Mädchenmord in Emden Staatsanwaltschaft erhebt Anklage

Er soll in einem Parkhaus in Emden eine Elfjährige ermordet haben: Vier Monate nach der Tat hat die Staatsanwaltschaft Aurich Anklage gegen einen 18-Jährigen erhoben. Ihm wird zudem zur Last gelegt, die Viertklässlerin vergewaltigt zu haben.


Aurich/Emden - Der gewaltsame Tod eines elf Jahre alten Mädchens erschütterte im März die Stadt Emden in Ostfriesland. Nun hat die Staatsanwaltschaft Aurich den 18-jährigen Tatverdächtigen angeklagt. Dem Mann wird zur Last gelegt, die Viertklässlerin am 24. März in einem Parkhaus vergewaltigt und zur Verdeckung der Tat ermordet zu haben, teilte Oberstaatsanwalt Klaus Visser mit.

Angaben zum Tathergang wollte er aus Gründen des Opferschutzes nicht machen. Auch über die Tatwaffe wurde bisher nichts bekannt. Ein Prozesstermin steht noch nicht fest, das Landgericht Aurich hat noch nicht über die Eröffnung des Hauptverfahrens entschieden.

Der Beschuldigte war am 31. März mithilfe von Zeugenaussagen und DNA-Spuren als dringend tatverdächtig überführt worden. Er hat die Tat gestanden und sitzt in Untersuchungshaft. Der mutmaßliche Täter muss sich zudem wegen der versuchten Vergewaltigung einer Joggerin im November 2011 in den Emder Wallanlagen verantworten. Diese sei nur am heftigen Widerstand der Frau gescheitert, teilte die Staatsanwaltschaft mit. Der Frau gelang verletzt die Flucht.

Bei einer Verurteilung droht dem Mann bei Anwendung des Jugendrechts eine Strafe von maximal zehn Jahren, bei Anwendung des Erwachsenenstrafrechts eine lebenslange Freiheitsstrafe.

Die Ermittlungen über die Rolle einer Kinder- und Jugendpsychiatrie dauern noch an. Dort hatte der 18-Jährige vor dem Mord eine Therapie regulär beendet. Gegen den Leiter der psychiatrischen Einrichtung liegt eine Strafanzeige vor.

Nach Ermittlungspannen bei der Suche nach dem Mörder laufen zudem Disziplinarverfahren gegen mehrere Polizisten. Hintergrund ist ein nicht umgesetzter Durchsuchungsbeschluss vom Dezember 2011 gegen den tatverdächtigen 18-Jährigen sowie eine Selbstanzeige des jungen Mannes wegen seiner pädophilen Neigungen vom November 2011, die ebenfalls nicht weiterverfolgt wurde.

wit/dpa/dapd



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