Mädchenmord in Emden 18-Jähriger wegen Aufrufs zur Lynchjustiz angeklagt

Er soll zu Lynchmord aufgerufen haben: Die Staatsanwaltschaft Aurich hat Anklage gegen einen 18-Jährigen erhoben. Per Facebook soll er andere aufgefordert haben, das Polizeikommissariat in Emden zu stürmen und den mutmaßlichen Mörder eines Mädchens zu töten.


Aurich - Dem jungen Mann wird vorgeworfen, nach dem Mord an einem Mädchen über seinen Facebook-Account zur Erstürmung des Polizeikommissariats Emden und zum Lynchmord an einem Tatverdächtigen aufgerufen zu haben: Die Staatsanwaltschaft Aurich hat jetzt Anklage gegen den 18-Jährigen erhoben.

In dem Kommissariat befand sich zu dem Zeitpunkt ein damals 17-Jähriger, der in Verdacht stand, das Mädchen getötet zu haben. Inzwischen hat sich seine Unschuld erwiesen, ein zweiter Verdächtiger hat die Tat gestanden.

Dem Facebook-Aufruf zufolge sollte der 17-Jährige aus dem Polizeigewahrsam geholt und gelyncht werden. An dem Tag versammelten sich laut Staatsanwaltschaft am späten Abend etwa 50 Personen vor dem Polizeigebäude. Aus der Menge wurde die Herausgabe des vorläufig Festgenommenen verlangt. Zu Übergriffen sei es allerdings nicht gekommen.

Der 18-Jährige muss sich nun vor dem Jugendschöffengericht des Amtsgerichts Emden verantworten. Es muss zunächst über die Eröffnung des Hauptverfahrens entscheiden. Ein Termin für die Verhandlung steht noch nicht fest. Der 18-jährige hatte Mitte April gesagt, er sei sehr betroffen über das Ausmaß und die Folgen seines Tuns.

ulz/dapd



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