Vor dem Prozess Love-Parade-Gutachten offenbar falsch übersetzt

Neuer Ärger um den Prozess zum Love-Parade-Unglück 2010 in Duisburg: Nach Informationen von SPIEGEL ONLINE bemängelt der Richter die Übersetzung eines Gutachtens eines britischen Panikforschers. Es stützt die Anklage in zentralen Punkten.

Love Parade 2010 in Duisburg: 21 Menschen starben
DPA

Love Parade 2010 in Duisburg: 21 Menschen starben


Duisburg - Der Prozess wegen des Love-Parade-Unglücks 2010 in Duisburg könnte sich weiter verzögern. Grund ist erhebliche Kritik an der Übersetzung eines Gutachtens des britischen Panikforschers Keith Still, auf das sich die Anklage in wesentlichen Teilen stützt.

Der Vorsitzende Richter Joachim Schwartz bemängelt in einem Vermerk, der SPIEGEL ONLINE vorliegt, "dass sich teilweise fragwürdige, teilweise auch sinnverändernde Übersetzungen des Originalinhalts in der deutschsprachigen Fassung finden" lassen.

In einem Fall, bei dem es um von der Staatsanwaltschaft zur Verfügung gestellte Unterlagen geht, fehle sogar der "letzte Satz vollständig in der deutschen Übersetzung".

Für den Vorsitzenden der 5. Strafkammer "bestehen insgesamt Zweifel an der Zuverlässigkeit der Übersetzung". Richter Schwartz hat jetzt die Staatsanwaltschaft, sämtliche Verteidiger und die Vertreter der Nebenklage um Stellungnahme gebeten. Für die Betroffenen bedeutet das möglicherweise, dass sie noch länger auf die Eröffnung des Verfahrens warten müssen. Das Landgericht Duisburg prüft seit Anfang dieses Jahres die Zulassung der Anklage.

Während der Technoparade am 24. Juli 2010 in Duisburg waren bei einer Massenpanik 21 Menschen gestorben.

Die Staatsanwaltschaft hat zehn Personen angeklagt: Sechs Mitarbeiter der Duisburger Stadtverwaltung und vier Mitarbeiter des Love-Parade-Veranstalters Lopavent. Den Angeklagten wird fahrlässige Tötung und fahrlässige Körperverletzung vorgeworfen. Ihnen drohen bei Verurteilung Haftstrafen von bis zu fünf Jahren.

