18 Millionen bei Harrods verprasst Zamira H. wegen Unterschlagung festgenommen

Eine aserbaidschanische Bankiersgattin gab im Londoner Kaufhaus Harrods rund 18 Millionen Euro aus. Jetzt wurde sie festgenommen und muss nachweisen, woher das Geld stammt.

Zamira H.
ddp images/ The Sun/ News Licensing

Zamira H.


Zamira H. war zunächst nur unter dem Pseudonym "Mrs A." bekannt: Die aus Aserbaidschan stammende 55-Jährige sorgte für Schlagzeilen, weil sie im Londoner Luxuskaufhaus Harrods umgerechnet 18 Millionen Euro ausgab - und die britischen Behörden dies verdächtig fanden.

Jetzt ist H. wegen Verdachts auf Unterschlagung festgenommen worden - und muss damit rechnen, ausgewiesen zu werden. Der Festnahme vorausgegangen war ein Auslieferungsantrag der aserbaidschanischen Behörden. Die Anwälte betonten, ihre Mandantin sei "keine Betrügerin".

Ein Richter verfügte laut britischen Medienberichten am Dienstag, dass H. unter bestimmten Bedingungen und bei Zahlung einer Kaution von 500.000 Pfund in den Hausarrest entlassen werden könne. Die Staatsanwaltschaft hielt dagegen, es bestehe Fluchtgefahr.

Eine der Londoner Immobilien, die Zamira H. erworben hat
Getty Images

Eine der Londoner Immobilien, die Zamira H. erworben hat

Die National Crime Agency (NCA) hatte Auskunft darüber verlangt, wie H. im Zentrum Londons zwei Immobilien im Wert von insgesamt 22 Millionen Pfund erwerben konnte. Die Ermittler wollten außerdem wissen, woher das Geld für H.s Powershopping bei Harrods stammte. Zwischen 2006 und 2016 verprasste sie dort mehr als 16 Millionen Pfund - im Durchschnitt 150.000 Euro im Monat.

Ein Gericht ordnete an, dass Zamira H. sich erklären müsse. Dabei nutzten die britischen Behörden erstmals ein neues Instrument zur Bekämpfung von Korruption: Seit Januar 2018 können Gerichte in Großbritannien die sogenannte "unexplained wealth order" (UWO) verhängen. Der Geldwäsche verdächtige Personen müssen offenlegen, woher ihr Vermögen stammt. Gelingt es ihnen nicht, den legalen Erwerb des Vermögens nachzuweisen, kann Eigentum konfisziert werden.

Die Beweislast wird also umgekehrt - nicht der Staat muss eine Straftat nachweisen, sondern der Verdächtige muss belegen, dass er sein Vermögen rechtmäßig erworben hat. Das "Gesetz zur Reform der strafrechtlichen Vermögensabschöpfung" aus dem Jahr 2017 ermöglicht dies auch in Deutschland, das lange Zeit ein Eldorado für die organisierte Kriminalität war, weil die Konfiszierung illegal erworbenen Reichtums nur sehr schwer durchgesetzt werden konnte. Anders sieht es etwa in Italien aus, das die umgekehrte Beweislast im Kampf gegen die Mafia längst durchgesetzt hat.

Kaufhaus Harrods in London
imago/ Joko

Kaufhaus Harrods in London

Zamira H. hatte gegen die gerichtliche Order aus London Einspruch eingelegt - allerdings ohne Erfolg. Für ihr Powershopping nutze sie den Ermittlern zufolge 35 verschiedene Kreditkarten, die allesamt von der International Bank of Azerbaijan ausgestellt worden waren, dem Geldinstitut, dem ihr Ehemann vorstand. Jahangir H. sitzt bereits in Haft - er war im Oktober 2016 in Baku wegen Betrugs, Unterschlagung und Veruntreuung öffentlicher Gelder zu 15 Jahren Gefängnis verurteilt worden.

ala

Mehr zum Thema


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.