Verdacht auf Organhandel Wütender Mob in Madagaskar lyncht drei Männer

Es geht um den Verdacht des illegalen Organhandels: Zwei Ausländer sind in Madagaskar von einer wütenden Menge misshandelt und angezündet worden. Ein dritter Mann wurde ebenfalls getötet.


Antananarivo/Paris - In Madagaskar sind drei Männer wegen des Verdachts, illegale Organhändler zu sein, von aufgebrachten Dorfbewohnern gelyncht worden. Der Mob habe zwei Ausländer zunächst schwer misshandelt und dann angezündet, berichtete ein Polizeisprecher. Später wurde dann ein dritter Mann, der zeitweise in Polizeihaft war, von einer wütenden Menge umgebracht.

In der Nacht hatten die Bewohner bei der Suche nach einem vermissten Kind die Leiche eines achtjährigen Jungen entdeckt, dem die Zunge und sein Geschlechtsteil gefehlt hätten. Ob ihm auch innere Organe entnommen wurden, war unklar. Lokale Medien berichteten laut BBC davon, dass in den Kühlschränken der Verdächtigen Organe gefunden worden seien. Genauere Angaben gab es zunächst nicht. Einer der Ausländer wurde vom französischen Außenministerium als Franzose identifiziert.

Die beiden Männer hätten vor ihrem gewaltsamen Tod unter Folter den Organhandel eingestanden, sagte Polizeikommandeur Guy Bobin Randriamaro der Nachrichtenagentur AFP. Die beiden Europäer seien anschließend am Strand der Insel Nosy Be getötet und verbrannt worden, sagte ein weiterer Polizeivertreter. Bei dem dritten Mann, der später getötet wurde, handelte es sich um den 30 Jahre alte Onkel des getöteten Kindes. Auch er soll in den Organhandel verstrickt gewesen sein.

Distriktdirektor Malaza Ramanamahafahy berichtete von einer angespannten Situation auf der kleinen Insel. Die aufgebrachten Bewohner hatten am Donnerstag auch die Polizeiwache in Hell-Ville angegriffen. Die Polizei setzte Schusswaffen gegen die wütende Menge ein. Dabei sei ein Mensch getötet worden, berichteten Medien in der Hauptstadt Antananarivo. Sechs seien festgenommen worden. Der Mob setzte mehrere Gebäude in Brand.

Die Zentralregierung schickte zusätzliche Sicherheitskräfte zur Verstärkung in die Region. Das französische Konsulat in Madagaskar warnte alle Franzosen eindringlich vor einer Reise auf die Insel.

vks/AFP/dpa

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