bas

Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 5 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
bichsel 19.11.2014
1. Dank diesem Richter!
Es gab jüngst andere Rechtsverfahren in Deutschland, in denen fremdsprachige Beweise erst gar nicht zur Kenntnis genommen worden - denn die Amtssprache sei ja Deutsch. Diese Fixierung auf eine Amtssprache gibt's nicht in jedem Staat - die U. S. A. beispielsweise haben keine Amtssprache, in solchen Angelegenheiten führt das vielleicht zu etwas mehr geistiger Flexibilität bei der Justiz als hierzulande.
pauschaltourist 19.11.2014
2.
"die U. S. A. beispielsweise haben keine Amtssprache, in solchen Angelegenheiten führt das vielleicht zu etwas mehr geistiger Flexibilität bei der Justiz als hierzulande." Gerne doch, wenn Sie die Dolmetscherkosten meiner nächsten auf mongolisch verfassten Bußgeldeingabe übernehmen. Der Hauptverantwortliche Adolf Sauerland wurde ja unverständlicherweise nicht einmal angeklagt. Der politische Verantwortungsträger, der keine Verantwortung trug. Hat er die Bezüge seiner Bürgermeister-Dienstjahre dem Steuerzahler denn eigentlich bereits vollumfänglich erstattet? Denn er scheint ja gar nichts gemacht zu haben.
geotie 20.11.2014
3. yoooh
Als ein Bekannter vor längerer Zeit eine Brasilianerin heiraten wollte, musste er unzählige Dokumente ins Deutsche üersetzen und Notariell beglaubigen lassen. Dazu noch durften diese Dokument nicht älter als 6 Wochen alt sein. Das war für eine Hochzeit, - und wie sieht es bei einer Gerichtsverhandlung aus?
UCL 20.11.2014
4. Falsche Übersetzung : Kein Problem. Problem Gutachter und Gutachten ...
Vergessen offensichtlich, wie dieser Schreckenberg (vermeintlich kompetenter Gutachter und immer noch am Lehrstuhl der Uni Duisburg-Essen !) sich mit hochdotiertem Pseudo-Gutachten für das Sichterheitskonzept der LoveParade stark gemacht hatte : 'Er habe noch nie eine derartig gut vorbereitete Veranstaltung wie die Duisburger Loveparade erlebt. „Allerdings habe ich die Veranstalter auf die beiden problematischen Punkte, den Bahnhof und den Tunnel, hingewiesen. Grundsätzlich sei der Tunnel allerdings in der Lage gewesen, einen sicheren Zu- und Abgang zum Festgelände zu gewährleisten“.' (Zitate u.a. aus der WAZ). Auch im WDR noch -- nur wurde das leider nicht mehr gezeigt, wäre aber wert schlich nüchtern chronologisch einmal zusammenzufassen, so wie die Live-Bilder eben damals original ausgestrahlt wurden -- hatte er doch alles für gut befunden, der Selbstgerechte, der mittlerweile nachweislich nach Image- und Stilberatung seine Originalstatements nicht mehr wiederholen mag, sondern bedacht ist nunmher mit modischerer Brille weniger arrogant und milder aufzutreten. Leider darf er auch immer wieder mal nach einer Pause nach der LoveParade in letzter Zeit erneut im WDR zu Unverfänglichem dumm daherschwätzen. Er ist nicht angeklagt. Seltsam. Seine Gutachten und die Überweisungen an ihn lassen sich nicht korrigieren. Die Übersetzung, um die es hier geht, allerdings schon. Gut, daß das aufgefallen ist. Daß hier Korrekturen erforderlich sind. Wird Zeit, daß auch auffällt, wer da von der Staatsanwaltschaft wirklich zitiert werden sollte vor das Gericht ! Zum Kotzen, daß sich die Verfahrenseröffnung so hinzieht. Zum Kotzen ist mir jedesmal zumute, wenn mit dem Fernzug ich hin und wieder an dem Gelände vorbeikomme ... paar Meter weiter weg hock Schreckenberger und darf 'lehren'. Sein 'Standing', so hört man, habe sich in der Uni wieder erholt. Auch bei Studenten und Hilfskäften. Wie viele der Betroffenen sich dagegen nach so langer Zeit noch nicht erholt haben, noch immer leiden ...
Berg 20.11.2014
5.
Zitat von UCLVergessen offensichtlich, wie dieser Schreckenberg (vermeintlich kompetenter Gutachter und immer noch am Lehrstuhl der Uni Duisburg-Essen !) sich mit hochdotiertem Pseudo-Gutachten für das Sichterheitskonzept der LoveParade stark gemacht hatte : 'Er habe noch nie eine derartig gut vorbereitete Veranstaltung wie die Duisburger Loveparade erlebt. „Allerdings habe ich die Veranstalter auf die beiden problematischen Punkte, den Bahnhof und den Tunnel, hingewiesen. Grundsätzlich sei der Tunnel allerdings in der Lage gewesen, einen sicheren Zu- und Abgang zum Festgelände zu gewährleisten“.' (Zitate u.a. aus der WAZ). Auch im WDR noch -- nur wurde das leider nicht mehr gezeigt, wäre aber wert schlich nüchtern chronologisch einmal zusammenzufassen, so wie die Live-Bilder eben damals original ausgestrahlt wurden -- hatte er doch alles für gut befunden, der Selbstgerechte, der mittlerweile nachweislich nach Image- und Stilberatung seine Originalstatements nicht mehr wiederholen mag, sondern bedacht ist nunmher mit modischerer Brille weniger arrogant und milder aufzutreten. Leider darf er auch immer wieder mal nach einer Pause nach der LoveParade in letzter Zeit erneut im WDR zu Unverfänglichem dumm daherschwätzen. Er ist nicht angeklagt. Seltsam. Seine Gutachten und die Überweisungen an ihn lassen sich nicht korrigieren. Die Übersetzung, um die es hier geht, allerdings schon. Gut, daß das aufgefallen ist. Daß hier Korrekturen erforderlich sind. Wird Zeit, daß auch auffällt, wer da von der Staatsanwaltschaft wirklich zitiert werden sollte vor das Gericht ! Zum Kotzen, daß sich die Verfahrenseröffnung so hinzieht. Zum Kotzen ist mir jedesmal zumute, wenn mit dem Fernzug ich hin und wieder an dem Gelände vorbeikomme ... paar Meter weiter weg hock Schreckenberger und darf 'lehren'. Sein 'Standing', so hört man, habe sich in der Uni wieder erholt. Auch bei Studenten und Hilfskäften. Wie viele der Betroffenen sich dagegen nach so langer Zeit noch nicht erholt haben, noch immer leiden ...
Und mir war schon beim bloßen Fernseh-Anblick jedes vorherigen Liebesaufmarsches "zum Kotzen" zumute. (Ihr Ausdruck) Warum musste diese exzessive, überbordende, ausfallende, entwürdigende Zuschaustellung erst so ein unglückliches Ende nehmen? Warum kam nicht vorher jemand an die Entscheidungsstelle, um diesem Spuk ein Ende zu bereiten, BEVOR ein Unglück passiert? Jetzt auf einmal führt man diese Liebes-Demonstration nicht mehr durch. Warum eigentlich? Es müsste doch sichere Plätze geben! Wacken vielleicht. - Gott sei Dank hat die Vernunft die Oberhand gewonnen!
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.