Love-Parade-Prozess Vorwurf der Körperverletzung ausgeweitet

Die Angeklagten im Love-Parade-Prozess müssen sich nun wegen deutlich mehr Fällen von fahrlässiger Körperverletzung verantworten - das hat das Landgericht Duisburg entschieden.

Gerichtssaal im Congress Center Düsseldorf
DPA

Gerichtssaal im Congress Center Düsseldorf


Im Prozess um die Katastrophe bei der Love Parade hat das Landgericht Duisburg den Vorwurf der fahrlässigen Körperverletzung ausgeweitet. Die Staatsanwaltschaft hatte in ihrer Anklage die Zahl aus prozessökonomischen Gründen auf 18 Fälle beschränkt. Mindestens 652 Menschen waren damals verletzt worden.

Das Gericht befand nun, dass auch sämtliche Verletzungen der Nebenkläger Teil der Anklage sind. Damit müssen sich nun einige Angeklagte wegen Körperverletzung in 50, die anderen in 33 Fällen verantworten. Zehn Personen sind angeklagt, darunter Mitarbeiter der Stadt Duisburg und der Firma Lopavent, deren Team die Love Parade veranstaltete.

Die Verteidiger brachten bei der Verhandlung eine umfassende Besetzungsrüge vor. Sie sind der Ansicht, dass der Fall vor der falschen Strafkammer verhandelt wird. "Die Besetzung ist rechtswidrig und verletzt das Grundrecht unseres Mandanten auf den gesetzlichen Richter", sagte einer der Verteidiger.

Fotostrecke

20  Bilder
Chronologie: Vom Loveparade-Unglück zum Prozess

Der Grund: Zunächst hatte die 5. Große Strafkammer des Landgerichtes die Anklage zurückgewiesen, eine Verurteilung sei unwahrscheinlich. Das sahen die Richter am Düsseldorfer Oberlandesgericht anders - und ordneten an, die Hauptverhandlung vor der 6. Großen Strafkammer des Duisburger Landgerichts abzuhalten. Die Anwälte kritisieren diese Übertragung nun als willkürlich.

Zuvor hatte das Landgericht die Befangenheitsanträge gegen zwei Ersatzschöffen abgelehnt. Verteidiger hatten argumentiert, die Kinder der Schöffen seien Besucher der Love Parade gewesen. Auch wenn sie dabei nicht Zeugen des Unglücks wurden, könnten ihre Eltern dadurch befangen sein.

Am 24. Juli 2010 waren viele Zehntausend Menschen nach Duisburg zur Love Parade gekommen. Was eine riesige Party werden sollte, endete tödlich: Als zu viele Besucher gleichzeitig an dem einzigen Ein- und Ausgang des Veranstaltungsgeländes waren, wurden 21 Besucher zwischen 17 und 38 Jahren an einer engen Rampe erdrückt. Mindestens 652 Menschen wurden verletzt. Viele von ihnen leiden bis heute körperlich und seelisch unter den Folgen.

Das Verfahren steht unter Zeitdruck: Ende Juli 2020 verjähren die Vorwürfe. Das Landgericht hat bis Dezember 2018 zunächst 111 Verhandlungstage angesetzt.

SPIEGEL TV Magazin: Chronik einer Katastrophe

SPIEGEL TV

jpz/dpa

© SPIEGEL ONLINE 2017
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.