Bericht zu Missbrauchsfall Lügde Wegen Kinderpornografie Vorbestrafter arbeitet als Polizist in Lippe

Ein wegen Kinderpornografie Vorbestrafter arbeitet laut "Kölner Stadt-Anzeiger" bei der Kreispolizeibehörde Lippe. In die Arbeit zum Missbrauchsfall Lügde ist der Mann laut NRW-Innenministerium nicht eingebunden.

Polizisten bei Durchsuchung auf Campingplatz
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Polizisten bei Durchsuchung auf Campingplatz


Bei den internen Untersuchungen zum Fall Lügde sind polizeiliche Sonderermittler auf den Fall eines Beamten gestoßen, der wegen Kinderpornografie vorbestraft ist.

Der Polizist sei 2011 wegen des Besitzes und Beschaffens von Kinderpornografie verurteilt worden, berichtet der "Kölner Stadt-Anzeiger" unter Berufung auf das nordrhein-westfälische Innenministerium.

Ein Ministeriumssprecher bestätigte, der Beamte sei weiter im Dienst, aber nicht in die Untersuchungen zum Missbrauchsfall in Lügde oder andere Ermittlungen eingebunden.

Dem Bericht zufolge beantragte die zuständige Behörde seinerzeit bei Gericht die Entlassung des Beamten. Die Richter hätten jedoch eine Degradierung für ausreichend gehalten.

Die Missbrauchsserie von Lügde war am 30. Januar bekannt geworden. Auf dem dortigen Campingplatz sollen über einen Zeitraum von mehr als zehn Jahren mindestens 31 Kinder im Alter zwischen vier und 13 Jahren missbraucht worden sein. Es gibt insgesamt sieben Verdächtige. Zuletzt waren bei einer Durchsuchung neue mögliche Beweismittel gefunden worden.

Campingplatz Eichwald
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Campingplatz Eichwald

Hatte die örtliche Polizei zunächst versucht, den Eindruck zu vermitteln, man tue alles, um die Verbrechen aufzuklären, wurden schnell schwere Fehler offenbar. Der Leiter der Soko "Camping" wurde abgesetzt, der Polizeichef von Lippe versetzt, der Kripochef suspendiert. NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) schickte ein Team mit Sonderermittlern des LKA, das Polizeifehler untersuchen soll.

Der Lipper Landrat Axel Lehmann spricht von "eklatanten Fehlleistungen" seiner Beamten, die ihn "fassungslos" machten. Wegen Strafvereitelung im Amt, Verletzung der Fürsorgepflicht und anderen Vorwürfen wird gegen mehr als ein Dutzend Beschuldigte bei Behörden ermittelt, darunter zwei Polizisten und acht Jugendamtsmitarbeiter.

Reul hatte nach Bekanntwerden des Falls veranlasst, dass alle Sexualdelikte festgestellt werden, an denen Polizisten der Kreispolizei Lippe beteiligt waren. Dabei wurde bekannt, dass ein Beamter 2011 in seinem privaten Badezimmer heimlich eine Videokamera installiert hatte. Zudem wurde ein Vorgang aus dem Jahr 2013 gefunden, bei dem ein Tutor eine Kommissaranwärterin belästigt hatte.

Nach Angaben des NRW-Innenministeriums wurde die Kreispolizeibehörde Lippe jetzt angewiesen, "beim aktuellen und künftigen Einsatz der Polizeibeamten ihre Vorgeschichte zwingend zu berücksichtigen".

Nach dem Missbrauchsskandal auf dem Campingplatz in Ostwestfalen waren in der Kreispolizeibehörde 155 sichergestellte Datenträger unter mysteriösen Umständen verschwunden. Reul hatte daraufhin Sonderermittler aus dem Landeskriminalamt nach Detmold entsandt, um aufzuklären, wie es dazu kommen konnte. Inzwischen hat die Staatsanwaltschaft Detmold ein Verfahren gegen Unbekannt eingeleitet, unter anderem wegen Verdachts des Diebstahls. Die Ermittlungen führt das Polizeipräsidium Bielefeld.

ulz/le/AFP/dpa

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