London Obdachloser wegen Mordes an Studenten angeklagt

Sie wurden gefesselt, mit Dutzenden Messerstichen getötet und danach angezündet: Die beiden französischen Studenten Laurent Bonomo und Gabriel Ferez starben einen qualvollen Tod. Ein 33 Jahre alter Obdachloser soll der Täter sein.


London - Der wohnungs- und arbeitslose Mann wurde am Donnerstag formell beschuldigt, die beiden jungen Gaststudenten ermordet, in ihrer Wohnung Feuer gelegt und die Ermittlungen behindert zu haben. Auf Anordnung eines Haftrichters bleibt er bis zur nächsten Anhörung vor dem Londoner Strafgericht Old Bailey Mitte Oktober in Haft. Am Mittwochabend nahm Scotland Yard zwei weitere Verdächtige fest, einen 35-jährigen Mann und eine 25-jährige Frau. Die beiden wurden am Donnerstag verhört.

Mordopfer Bonomo (li.), Ferez: Vom Täter gefoltert
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Mordopfer Bonomo (li.), Ferez: Vom Täter gefoltert

Mit kurzen Haaren, Dreitagebart und im weißen Trainingsanzug erschien der Hauptverdächtige am Donnerstag vor dem Haftrichter. Zu den Vorwürfen äußerte er sich nicht, bestätigte lediglich seinen Namen, sein Geburtsdatum, und dass er ohne festen Wohnsitz sei. Er hatte sich am Montagmorgen selbst auf einer Wache im Süden Londons gestellt. Wegen schwerer Brandverletzungen an Händen und Armen brachten die Beamten ihn zunächst in ein Londoner Krankenhaus, bevor sie ihn vernehmen konnten.

Einen Tag vorher hatte Scotland Yard aufgrund von Zeugenaussagen das Phantombild eines Verdächtigen veröffentlicht, gleichzeitig appellierten die Eltern eines der Opfer in einer bewegenden Botschaft an den Mörder, sich zu stellen. "Du kannst sicher sein, dass wir dich nie mehr in Ruhe lassen werden", versicherten sie. Ob der Druck den Mann dazu bewogen hatte, sich tatsächlich zu stellen, ist unklar.

Die beiden 23-jährigen Biochemiestudenten Laurent Bonomo und Gabriel Ferez waren am 29. Juni in Bonomos Erdgeschosswohnung im Stadtteil New Cross geknebelt, gefesselt und ermordet worden, ihre Leichen wurden in Brand gesteckt. Bonomos Leiche wies fast 200 Messerstiche auf, von denen ihm rund 80 nach seinem Tod beigebracht wurden. Ferez wurde mit fast 50 Messerstichen getötet.

Das Motiv für die Tat, deren Brutalität selbst die abgebrühten Ermittler von Scotland Yard schockierte, ist bis heute unklar. Sie vermuten einen Zusammenhang zu einem vorherigen Einbruch in Bonomos Wohnung. Eine Woche vor dem Mord wurde ihm dabei ein Laptop gestohlen. Eine der Thesen lautete, dass ein weiterer Einbruch dann in einer Gewaltorgie endete.

Laut den Ermittlern fehlten nun auch zwei Spielkonsolen, die Handys der beiden Opfer sowie Kreditkarten - die beiden Studenten könnten demnach gefoltert worden sein, damit sie den Pin-Code für die Bankkarten preisgaben. Von Beginn an gingen die Beamten laut britischen Zeitungsberichten davon aus, dass die grausame Tat nicht von einem Einzeltäter begangen worden sein konnte. Sie schlossen weitere Festnahmen nicht aus.

Bonomo und Ferez waren im Zuge eines Austauschprogramms zwischen der Polytechnischen Universität von Clermont-Ferrand und dem berühmten Imperial College in London. Beide Universitäten beschrieben sie als brillante Studenten. Ende Juli hätten die beiden wieder nach Frankreich zurückkehren sollen.

jdl/AFP



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