Amoklauf von Ansbach Anklage fordert Unterbringung in Psychiatrie für den Todesschützen

Ein Amokläufer versetzte eine Region in Bayern in Angst - und erschoss zwei Menschen. Die Staatsanwaltschaft ist sicher: Der Angeklagte sah in den Opfern Werwölfe und Vampire.

Tatort nahe Ansbach (Archiv)
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Tatort nahe Ansbach (Archiv)


Im Prozess um den Amoklauf von Ansbach hat die Staatsanwaltschaft ihr Plädoyer gehalten. Die Anklage fordert: Der mutmaßliche Schütze aus Bayern soll wegen zweifachen Totschlags auf unbestimmte Zeit in ein psychiatrisches Krankenhaus.

Der beschuldigte 48-Jährige habe die Taten aufgrund einer paranoiden Schizophrenie begangen, sagte der Leitende Oberstaatsanwalt Gerhard Neuhof vor dem Landgericht in Ansbach. Der Angeklagte habe in seinen Opfern Werwölfe oder Vampire gesehen. Aufgrund seiner Krankheit sei er schuldunfähig.

Vom Vorwurf des zweifachen Mordes rückte der Ankläger in dem Sicherungsverfahren ab, denn das Mordmerkmal der Heimtücke sei wegen der psychischen Krankheit des Mannes nicht erfüllt. Der Verteidiger des 48-Jährigen schloss sich den Ausführungen des Anklägers weitgehend an.

Hundert Schuss Munition

Im Juli 2015 soll der 48-Jährige in zwei Ortsteilen von Leutershausen bei Ansbach zuerst eine 82 Jahre alte Frau und danach einen 72 Jahre alten Radfahrer erschossen haben. Auf seiner Amokfahrt hatte er der Anklage zufolge zwei Waffen und mindestens hundert Schuss Munition bei sich.

An einer Tankstelle in Bad Windsheim konnten Mitarbeiter den Mann schließlich überwältigen und festhalten, bis die Polizei eintraf. Rund eineinhalb Stunden lang hatte die Amokfahrt bis dahin gedauert.

Der Angeklagte soll auch noch auf eine Autofahrerin und später auf einen Traktorfahrer geschossen haben. In diesen Fällen plädierte die Staatsanwaltschaft jeweils auf versuchten Totschlag, im Fall des Traktorfahrers in Verbindung mit gefährlicher Körperverletzung. Der Mann erlitt leichte Schnittverletzungen durch umherfliegende Glassplitter.

"Sehr hohe Wahrscheinlichkeit für weitere ähnliche Taten"

Der Ankläger sagte, der Beschuldigte habe aufgrund seiner Krankheit und seines langjährigen Cannabis-Konsums "jeden Bezug zur Realität verloren". Es habe keinerlei Hinweise gegeben, dass die Taten in irgendeiner Weise geplant waren. Die Rentnerin und der Radfahrer seien Zufallsopfer gewesen.

Die Unterbringung in der Psychiatrie solle zeitlich unbefristet sein, werde aber jährlich überprüft. Würde der Mann nicht eingewiesen, bestehe eine "sehr hohe Wahrscheinlichkeit für weitere ähnliche Taten", sagte Staatsanwalt Neuhof.

Vertreter der Nebenklage sahen in den Angriffen auf die Autofahrerin und den Traktorfahrer sehr wohl versuchten Mord. Außerdem forderten zwei Nebenklage-Anwältinnen den Gesetzgeber zu strengeren Kontrollen von Waffenbesitzern auf. Diese müssten auf psychische Krankheiten sowie Drogen- und Alkoholabhängigkeit überprüft werden

Die Frau und der Sohn des getöteten Radfahrers hatten zum Prozessauftakt in einer schriftlichen Erklärung kritisiert, dass der Beschuldigte trotz seiner psychischen Auffälligkeit als Sportschütze weiter eine Waffe besitzen durfte. Er habe außerdem schon lange nicht mehr regelmäßig im Schützenverein geschossen. Dies hätte der Verein ihrer Ansicht nach bemerken und den Behörden melden müssen.

wit/dpa

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