Ex-Großmeister von Freimaurer-Loge Faschistischer Geheimbündler Gelli ist tot

Rechter Terror, Morde, Geldwäsche über die Vatikanbank: Licio Gellis Loge P2 war in Italien in zahlreiche Skandale verstrickt. Jetzt ist der Faschist und frühere Großmeister des Geheimbunds gestorben.

Logen-Chef Licio Gelli 1996: In Skandale mit Mafia und dem Vatikan
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Logen-Chef Licio Gelli 1996: In Skandale mit Mafia und dem Vatikan


Der ehemalige Großmeister der italienischen Freimaurerloge P2, Licio Gelli, ist tot. Der in diverse Skandale im Nachkriegsitalien verwickelte Gelli starb im Alter von 96 Jahren in seiner Villa im toskanischen Arezzo, wie örtliche Medien unter Berufung auf seine Familie berichteten.

Gelli, ein Sympathisant der Faschisten, hatte 1970 die berüchtigte Freimaurerloge Propaganda Due, kurz P2, gegründet. Sie war tief im italienischen Establishment verwurzelt und zählte Politiker, Richter, Bankiers und hochrangige Armeevertreter zu ihren Mitgliedern.

Die P2-Loge wird für den mysteriösen Tod des Bankiers Roberto Calvi verantwortlich gemacht, der als "Banker Gottes" bekannt war und der P2 angehörte. Der damalige Chef der Banco Ambrosiano war 1982 erhängt an der Londoner Blackfriars-Brücke gefunden worden. Zunächst wurde ein Suizid vermutet, später ergaben die Ermittlungen, dass es Mord war. Nach Einschätzung der italienischen Staatsanwaltschaft wurde er von der sizilianischen Mafia begangen.

Die Mafia hatte die Banco Ambrosiano genutzt, um Gelder zu waschen. Ein Teil davon wurde über die Vatikanbank IOR der katholischen Kirche ins Ausland gebracht. Im Mordfall Calvi wurde nie jemand wegen der Anordnung oder der Ausführung der Tat verurteilt. Auch die Ermittlungen gegen Gelli verliefen im Sande.

1981 wurde seine Freimaurerloge verboten, Gelli floh in die Schweiz. Dort wurde er 1982 festgenommen. Ihm gelang aber die Flucht aus dem Gefängnis. Bis 1987 hielt er sich versteckt. Das erste Urteil gegen Gelli wegen des Zusammenbruchs der Banco Ambrosiano fiel 1982, wurde allerdings erst 1998 abschließend bestätigt. Gelli wurde zugestanden, seine Freiheitsstrafe im Hausarrest abzusitzen, der nun bis zu seinem Tod andauerte.

Bereits in der faschistischen Bewegung Benito Mussolinis hatte sich Licio Gelli politisch engagiert und kämpfte als Freiwilliger für den späteren Diktator Francisco Franco im spanischen Bürgerkrieg. Später schloss sich Gelli der neofaschistischen Partei MSI an. Während einiger Jahre im Exil in Argentinien knüpfte er enge Bande zu den Generälen, die ab 1976 eine Militärdiktatur in dem südamerikanischen Land installierten.

1980 legte er nach einem rechtsextremen Bombenanschlag auf den Hauptbahnhof in Bologna falsche Spuren - und wurde deswegen später ebenfalls verurteilt. Bei dem Anschlag starben 85 Menschen.

Zuletzt war Gelli vor zwei Jahren wegen eines enormen Steuerbetrugs angeklagt. Die Behörden beschlagnahmten seine Villa und fanden dabei eine Liste, wonach die P2-Loge mindestens 962 Mitglieder hatte. Zu den prominentesten zählte demnach der damalige Medienmogul und spätere italienische Ministerpräsident Silvio Berlusconi. Doch der Versuch, P2-Mitglieder wegen Verschwörung und des Versuchs der Zersetzung des italienischen Staates ins Gefängnis zu bringen, war bereits 1994 endgültig gescheitert.

apr/AFP/Reuters

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