ThemaLove Parade 2010RSS

Alle Artikel und Hintergründe

  • Drucken
  • Senden
  • Feedback
 

Love-Parade-Chronologie Wie Duisburg eine Katastrophe genehmigte

Duisburg: Katastrophe bei der Love Parade
Fotos
REUTERS

3. Teil: 5 Tage bis zur Love Parade - eilig wird ein Brandschutzkonzept gezimmert

  • Auch wenn sie mit Entscheidendem im Verzug waren, erhöhten die Lopavent-Anwälte den Druck. Eine Berliner Kanzlei ("Rechtsberatung nach Maß") schrieb dem Oberbürgermeister am 19. Juli: Die Genehmigungen sollten nun mit "sofortiger Vollziehung" angeordnet werden, "um das überwiegende öffentliche Interesse" und natürlich auch das "schutzwürdige Interesse der Veranstalterin nicht zu gefährden".

Das Schreiben schloss mit der Warnung vor "immensen wirtschaftlichen aber auch ideellen Schäden, die nicht nur der Veranstalterin, sondern auch der Metropole Ruhr und der Stadt Duisburg entstehen, wenn die Veranstaltung (...) abgesagt werden muss".

Der drohende Unterton war kaum zu überhören - noch fünf Tage bis zur Love Parade.

In großer Eile wurde das 53-seitige Brandschutzkonzept zusammengezimmert: "Der Unterzeichner wurde am 12. Juli durch den Bauherrn beauftragt, ein Brandschutzkonzept mit abschließender Gesamtbeurteilung zu erstellen", heißt es in der Einleitung.

  • Abgegeben wurde das Konvolut bereits nach zehn Tagen, am 22. Juli, gerade mal zwei Tage vor der Love Parade und - was noch erstaunlicher ist - einen Tag nach der Genehmigung der Veranstaltung. Im Erlaubnisschlussspurt offenbarten die Duisburger Beamten geradezu hellseherische Fähigkeiten. Leider verschlossen sie vor den Risiken der Party wohl die Augen.

Denn die Tragödie hätte womöglich leicht verhindert werden können. Mit einem längeren Weg der Paradewagen wäre die verhängnisvolle Pulkbildung an der Rampe wohl vermieden worden. Noch im vorläufigen Ablaufkonzept vom 15. Januar ("Vertraulich!") war eine "gedachte 8" als Truckstrecke erwogen worden, um die Rampe herum. Später war sogar von einer noch größeren Runde die Rede, aber in beiden Fällen hätte der Zug mit seinen jeweils 40 Tonnen schweren "Floats" den Tunnel überqueren müssen.

Die Sicherung der längeren Strecke war dem Veranstalter wohl zu teuer, wie Insider dem SPIEGEL sagten. Sie hätte entsprechende Maßnahmen an den Übergängen und zusätzliche Asphaltarbeiten erforderlich gemacht. Die schließlich gewählte Runde kam billiger. "Bei dieser Lösung", so hieß es schon in dem Konzept vom 15. Januar, "werden viele, schon vorhandene oder leicht herzustellende Fahrwege genutzt."

Der Preis dafür war eine Katastrophe.

Diesen Artikel...
Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.

Auf anderen Social Networks posten:

