Mordprozess um Ex-Pornodarsteller Berliner beschreibt Magnotta als großzügig und normal

Der Kanadier Luka Magnotta soll seinen Ex-Freund ermordet, zerstückelt und die Leichenteile versandt haben. Dann flüchtete er nach Berlin, wo er bei einem 53-Jährigen unterkam. Der hat den mutmaßlichen Mörder als normal in Erinnerung.

Prozess in Montréal: Berliner Gastgeber beschreibt Luka Magnotta als großzügig
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Prozess in Montréal: Berliner Gastgeber beschreibt Luka Magnotta als großzügig


Montréal - Im Juni 2012 schnappten Polizisten den mutmaßlichen Mörder Luka Magnotta in einem Internetcafé in Berlin-Neukölln. Der Kanadier hatte sich in der Hauptstadt bei einem Berliner versteckt. Der 53 Jahre alte Mann sagte nun im Prozess in Montréal gegen Magnotta aus - und beschrieb den Angeklagten als großzügig und normal.

Er habe den früheren Pornofilmdarsteller auf einer Internet-Datingseite für schwule Männer kennengelernt, sagte der Berliner kanadischen Medienberichten zufolge. Magnotta habe ihn online gefragt, ob er bei ihm in Berlin wohnen könne. Nach der Zusage sei er im Juni 2012 per Bus aus Paris gekommen. "Er war nicht gut angezogen und hatte lange Haare, was ich nicht mag", teilte der Berliner dem Gericht mittels eines Übersetzers mit. "Ich sagte ihm, wenn er in Berlin bleiben will, muss er seinen Stil ändern." Magnotta habe sich daraufhin die Haare abgeschnitten und neue Kleidung gekauft.

Rund vier Tage blieb Magnotta in der Wohnung des Berliners, wo die beiden zusammen aßen und mit Freunden ausgingen. Sie hätten im selben Bett geschlafen, aber keinen Sex gehabt, sagte der Berliner. Sein Gast habe sich normal verhalten und normale Fragen gestellt.

In einer Socke habe er rund 5000 Euro dabeigehabt und seinem Gastgeber angeboten, sich daran zu bedienen. Die beiden hätten sich mithilfe von Online-Übersetzungsdiensten unterhalten, da er kein Englisch spreche und Magnotta kein Deutsch.

Am 4. Juni habe er einen Freund getroffen und seinem Gast vorgeschlagen, währenddessen in ein Internetcafé zu gehen, sagte der Berliner. In der U-Bahn habe er in der Zeitung dann ein Foto seines Gastes gesehen.

Daraufhin habe er die Polizei gerufen. "Die Polizei hat mir zum Geburtstag gratuliert. Ich sagte ihnen, dass es gar nicht mein Geburtstag ist und sie haben geantwortet: "Doch, das ist es, denn Sie hätten der Nächste sein können."

Magnotta wird vorgeworfen, im Frühjahr 2012 seinen Ex-Freund, einen chinesischen Studenten, mit einem Eispickel getötet und zerteilt zu haben. Die Leichenteile verschickte er laut Anklage mit der Post an Behörden und Parteizentralen.

Zum Prozessauftakt vor rund zwei Wochen hatte der 32-Jährige die Tötung gestanden, sein Anwalt plädiert auf Schuldunfähigkeit. Der Prozess soll sechs bis acht Wochen dauern. Magnotta droht lebenslange Haft.

gam/dpa

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