Vermisste Studentin Angehörige von Sophia L. wehren sich gegen rassistische Hetze

Eine Studentin verschwindet, eine Debatte über die Herkunft des Tatverdächtigen beginnt. Die Familie der Frau ist empört: "Sophia würde unter keinen Umständen wollen, dass auf ihre Kosten rassistische Hetze betrieben wird."

Suchaktion an der Pegnitz in Bayern
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Suchaktion an der Pegnitz in Bayern


Sie wollte zu ihrer Familie nach Bayern trampen, doch dort kam Sophia L. nie an. Der mutmaßliche Mord an einer jungen Frau aus Leipzig beschäftigt seit Tagen das Land. Unter anderem gibt es, vor allem in sozialen Netzwerken, eine Debatte über die ethnische Herkunft des Tatverdächtigen.

Nun haben sich Angehörige und Freunde der vermissten Studentin zu dieser Diskussion geäußert. "Wir möchten darauf hinweisen, dass die Nationalität eines möglichen Täters nichts mit seinen Taten zu tun hat", schrieb der Bruder der 28-Jährigen in einem Brief an die Medien.

Darin bat er auch um Sensibilität und Rücksichtnahme: Seine Schwester habe Flüchtlinge unterstützt und sich gegen rechts engagiert. "Sophia würde unter keinen Umständen wollen, dass auf ihre Kosten rassistische Hetze betrieben wird, wie es teils schon geschehen ist."

Suchaktionen ohne Erfolg

Medienberichten zufolge stammt der in Spanien festgenommene Tatverdächtige aus Marokko, er soll 40 Jahre alt sein. Polizei und Staatsanwaltschaft machen dazu bislang jedoch keine Angaben. Ob der Mann von Spanien nach Deutschland gebracht werden soll, lassen die Ermittler ebenfalls offen.

Einige Angehörige und Freunde hätten Hasskommentare bis hin zu Morddrohungen erhalten, schreibt der Bruder weiter. Es sei unerträglich, wie das Verschwinden seiner Schwester von Rassisten instrumentalisiert werde, obwohl noch nicht einmal Klarheit darüber herrsche, was passiert sei.

Sophia L. war zuletzt vergangenen Donnerstag gesehen worden, als sie laut Zeugen von Schkeuditz bei Leipzig nach Bayern trampen wollte und in einen Lastwagen stieg. Die Polizei geht davon aus, dass die 28-Jährige getötet wurde. Suchaktionen der Ermittler hatten bislang keinen Erfolg.

Es würden weiterhin dringend Zeugen gesucht, die die Studentin nach dem Einsteigen in den Lastwagen gesehen haben, teilte die Polizei mit. Auch wer den Laster später noch auf Rastplätzen oder der Autobahn gesehen habe, solle sich melden.

mxw/dpa



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