Angriff in Lübecker Linienbus Angeklagter bittet Opfer um Entschuldigung

Ein 34-Jähriger griff im Juli in einem Bus in Schleswig-Holstein mehrere Menschen mit einem Messer an. Nun steht er vor Gericht. Hintergrund der Tat ist offenbar eine psychische Erkrankung des Mannes.

Angeklagter im Landgericht Lübeck
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Angeklagter im Landgericht Lübeck


Ein halbes Jahr nach einem Angriff in einem Linienbus hat ein 34-Jähriger um Entschuldigung gebeten: "Ich habe Menschen Leid zugefügt. Das war nicht richtig", sagte er vor dem Lübecker Landgericht.

Er soll am 20. Juli auf der Fahrt von Lübeck nach Travemünde in dem Bus Feuer gelegt und mit einem Messer wahllos zwölf Fahrgäste verletzt haben, manche von ihnen schwer. Ein junger Mann musste notoperiert werden. (Lesen Sie hier mehr zu dem Fall).

Die Staatsanwaltschaft legt dem Mann unter anderem versuchten Mord in 48 Fällen, gefährliche Körperverletzung sowie schwere und versuchte besonders schwere Brandstiftung zur Last.

"Ich sah, wie er in dem Rucksack kramte und ihn dann in die Mitte des Gelenkbusses warf. Kurz darauf schossen Flammen aus dem Rucksack", sagte eine Zeugin vor Gericht. In dem Rucksack befanden sich zwei Spiritusflaschen. Aufnahmen der Überwachungskameras aus dem Bus zeigen, wie die Fahrgäste in Panik fliehen. Der Fahrer und mehrere Passagiere überwältigten den Mann schließlich.

"Der Beschuldigte sah sich als Opfer einer Verschwörung"

Der 34-Jährige könne für den Vorfall im rechtlichen Sinne nicht zur Verantwortung gezogen werden, "da er nach gegenwärtigem Stand aufgrund seiner psychischen Erkrankung nicht schuldfähig ist", sagte eine Sprecherin der Lübecker Staatsanwaltschaft. In dem Verfahren gehe es um seine Einweisung in die Psychiatrie.

"Der Beschuldigte sah sich als Opfer einer Verschwörung und fühlte sich spätestens seit April 2018 von Unbekannten durch Laserstrahlen angegriffen", sagte Staatsanwältin Ann-Sofie Portius. Diese Verschwörung habe er beenden wollen, indem er einen Bus in Brand setzen und alle Insassen durch das Feuer und durch Messerstiche töten wollte.

Der Mann sagte, er sei ständig von Unbekannten mit Laserstrahlen beschossen worden, bis seine Haut gebrannt habe. Um sich davor zu schützen, trug er auch im Sommer eine dicke Winterjacke und mehrere Schutzbrillen übereinander. Er habe sich für die Laser-Attacken rächen wollen. "Ich hatte eine solche Wut in mir und wollte den Angreifern einen Denkzettel verpassen.

"Seit ich in der Psychiatrie bin, brennt meine Haut nicht mehr", sagte er. Eine psychiatrische Sachverständige war zum Ergebnis gekommen, dass der 34-Jährige unter paranoider Schizophrenie leidet. Einen Monat nach der Tat war der Mann deshalb in eine psychiatrische Klinik verlegt worden.

bbr/dpa



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