Leichen-Institute: Ermittlungen wegen Schwarzarbeit

Der Zoll hat zwei Institute zur Leichenpräparation durchsucht, die der umstrittene Gunther von Hagens gründete. Es besteht offenbar der Verdacht, dass dort Schwarzarbeit verrichtet wurde. Gegen den als "Dr. Tod" titulierten Anatom von Hagens wird jedoch nicht ermittelt.

Heidelberg - Wegen des Verdachts auf Schwarzarbeit hat der Zoll in Heidelberg und im brandenburgischen Guben Institute zur Leichenpräparation durchsucht. Gegen den umstrittenen Anatom Gunther von Hagens, der die beiden Institute gegründet hat, wird jedoch nicht ermittelt, wie die Staatsanwaltschaft Heidelberg mitteilte.

Gunther von Hagens, Erfinder der Ausstellung "Körperwelten": "Jeglichen Verdacht zerstreuen"
AP

Gunther von Hagens, Erfinder der Ausstellung "Körperwelten": "Jeglichen Verdacht zerstreuen"

Von Hagens selbst erklärte, er sei überzeugt, dass die Überprüfungen bald jeglichen Verdacht zerstreuen würden.

Die Staatsanwaltschaft erklärte, den Verantwortlichen werde vorgeworfen, in den von ihnen geführten Unternehmen seit 2005 unter dem Deckmantel der Selbstständigkeit Ausländer als Plastinationshelfer oder Plastinationsfachkräfte beschäftigt zu haben, ohne dafür Steuern und Sozialabgaben entrichtet zu haben.

An den Durchsuchungen seien 120 Einsatzkräfte beteiligt gewesen.

Bereits während der Aktion seien zahlreiche Zeugenvernehmungen durchgeführt worden. Die Auswertung der umfangreichen sichergestellten Unterlagen werde voraussichtlich mehrere Monate in Anspruch nehmen.

Hagens erklärte, Beamte der Zollbehörden hätten die ordnungsgemäße Beschäftigung polnischer Mitarbeiter überprüft. Den Beamten sei durch die Mitarbeiter Einsicht in sämtliche Personalunterlagen gewährt worden, welche belegten, "dass keine illegalen Beschäftigungsverhältnisse bestanden oder bestehen".

Er sei davon überzeugt, dass die Überprüfung wie frühere Untersuchungen der Behörden "alsbald jeglichen Verdacht der Scheinselbstständigkeit zerstreuen wird".

Von Hagens gilt als Erfinder der Plastination - des Konservierens von Leichen - und wurde mit seiner Ausstellung "Körperwelten" weltweit bekannt. Die viel besuchte Schau ist heftig umstritten, von Hagens war zudem wegen öffentlicher Sektionen von Leichen und Berichten über den Erwerb von Leichen ungeklärter Herkunft in die Schlagzeilen geraten.

pad/AP

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