Mord an Birgit Meier Die Leiche im Haus des Friedhofsgärtners

Vor einem Jahr wurde die Leiche der 1989 verschwundenen Birgit Meier gefunden. Ihr mutmaßlicher Mörder hat womöglich noch öfter getötet. Der Durchbruch in dem Fall gelang allerdings nicht der Polizei.

Ehemaliges Wohnhaus von Kurt-Werner Wichmann in Niedersachsen
Robin Hinsch/ DER SPIEGEL

Ehemaliges Wohnhaus von Kurt-Werner Wichmann in Niedersachsen

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Es sollte fast 28 Jahre dauern, bis man Birgit Meiers Überreste fand. Unter dem Betonboden der Garage eines Hauses am Rande von Lüneburg wurden 2017 ihre Knochen ausgegraben. Später stellten Rechtsmediziner fest, dass die damals 41-Jährige 1989 erschossen worden war.

Der Mord an Birgit Meier ist Teil eines Kriminalfalls, der die Polizei noch immer beschäftigt, fast 30 Jahre später. Im Zentrum steht ein Friedhofsgärtner. Ein Mann, der möglicherweise noch viel öfter mordete.

Meier, eine Fotografin aus Lüneburg, verschwand im Sommer 1989. Die Polizei vermutete, dass sie getötet worden war, fand jedoch keinen Täter. Inzwischen gehen die Beamten davon aus, dass Kurt-Werner Wichmann die Frau umbrachte.

Kurt-Werner Wichmann
Lucas Wahl/ Agentur Focus

Kurt-Werner Wichmann

Wichmann war schon mit Gewalt- und Sexualdelikten aufgefallen. Als junger Mann wurde er zu fünfeinhalb Jahren Haft verurteilt, weil er eine 17-jährige Anhalterin vergewaltigt und beinahe umgebracht hatte.

Im Jahr von Meiers Verschwinden starben zudem vier weitere Menschen gewaltsam, ebenfalls in der Umgebung Lüneburgs. Im niedersächsischen Staatsforst Göhrde wurden binnen weniger Wochen zwei tote Paare entdeckt. Die Doppelmorde von Mai und Juli 1989 gingen als "Göhrde-Morde" in die Geschichte ein.

Heute gibt es wenig Zweifel daran, dass Wichmann der Täter war. Das legen DNA-Spuren nahe, die die Polizei inzwischen gefunden hat.

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Göhrde-Morde: Tod im Staatsforst

Wichmann kann sich zu den Vorwürfen nicht mehr äußern. 1993 verursachte er bei Heilbronn einen Verkehrsunfall. In seinem Kofferraum lagen Maschinenpistolenteile und Munition - er kam in U-Haft. In seiner Zelle erhängte Wichmann sich am 25. April 1993 mit dem Anstaltsgürtel.

Obwohl Wichmann im Fall Birgit Meier schon früh in den Fokus der Ermittler geriet, gelang der Lüneburger Polizei kein Durchbruch. Dass ihre Leiche überhaupt gefunden wurde, ist einem Mann zu verdanken: Meiers Bruder Wolfgang Sielaff.

Wolfgang Sielaff
DPA

Wolfgang Sielaff

Der ehemalige Leiter des Hamburger LKA scharte im Jahr 2002 erfahrene Spezialisten um sich: Rechtsmediziner, Polizisten, eine Kriminalpsychologin. Diesem Team gelang, woran die Lüneburger Polizei jahrzehntelang gescheitert war: die Entdeckung der Leiche.

Am 29. September 2017 gruben sie Birgit Meier aus - auf dem Grundstück, das einst Kurt-Werner Wichmann bewohnte. Stück für Stück legten sie ihre Knochen frei. Um ihren Kopf lag ein blauer Müllsack. Sielaff sagte dem SPIEGEL später: Ein Schock habe seinen Körper durchflutet, dann "Erleichterung, auch Genugtuung, dass wir sie endlich gefunden haben".

Inzwischen ist auch die Lüneburger Polizei wieder aktiver: Sie befragte einen möglichen Komplizen Wichmanns, doch der Mann äußert sich nicht. Im April durchforsteten die Beamten wochenlang das ehemalige Grundstück Wichmanns, sie gruben metertiefe Löcher im Garten und durchsuchten das Haus.

Rund 400 Gegenstände nahmen die Ermittler mit. 217 davon wertet das niedersächsische LKA nun aus, die Experten suchen nach DNA-Spuren.

Grabung der Polizei
Polizeidirektion Lüneburg

Grabung der Polizei

Außerdem hat die "Ermittlungsgruppe Göhrde" eine Art Täterprofil von Wichmann erstellt. Darin steht, wo er wann lebte, welches Auto er fuhr, wie er bei den Taten vorging, die man ihm vorwirft. Das Dokument schickten die Ermittler an deutsche und ausländische Polizeidienststellen.

Die Kollegen verglichen die Angaben mit eigenen Fällen, suchten nach Verbindungen. Der Rücklauf war groß: 42 Dienststellen schickten 100 Fälle an die Lüneburger Ermittler. Darunter sind Tötungsdelikte und Vermisstenfälle. Es werde Jahre dauern, den Rücklauf auszuwerten, sagte ein Lüneburger Polizeisprecher.



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