Expo 2015 in Mailand Mafia und Politik im Bunde

Mailand plant die Expo 2015 - und das organisierte Verbrechen verdient mit. Die kalabrische 'Ndrangheta soll sich öffentliche Aufträge verschafft und dafür mit Politikern kooperiert haben. 13 Tatverdächtige wurden festgenommen.

Expo-Gelände in Mailand: Festnahme mutmaßlicher Mafiamitglieder
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Expo-Gelände in Mailand: Festnahme mutmaßlicher Mafiamitglieder


Mailand - In Kalabrien und der Lombardei hat die italienische Polizei 13 Männer festgenommen, die unter dem Verdacht stehen, Mitglieder mafiöser Gruppierungen zu sein. Ihnen wird illegaler Waffenbesitz vorgeworfen, außerdem Amtsmissbrauch, Begünstigung, Bedrohung und Sachbeschädigung.

Die Anti-Mafia-Staatsanwältin von Mailand, Ilda Boccassini, hatte die Ermittlungen geleitet, in deren Zentrum zwei Clans der 'Ndrangheta standen, die im Westen der Lombardei aktiv sind. Sie sollen im Lauf der Jahre enge Kontakte zu Unternehmern, Politikern, Behörden und Banken geknüpft haben. Diese Verbindungen hätten ihnen Vorteile verschafft bei Immobiliengeschäften und der Auftragsvergabe im Zusammenhang mit der Expo 2015 in Mailand.

Laut Polizei arbeiteten die Mafiosi konkret zusammen mit einem Polizisten der Gefängnispolizei, einem Beamten im Finanzamt, einem Immobilienunternehmer sowie Stadträten verschiedener Gemeinden rund um Mailand.

Die Weltausstellung Expo 2015 wird vom 1. Mai bis 31. Oktober 2015 auf dem Gelände der Neuen Messe Mailand stattfinden. Die Veranstalter rechnen mit 20 Millionen Besuchern.

Die Ausstellungsgesellschaft hatte im Vorfeld mit beteiligten Baufirmen - traditionell das mafiaanfälligste Geschäftsfeld - eine sogenannte Legalitätsvereinbarung geschlossen und nur an "mafiafrei" lizenzierte Unternehmen Aufträge vergeben. Solche Vorsichtsmaßnahmen werden jedoch regelmäßig von der Mafia unterlaufen.

Im Mai gab es bereits den ersten Bestechungsskandal im Zusammenhang mit der Expo, bei dem sieben Manager und Politiker wegen Korruption festgenommen wurden - darunter der für die Auftragsvergabe zuständige Expo-Manager der Region Lombardei. "Wir können Korruption nicht verhindern, aber wir können sie sicherlich erschweren", sagte der Leiter der Nationalen Antikorruptionsbehörde Raffaele Cantone im September.

Die 'Ndrangheta gilt als die derzeit mächtigste italienische Mafiagruppierung. Sie agiert nicht nur im Norden Italiens, sondern weltweit. Schätzungen zufolge macht sie im Jahr einen Umsatz von etwa 53 Milliarden Euro - etwa 2,5 Prozent des italienischen Bruttosozialprodukts.

ala

insgesamt 3 Beiträge
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der.tommy 28.10.2014
1.
Es ist wirklich schockierend wie sehr Geld unsere Welt regiert. Selbst bei einem Ereignis wie einer Expo (kommt nun wirklich nicht allzu oft vor) gibt es nur Gemauschel, Kungelei und Korruption. Gibt es in höheren Etagen keinen einzigen vernünftigen und anständigen Menschen mehr?
Lok Leipzig 28.10.2014
2. Falsche Relation
Sie schreiben, dass der Umsatz der `Ndrangheta 2,5 Prozent des italienischen Bruttoinlandsproduktes erreiche. Vermutlich wollen Sie damit die wirtschaftliche Bedeutung dieser Mafiaorganisation für Italien veranschaulichen. BIP und Umsatz sind allerdings inkommensurabel. Das BIP ist nicht die Addition aller Umsätze, die eine Volkswirtschaft erzielt, sondern die aggregierte Wertschöpfung, die immer deutlich kleiner als der addierte Umsatz ist. Also vermitteln Sie mit diesem Vergleich ein sehr schiefes Bild.
guentilein 29.10.2014
3. Italien, große Bauvorhaben und Mafia. Hm.
Mittlerweile dürfte jeder, der sich mit dem Thema schon beschäftigt hat, dass Generalverdacht nur richtig sein kann.
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