Transplantationen Staatsanwaltschaft stellt Ermittlungen an Münsteraner Uni-Klinik ein

Mit falschen Angaben sollen Transplantationsmediziner an der Uni-Klinik Münster Patienten auf der Warteliste einen Vorteil verschafft haben. Die Staatsanwaltschaft hat die Ermittlungen in dem Fall nun eingestellt - sie sieht keine Anhaltspunkte für strafrechtlich relevante Vorwürfe.


Münster - Mehrdeutige Richtlinien und versehentliche Fehleinträge sind dafür verantwortlich, dass Patientendaten für Lebertransplantationen an der Uni-Klinik Münster falsch übermittelt wurden. Davon geht die Staatsanwaltschaft Münster aus. Sie sieht aber keinen Transplantationsskandal - und hat deshalb ihre Ermittlungen wegen möglicher Manipulationen bei der Vergabe der Spenderorgane eingestellt.

Den Verantwortlichen des Transplantationszentrums der Klinik seien keine strafrechtlichen Vorwürfe zu machen, teilte die Behörde mit. Zwar seien Patientendaten fehlerhaft übermittelt worden. Ein Vorsatz sei aber nicht nachweisbar. Ob es durch die Falschmeldungen zu einer Transplantation gekommen sei, könne man nicht sagen, sagte Oberstaatsanwalt Heribert Beck.

Auslöser der Ermittlungen war im September 2013 ein Bericht der Prüf- und Überwachungskommission der Ärzte, Krankenhäuser und Krankenkassen. Die Prüfer hatten den Vorwurf erhoben, dank falscher Angaben seien Patienten auf der Warteliste für eine Organ-Übertragung vorgerückt.

Die Uni-Klinik begrüßte die entlasende Entscheidung der Ermittler nun. "Wir sind über dieses Ergebnis sehr froh, da es unsere internen Untersuchungsergebnisse sowie unsere Einschätzungen bestätigt", teilte der ärztliche Direktor der Klinik, Norbert Roeder, mit.

Die Kommission hatte in Münster wie auch andernorts "systematische Regelverstöße" konstatiert. Insgesamt überprüften sie rund 1200 Krankenakten aus den Jahren 2010 und 2011. In Münster wurden 67 Fälle geprüft und 25 Regelverstöße gefunden.

2012 waren an mehreren Transplantationszentren zahlreiche Manipulationen von Patientendaten aufgefallen. Die Patienten waren kränker gemacht worden, um schneller an ein rettendes Spenderorgan zu kommen. In einigen Fällen wurde auch die vorgeschriebene Alkoholkarenz von sechs Monaten nicht eingehalten.

ulz/dpa

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funatiker 31.07.2014
1. wie so oft
halten die Mediziner zusammen und bescheinigen sich ihre Unschuld und die Justiz nickt das ganze dann ab. nur ob die potentiellen Spender sich überzeugen lassen ist dahingestellt. Die Transplantationsärzte sollten doch langsam wissen, dass die nicht vorhandene Spendenbereitschaft das größte Problem darstellt, und nicht die Ehre ihrer Kollegen
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