Love-Parade-Prozess Verteidiger beantragen Einstellung des Verfahrens

Im Love-Parade-Prozess haben Verteidiger beantragt, das Verfahren einzustellen - die Anklage sei zu ungenau. Nebenkläger sehen das als Teil einer Verzögerungstaktik.

Congress Center Düsseldorf
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Mehrere Verteidiger haben im Prozess zur Love-Parade-Katastrophe die Einstellung des Verfahrens beantragt. Die Anklage der Staatsanwaltschaft sei zu unbestimmt, sagte ein Anwalt. Es werde nicht klar, was seinem Mandanten zur Last gelegt werde. Andere Verteidiger schlossen sich dem Antrag an.

Zuvor hatten einige Vertreter von Angeklagten die Aussetzung des Prozesses beantragt. Zur Begründung hieß es, es müssten unter anderem zuerst 33 Aktenordner zur Love-Parade aus dem NRW-Innenministerium hinzugezogen werden.

Der Prozess vor dem Duisburger Landgericht findet aus Platzgründen im Kongresszentrum der Düsseldorfer Messe statt. Beim Love-Parade-Unglück am 24. Juli 2010 waren im dichten Gedränge am einzigen Zu- und Abgang 21 Menschen erdrückt und mindestens 652 verletzt worden.

Sechs Mitarbeitern der Stadt Duisburg und vier Mitarbeitern des Veranstalters Lopavent wird in dem Verfahren fahrlässige Tötung und fahrlässige Körperverletzung vorgeworfen. Ihnen drohen bis zu fünf Jahre Haft. Die Anklage wirft ihnen schwere Planungsfehler vor, die zu einer rechtswidrigen Genehmigung der Veranstaltung geführt hätten. Sicherheitsrelevante Auflagen seien nicht beachtet und umgesetzt, die Einhaltung nicht kontrolliert worden.

Die Verteidiger bestritten mehrfach den von Nebenklägern erhobenen Vorwurf, eine Verzögerungstaktik zu betreiben. "Wir sind nicht so weit, wir sind nicht vorbereitet, und das ist schlecht", sagte ein Verteidiger. Die Staatsanwaltschaft enthalte dem Gericht offenbar Informationen vor, sagte ein anderer Anwalt. Hintergrund des Streits ist der Zeitdruck, unter dem das Verfahren steht: Ende Juli 2020 verjähren die Vorwürfe.

Das Gericht wies zudem die Kritik der Verteidiger an der Auswahl der Strafkammer zurück. Eine mehr als 70 Seiten starke sogenannte Besetzungsrüge der Anwälte hatte keinen Erfolg, wie der Vorsitzende Richter Mario Plein bekannt gab. Eine nähere Begründung gab das Gericht nicht.

bbr/dpa

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