Gerichtssaal für 500 Menschen Hier wird der Love-Parade-Prozess stattfinden

Zehn Angeklagte, Dutzende Anwälte, Hunderte Zuschauer: Am 8. Dezember beginnt das Love-Parade-Verfahren. Ein normaler Gerichtssaal würde längst nicht reichen, nun ist die Alternative vorgestellt worden.


In wenigen Wochen startet einer der größten Prozesse der deutschen Nachkriegsgeschichte: Die Love-Parade-Katastrophe soll untersucht werden.

Nun hat das Landgericht Duisburg den Verhandlungssaal vorgestellt, in dem der Prozess stattfinden soll. Die Räume befinden sich im Congress Center Düsseldorf, das Gericht hatte sie seit Jahren reserviert - denn andernorts habe es für das Verfahren mit zehn Angeklagten und derzeit 60 Nebenklägern nicht genug Platz gegeben. Der zum Gerichtssaal umfunktionierte Messesaal bietet Platz für mehr als 500 Menschen.

"Wir sind startklar", sagte Gerichtssprecher Matthias Breidenstein am Samstag bei einer Begehung. Am 8. Dezember beginnt das Verfahren. Aufgearbeitet werden soll das Unglück von vor sieben Jahren: Bei dem Technofestival waren am 24. Juli 2010 durch eine Massenpanik an einer Engstelle 21 Menschen ums Leben gekommen. Mindestens 652 wurden verletzt.

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Love-Parade-Katastrophe: Hier findet der Prozess statt

Angeklagt sind sechs Mitarbeiter der Stadt Duisburg und vier Mitarbeiter des Veranstalters. Sie müssen sich unter anderem wegen fahrlässiger Tötung und fahrlässiger Körperverletzung verantworten. Ein für die Anklage wichtiges Gutachten der Staatsanwaltschaft hat nach Angaben der "Rheinischen Post" die Vorwürfe der Opfer an die Veranstalter gestützt. Demnach wird in dem Gutachten der Verdacht bestätigt, dass massive Planungsfehler die Katastrophe verursacht haben.

360 Plätze für Zuschauer

Die zehn Angeklagten werden von 24 Anwälten verteidigt. Bisher gibt es 64 Nebenkläger, unter ihnen sind zahlreiche Angehörige und Verletzte. Sie werden von 41 Anwälten vertreten. Hinzu kommen die Vertreter der Staatsanwaltschaft und des Gerichts. Etwa 360 Plätze werden voraussichtlich für Zuschauer und Medienvertreter reserviert.

Bis Dezember 2018 hat die 6. Große Strafkammer des Landgerichts Duisburg 111 Sitzungstermine bestimmt. Unter anderem 40 Justizwachtmeister wurden abkommandiert, außerdem sind Simultandolmetscher für Angehörige der internationalen Opfer dabei.

Die Beteiligten stehen unter Zeitdruck: Denn liegt bis zum 27. Juli 2020 - zehn Jahre nach der Katastrophe - kein erstinstanzliches Urteil vor, verjähren die vorgeworfenen Taten. Dass es überhaupt zu einem Prozess kommen würde, stand erst nach einem juristischen Hürdenlauf fest. Das Landgericht Duisburg hatte zunächst die Eröffnung des Hauptverfahrens abgelehnt. Diese Entscheidung hatte das Oberlandesgericht Düsseldorf im April 2017 aufgehoben und das Verfahren einer anderen Kammer des Landgerichts übertragen.

Die Angehörigen der Opfer hatten immer wieder vehement gefordert, dass ein Gericht die Vorgänge untersucht, die zu der Katastrophe geführt hatten.

(Lesen Sie hier, worum es vor Gericht geht.)

insgesamt 6 Beiträge
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schwabenstreich 28.10.2017
1. Was soll das ?
lieber das Geld in ne gscheite Analyse stecken , das sowas nicht mehr passiert... und das Politiker (auch Bürgermeister) keinerlei Eignung für ein Amt benötigen, nimmt das Wahlvolk durch Ihre Wahl billigend in Kauf...ich könnte so ein Mammutprozeß nachvollziehen, wenn Zivilrechtliche Entschädigungen sich an vorangegangene Strafrechtliche Verurteilungen "dranhängen" würden... aber selbst das ist nicht der Fall.
Das Pferd 28.10.2017
2.
bei allem Respekt für die Opfer: als juristischer Laie habe ich den Eindruck, daß diese Tendenz zu Riesentribunalen nicht einem geordneten und fairem Verfahren dienen. Letztlich haben alle Nebenkläger ungefähr das gleiche Interesse, kann man das nicht irgendwie bündeln?
K:F 28.10.2017
3. Wieso sitzt Reiner Schaller nicht auf der Anklagebank?
Sondern ausschließlich Schallers Lakaien? Schaller hat den Druck gemacht. Schaller wollte die Loveparade als Veranstalter, genau wie sie stattgefunden hat. Schaller war der Geschäftsführer des Veranstalters und der Hauptsponsor.. Bei McFit, deren geschäftsführender Gesellschafter Schaller ist, wurde stündlich, auf dem hauseigenen TV, Werbung für die Loveparde gezeigt. Nach der Katastrophe war absolute Funkstille. Kein Wort des Bedauerns, nichts. Gar nichts.
HuFu 28.10.2017
4. Langsam....
Zitat: "Denn liegt bis zum 27. Juli 2020 - zehn Jahre nach der Katastrophe - kein erstinstanzliches Urteil vor, verjähren die...." - Alleine der Satz reicht mir schon um zu ko...! Ich hoffe anständig, dass es hier eine vernünftige, lückenhafte Aufklärung gibt.
stefan.martens.75 28.10.2017
5. Nach Jahren NSU mit einer Angeklagten
Dürfte ja wohl die Verteidigungsstrategie logisch auf der Hand liegen. Verzögern und Anträge stellen ohne Ende. Wenn die es nicht schaffen, dass Verfahren über 4 Jahre hinaus zu zögern, sollte man über ihre Zulassung nachdenken. Das wird ein Klacks, wenn man Tschäpes Anwälte zur Grundlage nimmt.
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