Lebenslänglich Frauenmörder soll 29 Jahre nach Tat in Haft

Vor fast drei Jahrzehnten soll ein Straßenbauer im Landkreis Cuxhaven eine Abiturientin ermordet haben. Der Angeklagte bestritt die Tat, wurde aber jetzt vom Landgericht Stade zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt.


Stade - Das Landgericht Stade sah es als erwiesen an, dass der zum Tatzeitpunkt 21 Jahre alte Mann die gleichaltrige Frau mit über 60 Messerstichen tötete. Die Beweise hätten den Angeklagten überführt, sagte der Vorsitzende Richter Behrend Appelkamp am Mittwoch.

Zwar gebe es viele Indizien, die für sich genommen auch eine andere Erklärung als eine Täterschaft zuließen. In der Gesamtschau könne man aber nur zu dem Schluss kommen, dass der Angeklagte die Tat begangen habe. Der Straßenbauer hatte stets bestritten, die Frau getötet zu haben.

Die Tatnacht rekonstruierte das Gericht wie folgt: Am späten Abend des 23. August 1981 war Swantje S. von ihrem Elternhaus zu einem Spaziergang aufgebrochen. Dabei traf sie auf den ihr unbekannten Angeklagten, der sie mit einem Kälberstrick würgte und sie auf einem Feld zwang, sich zu entkleiden. Dann tötete er die junge Frau, indem er ihr 60 Mal die 18 Zentimeter lange Klinge eines Messers in den Körper rammte.

Ob es zu sexuellen Handlungen kam, konnte nicht geklärt werden. Das Gericht war aber der Überzeugung, dass der Angeklagte die 21-Jährige vorsätzlich tötete - um die sexuelle Nötigung zu verdecken, so Richter Behrend Appelkamp. Swantje S. habe noch versucht zu fliehen - vergeblich. Drei Tage später wurde die nur mit Strümpfen bekleidete Leiche in einem Graben gefunden.

Erst 2008 hatte das Landeskriminalamt mit neuen Methoden DNA-Spuren an einem neben der Leiche liegenden T-Shirt dem Angeklagten zuordnen können. Er hatte freiwillig eine Speichelprobe abgegeben. Zudem war am Tatort ein Haar von ihm an einem Schal gefunden worden. Bei der Polizei bestritt der Angeklagte zunächst, am Tatort gewesen zu sein. Später behauptete er, zufällig die Leiche gefunden und auch Kleidungsstücke berührt zu haben. Mit dem Mord habe er aber nichts zu tun.

Richter Appelkamp betonte, es sei unwahrscheinlich, dass der Angeklagte mitten in der Nacht zufällig auf die Leiche getroffen sei. Der Angeklagte hatte angegeben, am Wegesrand einen an einem Pfahl hängenden Mantel entdeckt zu haben, deshalb mit seinem Auto angehalten und daraufhin die 20 Meter entfernt liegende Tote entdeckt zu haben. Dies sei angesichts der Dunkelheit "völlig ausgeschlossen", sagte Appelkamp. Wenn der Angeklagte das T-Shirt nur aufgehoben hätte, wäre das Gras zudem darunter anders eingedrückt gewesen. Auch sei dem 50-Jährigen schlecht geworden, als ihm ein Porträtfoto von Swantje gezeigt wurde.

Die Staatsanwaltschaft äußerte sich zufrieden über das Urteil. Das Gericht hatte ursprünglich den Fall wegen zu geringen Tatverdachts nicht zur Verhandlung zugelassen. Auf Beschwerde der Staatsanwaltschaft veranlasste das Oberlandesgericht, dass sich der 50-Jährige doch vor dem Landgericht verantworten musste. Die Verteidigung kündigte an, in Revision zu gehen. Der Mann muss seine Haftstrafe erst antreten, wenn das Urteil rechtskräftig ist.

Janet Binder, dapd



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