  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • deli.cio.us
  • Xing
  • Digg
  • Google Bookmarks
  • reddit
  • Windows Live
insgesamt 281 Beiträge
sergio56 09.08.2010
Zum nachdenken kommt erst wenn was passiert , dann wird für kurze Zeit zurückgerudert bis das ganze wieder vergessen ist und irgendwann geht es wieder los. Die Veranstalter können mit viele Faktoren rechnen nur mit einem nicht [...]
Zum nachdenken kommt erst wenn was passiert , dann wird für kurze Zeit zurückgerudert bis das ganze wieder vergessen ist und irgendwann geht es wieder los. Die Veranstalter können mit viele Faktoren rechnen nur mit einem nicht , der Faktor Mensch , in Duisburg die Veranstalter hatten den Faktor Mensch vollmitgerechnet , leider nur als Komparsen .
aw734 09.08.2010
... Geld und Image zählen mehr als Vernunft.
... Geld und Image zählen mehr als Vernunft.
... noch vor Eintreffen des Sicherheitskonzepts wird die Veranstaltung kurz vor Toreschluss genehmigt. Da haben die Anwälte des Veranstalters aber ordentlich Druck gemacht, da hat sich die Stadt ordentlich unter Druck setzen [...]
... noch vor Eintreffen des Sicherheitskonzepts wird die Veranstaltung kurz vor Toreschluss genehmigt. Da haben die Anwälte des Veranstalters aber ordentlich Druck gemacht, da hat sich die Stadt ordentlich unter Druck setzen lassen. Was nicht passt, wird passend gemacht, ein Grundsatz des Baurechts, wenn der Druck durch den Bürger mit Hilfe von Anwälten und sonstigen Geschützen zu groß wird. Nur ging es hier nicht um Bauwerke und Abstandsflächen, sondern um Menschenleben. Ganz bitter, wie die Stadtverwaltung sich dem Druck von Lovapent geschlagen gab und die Sicherheit aus den Augen verloren hat. Und Sauerland spielt nun die Rolle von Peter Lorre aus "M - Eine Stadt sucht einen Mörder" und taucht unter (ich habe damit nicht gesagt, dass er ein Mörder ist). Die Toten von Duisburg sind schon fast wieder vergessen in der Öffentlichkeit, das ist das Bittere.
sitting-bull 09.08.2010
Das war nach Schreckenbergs Aussage, und den spärlichen Infos zur "Entfluchtungsanalyse" klar. Ich zitiere: "Man hat anscheinend Gefälligkeitsgutachten mit vorformulierten Teilaufgaben in Auftrag gegeben, die [...]
Das war nach Schreckenbergs Aussage, und den spärlichen Infos zur "Entfluchtungsanalyse" klar. Ich zitiere: "Man hat anscheinend Gefälligkeitsgutachten mit vorformulierten Teilaufgaben in Auftrag gegeben, die Teile des Sicherheitskonzepts einen legitimen Anstrich verpassen sollten." http://forum.spiegel.de/showpost.php?p=5959213&postcount=142 Damit kann man Vorsatz beweisen. Hier geht es nicht um "Fehler", sondern vorsätzliche Tötung, also Totschlag. Und vorsätzliche Körperverletzung.
T-Rex 09.08.2010
Rummms - da schlägt die nächste Granate beim OB ein. Ob Westerwelle Guttenberg oder 'Friedensflotille' die alt68er Zielliste wird abbombardiert. Der OB wird heute mal verfrühstückt, weil er seine Dezernate unter Druck gesetzt [...]
Rummms - da schlägt die nächste Granate beim OB ein. Ob Westerwelle Guttenberg oder 'Friedensflotille' die alt68er Zielliste wird abbombardiert. Der OB wird heute mal verfrühstückt, weil er seine Dezernate unter Druck gesetzt hat die Sicherheitsanforderungen für die LP zu erfüllen - also zu helfen statt nur Dokumente zu fordern. Früher wurde ihm unterstellt er bleibe eiskalt im Amt um seine Bezüge zu retten. Ist das das korrekte Bild von A.S. ? Ein machtgeiler Sesselkleber ? Ist es nicht eigentlich die Aufgabe eines OB in der Stadt etwas in Gang zu setzen und darauf zu achten, dass alle Stadtangestellten mitziehen ? Wer hat Ihm denn nun gesagt, dass zu viele Menschen durch zu wenig Platz getrieben würden ? War diese Entfluchtungsanalyse unrechtmäßig oder als falsch zu erkennen ? Wer würde denn von Ihnen persönlich für so eine Tragödie in Sauerlands Situation sofort die 'politische Verantwortung' übernehmen ? Die Planung war ihrem Bericht zu Folge nicht so klar, wie sie Anfangs berichtet haben. Zu beginn hieß es noch im Spiegel: Wie kann man nur 1 Million Menschen auf einen Platz drängen, der nur für 250k Leute Platz bietet. Nun heißt es - war ja klar, dass der Veranstalter übertreibt... Was denn jetzt ? Kennen Sie Fakten - können Sie wirklich Urteilen ?
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Panorama
alles aus der Rubrik Justiz
alles zum Thema Love Parade 2010

© SPIEGEL ONLINE 2010
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



Illustration Leonello Calvetti für den SPIEGEL; Foto Axel Martens für den SPIEGEL
Heft 32/2010:
Der Sieg über die Gene
Klüger, gesünder, glücklicher: Wie wir unser Erbgut überlisten können

Inhaltsverzeichnis

Titelthema - diskutieren Sie mit

Hier geht es zum E-Paper

Hier kaufen Sie das Heft

Hier finden Sie Ihre Abo-Angebote und Prämien


Karte: Wie es zur Love-Parade-Katastrophe kam
DER SPIEGEL

Karte: Wie es zur Love-Parade-Katastrophe kam

Die Love Parade
Die Love Parade findet seit 1989 statt, zunächst über viele Jahre in Berlin. 2007 zog die Veranstaltung dann ins Ruhrgebiet um, mit der Premiere in Essen. Vor zwei Jahren gastierte sie in Dortmund. 2009 sagte Bochum die Techno-Party ab, weil die Stadt keine Chance sah, den Besucherandrang zu bewältigen und einen geeigneten Veranstaltungsort zu finden. 2010 endete die Love Parade in einer Tragödie: 21 Menschen starben, mehr als 500 wurden verletzt.





TOP



TOP