Prozess in Leipzig Angeklagte verweigern Aussage zu Mord in Rockermilieu

In Leipzig sollen vier Hells Angels einen konkurrierenden Rocker ermordet haben. Zu Beginn des Prozesses schweigen Angeklagte und Zeugen.


Vor dem Landgericht Leipzig hat der Prozess gegen vier Mitglieder der Hells Angels begonnen. Die Männer sind wegen gemeinschaftlichen Mordes angeklagt. Im Sommer 2016 war in Leipzig ein Mitglied des rivalisierenden Rockerklubs United Tribuns in Leipzig erschossen worden. Alle vier Angeklagten ließen ihre Verteidiger erklären, dass sie "derzeit keine Angaben" machen wollten.

Die ersten Zeugen, die erkennbar dem Lager der Hells Angels zuzurechnen sind, machten ebenfalls von ihrem Aussageverweigerungsrecht Gebrauch. Sie waren bei der Schießerei dabei. Gegen sie wird selbst ermittelt, daher dürfen sie vor Gericht schweigen. Auch zwei United-Tribuns-Mitglieder, die jeweils von einem Schuss getroffen wurden und nur knapp überlebten, schwiegen.

Aus Sicht der Staatsanwaltschaft war die tödliche Eskalation ein Racheakt. Am Vormittag des 25. Juni 2016 habe der spätere mutmaßliche Schütze Streit mit dem Vizepräsidenten der United Tribuns gehabt. Daraufhin hätten die angeklagten Hells Angels den Plan zur Rache gefasst. Sieben Schüsse feuerte der mutmaßliche Haupttäter, ein bulliger 31-Jähriger mit Glatze, ab. Als ein 27 Jahre alter United Tribun getroffen zu Boden ging, sollen ihm die drei anderen Angeklagten mehrfach gegen den Kopf und den Körper getreten haben. Das Opfer starb wenig später.

Die United Tribuns sind eine im baden-württembergischen Villingen-Schwenningen gegründete Gang mit Mitgliedern vorwiegend aus dem Türsteher- und Bodybuilder-Milieu. Sie waren zur Tatzeit noch relativ neu in Leipzig. Erst im Mai 2016 hatten sie laut ihrer Facebook-Seite ein Klubhaus in der Messestadt eröffnet. Die Leipziger Hells Angels lösten sich dagegen kurz nach der Schießerei auf.

Für das Verfahren vor dem Landgericht Leipzig gelten verschärfte Sicherheitsvorkehrungen. Die Strafkammer hat Verhandlungstermine bis Januar 2018 vorgesehen.

asa/dpa



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