheinlich, aber nicht ausgeschlossen" ein. Weiter wird er zitiert mit der Frage: Oder "war es ein gezielter Einsatz, weil man vage Hinweise hatte, weil etwas passieren könnte?". In einem solchen Fall sei es "skandalös, wenn man es uns jetzt erst mitteilen würde".

Dem NSU werden insgesamt zehn Morde, zumeist an Menschen mit ausländischen Wurzeln zur Last gelegt sowie zwei Sprengstoffanschläge und 15 Raubüberfälle. Die Morde wurden zwischen 2000 und 2007 verübt. Bei dem Bombenanschlag in der überwiegend von Türken bewohnten Kölner Keupstraße wurden 22 Menschen verletzt.

otr/AFP

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insgesamt 65 Beiträge
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1. Wers glaubt...
Hollowmen 07.04.2013
Ich frage mich gerade, wie der Oberverdachtsschöpfer Binninger darauf kommt, dass in einer Milionenstadt wie Köln ein "Routineeinsatz" in der Nähe "unwahrscheinlich" sei. War wahrscheinlich wieder eine dieser Verschwörungen von der die Medien, die ja in diesem Fall immer wieder aus vertraulichen Akten und der Anklageschrift zitiert, nichts mitbekommen hat. Wer den Behörden auf der einen Seite Inkompetenz und totales Versagen vorwirft, macht sich unglaubwürdig, wenn er Ihnen dann zutraut so etwas komplexes wie eine Verschwörung zu organisieren, die auch noch 9 Jahre unentdeckt bleibt.
2. Tatütata, die Polizei ist da!
elegiator 07.04.2013
Wahnsinn! Es macht bumm und kurz darauf stehen zwei Polizisten am Anschlagsort. Uiuiuiui. Prima dass aus dieser Information wieder Futter für Verschwörungstheoretiker oder staatlich geknechtete Meckerköppe gemacht wird. Wenn die Polizei 15 Minuten braucht um irgendwo hinzukommen ist das Geschrei groß und wenn sie, wie vermutlich in diesem Fall, Präsenz zeigen und im Stadtbereich Streifen fahren passt das auch wieder nicht. Die waren zufällig irgendwo im der Nähe im Einsatz, sind dann voller Diensteifer zum Anschlagsort gefahren, wurden aber nicht tagelang in die Vernehmungsmangel genommen, weil sie eben keine Augenzeugen waren bzw nicht mehr zur Klärung beitragen konnten, wie alle anderen anwesenden inkl. der damaligen Videoaufzeichnungen. Also bitte - Zurückhaltung bei irgendwelchen Interpretationen zum Nachteil irgendeiner Behörde.
3.
detlefvonseggern 07.04.2013
Danach ist man immer schlauer und kommt mit "Fakten ans Tageslicht, welche nicht belegbar sind". Wurde nicht schon genügend über diese Affäre spekuliert. Zwei dringend Tatverdächtige sind tot und der dritten, sowie noch einigen Beschuldigten, wird demnächst der Prozess gemacht. Ein Prozess, welcher bereits schon im Vorfeld für genügend Wirbel gesorgt hat, und welcher auch während den nun anstehenden Verhandlungstagen evtl. so manches Ungereimtes, "klar stellen könnte".
4. Zivilpolizisten
vulletin 07.04.2013
Es sollen Beamten in zivil vor Ort gewesen sein, uniformierte Polizisten sollen deutlich später eingetrofen sein. Hier ist ein Interview mit Ali D. : http://www.nrhz.de/flyer/beitrag.php?id=17168
5. Nessie
pauschaltourist 07.04.2013
In Anbetracht der Stellenstreichungen und Revierzusammenlegungen der letzten Jahre scheint es tatsächlich bemerkenswert, zwei Beamte auf auftragsloser Präventivstreife beobachten zu können.
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Fotos: BKA/DER SPIEGEL