Berufungsprozess Sozialarbeiter bestreitet Schuld an Tod von Mutter und Sohn

Die Mutter starb an einer Überdosis Drogen, ihr Sohn verdurstete: Ein Sozialarbeiter aus Leipzig wurde deswegen zu einer Geldstrafe verurteilt - und will den Schuldspruch nun kippen. Im Berufungsverfahren wies er jede Schuld von sich.


Fast auf den Tag genau drei Jahre nach dem Tod einer drogensüchtigen Mutter und ihres kleinen Sohnes hat ein Betreuer des Jugendamts erneut eine Mitschuld bestritten. Der Fall wird vor dem Leipziger Landgericht verhandelt, weil der Mann gegen einen Schuldspruch des Amtsgerichtes in Berufung gegangen war.

Er war im Mai 2014 wegen fahrlässiger Tötung durch Unterlassen zu 3600 Euro Geldstrafe verurteilt worden. Das Amtsgericht hatte eine Mitschuld des Sozialarbeiters gesehen. Er habe nicht genug unternommen, um das Leben des Jungen zu schützen, urteilte die erste Instanz.

In der Berufung will der Angeklagte einen Freispruch erreichen - die Staatsanwaltschaft fordert dagegen eine höhere Strafe. "Ich denke, dass an dem Fall sehr deutlich wird, in welchem Dilemma die Sozialarbeit steckt", sagte der 42-jährige Sozialpädagoge. hundertprozentige Sicherheit könne es trotz aller Betreuung nicht geben.

Der Mann war der sogenannte Eingangsmanager der 26 Jahre alten Mutter und ihres zweijährigen Sohnes Kieron-Marcel. Die Frau starb im Juni 2012 an einem Drogencocktail, der Junge verhungerte und verdurstete daneben in seinem Gitterbettchen. "Dieses Ergebnis habe ich zu keinem Zeitpunkt vorhersehen können", sagte der 42-Jährige. Die Mutter habe ihr Kind nicht vernachlässigt, es habe also auch keinen Anlass gegeben, ihr den Jungen wegzunehmen. Der Mann war ein knappes halbes Jahr für die Problemfamilie zuständig.

Az: 9Ns 603 JS 32283/12

ulz/dpa



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