BGH-Urteil Mann zerstückelt - lebenslange Haft für Ex-Polizisten

In Sachsen zerstückelte ein ehemaliger Polizist einen Mann auf dessen Wunsch. Doch hatte er ihn vorher auch getötet? Der Bundesgerichtshof hat in diesem bizarren Fall nun entschieden.

Detlev G. (vorn)
DPA

Detlev G. (vorn)


Der Bundesgerichtshof (BGH) hat den früheren Polizisten Detlev G. wegen Mordes zu lebenslanger Haft verurteilt. Er soll 2013 einen Mann auf dessen Wunsch in seiner Pension im sächsischen Gimmlitztal getötet und zerstückelt haben. Der in Leipzig ansässige 5. Strafsenat hob in einem Revisionsverfahren die Entscheidung des Landgerichts Dresden auf, wonach G. eine Strafe von acht Jahren und sieben Monaten Gefängnis erhalten hatte. Sowohl vor dem BGH als auch in der Vorinstanz ergingen die Urteile wegen Mordes und Störung der Totenruhe.

"Der Angeklagte hat das Leben eines anderen Menschen der Befriedigung seines Geschlechtstriebs untergeordnet", sagte der Vorsitzende des Senats, Norbert Mutzbauer. Schuldmindernde Umstände lägen in diesem Fall nicht vor. Daran ändere auch der Todeswunsch des Opfers nichts. Es habe sich nicht um Tötung auf Verlangen gehandelt, so der BGH-Richter.

Ein 59 Jahre alter Geschäftsmann aus Hannover war im November 2013 nach Sachsen gefahren, um sich "schlachten" zu lassen. Schon seit seiner Jugend hatte er nach Angaben aus seinem Umfeld diese Fantasie. Auf einer Kannibalismus-Seite im Internet war er auf den Kriminalbeamten gestoßen. Der soll davon geträumt haben, eine Leiche zu zerstückeln. Er holte den Gast vom Bahnhof ab und fuhr mit ihm in seine Pension im Gimmlitztal im Erzgebirge. Nach dem Tod des Geschäftsmanns zerstückelte G. dessen Leiche.

Wie der Geschäftsmann starb, ist umstritten: Laut Aussage des mutmaßlichen Täters erhängte er sich selbst. Die Staatsanwaltschaft warf dem Ex-Polizisten jedoch vor, sein Opfer mit einer elektrischen Seilwinde getötet zu haben. (Mehr zu dem Fall lesen Sie hier.)

Der 5. Strafsenat des BGH hatte im April 2016 ein erstes Urteil des Landgerichts Dresden über achteinhalb Jahre Haft wegen Mordes und Störung der Totenruhe aufgehoben. Im Dezember 2016 hatte ein anderes Schwurgericht in Dresden das Strafmaß um einen Monat verlängert. Diese Kammer hatte in dem unbedingten Todeswunsch des Opfers einen außergewöhnlichen Umstand gesehen und deshalb nicht die bei Mord übliche lebenslange Freiheitsstrafe verhängt.

"Das Landgericht hat zu Unrecht davon abgesehen, den Mord mit einer lebenslangen Haftstrafe zu ahnden", betonte Mutzbauer nun. Der Täter habe sich nicht in einer außergewöhnlichen Notlage oder in einer notstandsähnlichen Bedrängnis befunden. Nur in solchen Fälle könne von einer lebenslangen Haftstrafe nach einem Mord abgesehen werden.

Die Leipziger Richter entsprachen mit ihrer Entscheidung dem Antrag der Bundesanwaltschaft und der Nebenklage. Das Urteil ist rechtskräftig.

SPIEGEL TV Magazin über Kannibalen in Sachsen - Jenseits jeder Moral

SPIEGEL TV

bbr/dpa



TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.