Kampf gegen die Mafia Ermittler bezeichnen Razzia als "ersten Schritt"

Allein in Deutschland nahmen die Ermittler 14 Personen fest, sie stellten hohe Bargeldsummen und mehrere vermutliche Kurierfahrzeuge sicher. Es sei ein "bedeutender Schlag" gegen die Mafiaorganisation 'Ndrangheta.

Sichergestelltes Kurierfahrzeug
DPA

Sichergestelltes Kurierfahrzeug


Nach der Großrazzia gegen die Mafiaorganisation 'Ndrangheta haben die Ermittler weitere Details bekannt gegeben. Es seien 14 Verdächtige festgenommen worden, teilte das Bundeskriminalamt (BKA) mit. Zudem wurden demnach hohe Bargeldsummen und mehrere Autos, die mutmaßlich als Kurierfahrzeuge genutzt worden waren, beschlagnahmt.

In Deutschland wird Insgesamt wird gegen 47 Beschuldigte ermittelt. Mehr als 440 BKA-Beamte, die von Bundespolizisten unterstützt wurden, waren im Einsatz. 65 Objekte wurden durchsucht. Den Verdächtigen wird bandenmäßiger Drogenhandel, Geldwäsche und Mitgliedschaft in einer ausländischen kriminellen Vereinigung vorgeworfen.

Schon während der Ermittlungen seien europaweit rund vier Tonnen Kokain und beträchtliche Mengen Ecstasy beschlagnahmt worden, teilte das BKA mit. Im aktuellen Ermittlungsverfahren gehe die Behörde dem Verdacht nach, dass die 'Ndrangheta 490 Kilogramm Kokain nach Deutschland geschmuggelt habe und für weitere Kokaineinfuhren in großen Mengen verantwortlich sei. Die Ermittler gehen davon aus, dass die durch den Drogenhandel illegal erworbenen Geldmittel dazu eingesetzt werden, in Deutschland Immobilien zu erwerben, darunter Restaurants, die zu Geldwäschezwecken gekauft und wiederverkauft werden.

Mehrere hundert Polizisten durchsuchten Gebäude in Deutschland, Italien, Belgien, den Niederlanden sowie im südamerikanischen Surinam und nahmen insgesamt rund 90 Verdächtige fest. Schwerpunkte der Razzien in Deutschland waren Nordrhein-Westfalen und Bayern.

Koordiniert wurde die internationale Operation "Pollino" von der europäischen Justizbehörde Eurojust mit Sitz in Den Haag. "Heute haben wir eine klare Botschaft an kriminelle Vereinigungen in ganz Europa gesendet", sagte der Vizechef von Eurojust, Filippo Spiezia, auf einer Pressekonferenz in Den Haag. "Sie sind nicht die einzigen, die grenzüberschreitend arbeiten können."

"Tief verwickelt in Drogenhandel und Geldwäsche"

Spiezia sprach von einem "außergewöhnlichen Ergebnis" des Einsatzes, der sich gegen "gefährliche Mitglieder der 'Ndrangheta-Familie" gerichtet habe, "die tief verwickelt sind in Drogenhandel und Geldwäsche".

Nach Angaben des niederländischen Staatsanwalts Fred Westerbeke begannen die Ermittlungen, nachdem bei zwei italienischen Restaurants im Süden der Niederlande der Verdacht von Geldwäsche aufgekommen war. Dabei seien kriminelle Verbindungen nach Deutschland und Kalabrien - der Heimat der 'Ndrangheta - entdeckt worden.

Dank der weit verzweigten Verbindungen der 'Ndrangheta seien Drogen in die Häfen von Rotterdam in den Niederlanden und Antwerpen in Belgien geschmuggelt und von dort in ganz Europa weiterverkauft worden.

In Belgien konzentrierten sich die Einsätze vor allem auf die Gegend um Limburg, eine Hochburg italienischer Einwanderer. Die in Italien Festgenommenen waren nach italienischen Angaben vor allem in der Gegend um die Stadt Reggio Calabria aktiv gewesen.

Der italienische Anti-Mafia-Staatsanwalt Federico Cafiero De Raho sagte in Den Haag, die Einsätze würden das Drogenhändler-Netzwerk der 'Ndrangheta auf der ganzen Welt beeinträchtigen. Doch dies sei "nur ein erster Schritt", fügte er hinzu. Die Festnahmen seien "nichts" für die 'Ndrangheta, es müssten tausende Menschen festgenommen und Milliarden beschlagnahmt werden".

Die europäische Polizeibehörde Europol sprach nach dem Einsatz von einem "bedeutenden Schlag gegen eines der mächtigsten italienischen kriminellen Netzwerke weltweit".

bbr/dpa/AFP



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