Love-Parade-Unglück Angeklagte weisen Vorwürfe von sich

Die Staatsanwaltschaft Duisburg hat neun Männer und eine Frau wegen des Love-Parade-Unglücks vor dreieinhalb Jahren angeklagt. Dabei handelt es sich um Mitarbeiter der Stadtverwaltung und des Veranstalters. Sie weisen jede Schuld von sich.

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Duisburg - Die Staatsanwaltschaft Duisburg hat zehn Personen wegen des Love-Parade-Unglücks vor dreieinhalb Jahren angeklagt. Dabei handelt es sich um sechs Mitarbeiter der Duisburger Stadtverwaltung und um vier Mitarbeiter des Love-Parade-Veranstalters Lopavent, wie die Strafverfolger in Duisburg mitteilten.

Während der Techno-Parade am 24. Juli 2010 in Duisburg waren bei einer Massenpanik 21 Menschen getötet und mehr als 500 verletzt worden.

Den Angeklagten wird fahrlässige Tötung und fahrlässige Körperverletzung vorgeworfen. Ihnen drohen bei Verurteilung Haftstrafen von bis zu fünf Jahren, sagten Vertreter der Staatsanwaltschaft Duisburg auf einer Pressekonferenz. Die Beschuldigten werden von insgesamt zwölf Anwälten vertreten und haben die vorgebrachten Vorwürfe von sich gewiesen.

In sechs Fällen wurden die Ermittlungen eingestellt. Eine Person, gegen die ein Ermittlungsverfahren eingeleitet worden war, sei inzwischen verstorben. Ein Planungsfehler sei der wesentliche Grund für das Unglück, betonte der Leitende Staatsanwalt Horst Bien. Den Ermittlungen zufolge waren die Zu- und Abgänge zum Love-Parade-Gelände für solche Menschenmengen ungeeignet. Die Planer der Veranstalter hätten erkennen müssen, dass das Sicherheitssystem versagen und lebensgefährliche Situationen entstehen würden, so die Ankläger.

Derzeit lägen 27 Anträge auf Zulassung zur Nebenklage vor. 69 Anwälte würden 135 Opfer vertreten. Es gebe außerdem 48 Parteien, die vermögensrechtliche Ansprüche geltend machen würden.

Für den erwarteten Prozess will die Staatsanwaltschaft den damaligen Duisburger Oberbürgermeister Adolf Sauerland (CDU) sowie den Geschäftsführer der Veranstalterfirma Lopavent, Rainer Schaller, als Zeugen benennen.

Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft Duisburg umfasst rund 550 Seiten, auf denen 149 Zeugen, 14 Sachverständige und mehr als 400 Urkunden aufgeführt sind. Nach SPIEGEL-ONLINE-Informationen handelt es sich bei den Angeklagten um den früheren Duisburger Stadtentwicklungsdezernenten Jürgen Dressler, fünf Mitarbeiter des städtischen Bauamts sowie vier Verantwortliche der Firma Lopavent, die die Techno-Veranstaltung organisiert hatte. (Mehr zu den Hintergründen der Ermittlungen lesen Sie hier.)

Nicht angeklagt wurden dagegen Duisburgs Ordnungsdezernent Wolfgang Rabe und der Leiter des Ordnungsamts, Hans-Peter Bölling, gegen den ermittelt worden war. Auch der sogenannte Crowd-Manager des Veranstalters, der am Katastrophentag die Eingangsschleusen zum Party-Gelände kontrollierte, sowie der damalige Polizeieinsatzleiter Kuno S. werden sich nicht vor Gericht verantworten müssen.

Die Staatsanwaltschaft hatte ihre Ermittlungen zunächst gegen 16 Beschuldigte gerichtet, der frühere Oberbürgermeister Adolf Sauerland (CDU) und Fitness-Unternehmer Rainer Schaller waren jedoch zu keinem Zeitpunkt darunter.

ala/dpa

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