Leipzig Haftbefehl gegen mutmaßlichen Kindesentführer

Weil er in Leipzig eine Zwölfjährige entführt haben soll, ist Haftbefehl gegen einen vorbestraften Mann erlassen worden. Die Polizei lobte das Verhalten des Mädchens.


Gegen den mutmaßlichen Entführer eines zwölfjährigen Mädchens aus Leipzig ist Haftbefehl erlassen worden. Der Tatvorwurf lautet auf Freiheitsberaubung in Verbindung mit einem Sexualdelikt und Körperverletzung. Das teilten Polizei und Staatsanwaltschaft in Leipzig mit.

Nach Angaben der Staatsanwaltschaft ist der 36-Jährige polizeibekannt und bereits wegen Erwerbs und Besitzes kinderpornografischer Schriften vorbestraft.

Der Mann war am Mittwoch in einem weißen Miettransporter auf der Autobahn 38 bei Lützen (Sachsen-Anhalt) gestoppt worden. Die Zwölfjährige hatte zuvor aus dem Transporter heraus einen Notruf bei der Polizei abgesetzt.

Festnahme erfolgte drei Stunden nach Notruf

Der Mann soll das Mädchen am Nachmittag in Leipzig entführt haben. Gegen 15.30 Uhr ging der Notruf ein. Dabei habe die Zwölfjährige ihren Namen genannt und gesagt, sie sei entführt worden. Danach sei die Verbindung abgebrochen.

Die Polizei konnte das Fahrzeug daraufhin auf der Autobahn 38 an der Landesgrenze zu Sachsen-Anhalt orten. Spezialeinsatzkommando und mobiles Einsatzkommando seien ausgerückt und hätten den Transporter gegen 18.30 Uhr in der Nähe von Söhesten in Sachsen-Anhalt gestoppt. Der Mann sei vorläufig festgenommen und das Mädchen befreit worden, teilte die Polizei weiter mit.

Ein Sprecher der Staatsanwaltschaft sagte, der Mann habe sich in einer ersten Vernehmung geäußert. Weitere Details nannten Polizei und Staatsanwaltschaft mit Verweis auf die laufenden Ermittlungen und auf "die besonders schutzwürdigen Interessen des geschädigten Mädchens" nicht.

Polizei lobt Verhalten des Mädchens

Damit bleibt beispielsweise die Frage offen, ob die Zwölfjährige mit Gewalt in den Transporter gezwungen wurde, oder ob der Täter sie angelockt hat. Das Mädchen sei inzwischen wieder bei seinen Eltern, sagte ein Polizeisprecher. Es sei erstaunlich gefasst gewesen.

Der Tatverdächtige wohnte in Leipzig, stammt aber ursprünglich aus Sachsen-Anhalt. Wohin er mit der Zwölfjährigen wollte, sei noch unklar. Familiäre Verbindungen zwischen Opfer und Täter bestünden nicht. Es gebe auch keine Anhaltspunkte dafür, dass sich der Mann und das Mädchen kannten.

Der Polizeisprecher sagte, die Zwölfjährige habe sich sehr clever verhalten. Es sei gut gewesen, dass sie nicht erst versucht habe, ihre Eltern anzurufen, sondern direkt den Notruf wählte. Das kurze aufgezeichnete Gespräch habe immer wieder angehört werden können - was die Ortung und den Zugriff etwa drei Stunden nach Beginn der Entführung erleichtert habe.

brt/dpa/AFP



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