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Gewaltexzess in Los Angeles: Polizist schießt Unbewaffnetem in den Kopf

In Kalifornien sorgt ein neuer Fall von Polizeigewalt für Entsetzen. Ein Beamter soll einem unbewaffneten Mann in den Hinterkopf geschossen und ihm dann Handschellen angelegt haben. Der Verletzte schwebt in Lebensgefahr.

Er soll seine mit einem Handtuch umwickelte Hand gehoben und die Polizei um Hilfe gebeten haben: Doch anstatt dem offensichtlich in einer Notlage befindlichen Mann zu helfen, eröffnete ein Beamter des Los Angeles Police Department (LAPD) am Freitagabend das Feuer.

Gegen 18.30 Uhr habe sich der Mann in einem Wohngebiet des Viertels Los Feliz winkend und rufend den zwei Beamten genähert, hieß es vonseiten der Polizei. Die beiden hätten vermutet, unter dem Tuch verberge sich eine Waffe. Deshalb sei der Mann aufgefordert worden, die Waffe fallen zu lassen. Als er dem nicht Folge geleistet habe, hätten die Polizisten geschossen. Augenzeugen berichteten von drei oder vier Schüssen. Laut LAPD-Sprecher John Jenal soll der Mann "seine Hand nach den Polizisten ausgestreckt" haben.

Doch der Fall birgt Ungereimtheiten: Der "Los Angeles Times" zufolge wurde am Tatort gar keine Waffe gefunden. Der Mann, laut ABC7 ein Lateinamerikaner um die 40, wurde schwer verletzt in ein Krankenhaus gebracht. Sein Zustand ist kritisch.

Auf Twitter kursierte ein Handy-Video, das Augenzeugen aufgenommen haben sollen. Darauf ist zu sehen, wie ein am Hinterkopf schwer verletzter und blutender Mann auf dem Bauch am Boden liegt, während Polizeibeamte ihm Handschellen anlegen. Ein Sprecher der Polizei von Los Angeles erklärte am Samstag, es sei eine Standardprozedur, Verdächtigen Handschellen anzulegen.

Die Beamten hätten alle Varianten in Betracht gezogen, dass der Mann Hilfe brauche, aber auch die Möglichkeit eines sogenannten "Selbstmords durch Polizisten", sagte Andrew Smith vom LAPD.

Der Vorfall ist einer von zahlreichen Übergriffen durch Polizeibeamte in Los Angeles. Das Police Department steht seit Langem wegen übermäßiger Gewaltanwendung gegen Bürger in der Kritik. Erst im Mai war in Los Angeles ein Obdachloser von der Polizei erschossen worden. Im Juli vergangenen Jahres hatte ein Highway-Cop eine psychisch kranke Obdachlose verprügelt, weil sie auf Socken einen Freeway entlanggelaufen war.

ala

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