Londoner Pannen-Bomber Überwachungsvideo zeigt missglückten Terroranschlag

Es hätte ein Inferno werden sollen, doch es kam anders: Als die vier Selbstmordattentäter sich am 21. Juli 2005 in vier U-Bahn-Zügen in die Luft sprengen wollten, versagten die Zünder. Nun stehen die sechs mutmaßlichen Pannen-Bomber vor Gericht - und behaupten, alles sei nur ein Scherz gewesen.


Hamburg/London – Die Beweislast scheint erdrückend. Von jedem der missglückten Anschläge gibt es Aufnahmen der Überwachungskameras in den U-Bahnen. Und auch die selbstgebastelten Sprengsätze, ein explosives Gemisch aus Hydrogenperoxid, Mehl, Aceton und Säure, gespickt mit Nägeln und Metallteilen, haben einige der mutmaßlichen Terroristen am Tatort zurückgelassen. Zudem gibt es Dutzende Zeugen, die die Panik an diesem 21. Juli 2005 am eigenen Leib erfahren mussten.

Nur zwei Wochen nach den verheerenden Terrorattentaten auf den Londoner Nahverkehr am 7. Juli 2005, bei denen 52 Menschen starben, sollten die U-Bahnen der britischen Hauptstadt erneut Ziel einer Anschlagsserie werden. Den sechs mutmaßlichen Tätern, die nun auf der Anklagebank des Londoner Woolwich Crown Court sitzen, wird vorgeworfen, die Attentate von langer Hand vorbereitet zu haben.

"Es war reines Glück, das die Passagiere an diesem Tag gerettet hat", sagte Staatsanwalt Nigel Sweeney während des Prozesses. Der Einschätzung einer Sprengstoffexpertin nach seien die Bomben nur deshalb nicht hochgegangen, weil die Zündung nicht stark genug war.

Bombenbau in der Küche

Einer der Angeklagten, der 29-jährige Ibrahim Muktar Said, hat inzwischen gestanden, dass die Sprengsätze in der Küche seiner Nordlondoner Wohnung zusammengebraut wurden. Said war in den Monaten vor den versuchten Anschlägen nach Pakistan gereist und gilt als der Anführer der Gruppe.

Auf Fotos und in Überwachungs-Videos, die während des Prozesses vorgeführt wurden, wurden zudem der 25-jährige Ramzi Mohammed und der 26-jährige Yassin Omar identifiziert. Die Videos zeigen, wie die beiden Verdächtigen versuchen, die Sprengsätze in der U-Bahn zu zünden – und flüchten, als der Anschlag fehlschlägt.

Die missglückten Attentate hatten die größte Fahndungsaktion der britischen Hauptstadt ausgelöst, in deren Verlauf die Polizisten die Verdächtigen in ganz Europa jagten. Den Angeklagten Hussein Osman stellten die Beamten in Rom. Dieser gab sich vor Prozessbeginn jedoch zuversichtlich – schließlich seien die Attentate nicht mehr als ein "Scherz" gewesen.

jkr



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