Organisierte Kriminalität Internationale Großrazzia - massiver Schlag gegen die Mafia

Mit einer großangelegten Aktion gehen Ermittler in Deutschland, Italien, Belgien, Spanien und den Niederlanden gegen die italienische Mafia vor. Nach SPIEGEL-Informationen haben die Fahnder hochrangige Mitglieder der 'Ndrangheta im Visier.

Polizisten in einem Eiscafé in der Duisburger Innenstadt
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Polizisten in einem Eiscafé in der Duisburger Innenstadt

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Unter der Führung des Bundeskriminalamts (BKA) durchsuchen Hunderte Polizisten seit den frühen Morgenstunden Restaurants, Büros und Wohnungen, die der italienischen Mafia zugerechnet werden. Schwerpunkt der Aktion ist Nordrhein-Westfalen, wo die Mafia traditionell stark vertreten ist. Weitere Durchsuchungen gibt es in Thüringen und Berlin, Italien und den Niederlanden, Spanien und Belgien.

Der Aktion gingen jahrelange, länderübergreifende Ermittlungen auch des Düsseldorfer Landeskriminalamts und der Kölner Polizei voraus. Es geht um Geldwäsche und den Handel mit Kokain. Beteiligt sind außerdem die Staatsanwaltschaften Duisburg, Köln und Aachen.

Der Einsatz ist der größte Ermittlungskomplex in der Geschichte des BKA und das erste Mal, dass die Polizei so massiv gegen einen Mafiaclan auf deutschem Boden vorgeht. Im Visier stehen dabei nach SPIEGEL-Informationen Mitglieder der Familien Mammoliti und Giorgi, die der 'Ndrangheta angehören, der kalabrischen Spielart der Mafia. Sie gilt nach BKA-Erkenntnissen als eine der mächtigsten Mafia-Organisation der Welt und spielt eine führende Rolle im internationalen Kokainhandel. Kalabrien, das die Spitze des italienischen Stiefels bildet, ist eine der ärmsten Regionen Italiens.

Im Video: Die Ndrangheta - Leben im Schatten der Mafia

Allein in Deutschland sind 240 Beamte des BKA und 200 Polizisten der Bundespolizei im Einsatz, darunter Spezialkräfte der Antiterroreinheit GSG 9. Hinzu kommen Hunderte Beamte der Landespolizeibehörden. Das Verfahren richtet sich namentlich gegen 47 Beschuldigte, die zum Teil schon seit Jahrzehnten Restaurants und andere Firmen in Deutschland betreiben. Durchsucht werden zur Stunde mehr als 65 Objekte. Knapp 20 Haftbefehle sollen vollstreckt werden, Dutzende Personen wurden festgenommen.

Streit zwischen verfeindeten Mafiaclans

Die europaweite Aktion läuft im Rahmen eines Joint Investigation Teams, einer länderübergreifenden Ermittlungseinheit aus Deutschland, Italien und den Niederlanden unter Koordination der europäischen Justizbehörde Eurojust. Auch Belgien und die Schweiz waren zeitweise an den Ermittlungen beteiligt.

Die Familien Mammoliti und Giorgi werden dem Clan Pelle-Romeo aus San Luca zugerechnet, einem kleinen Bergdorf am Fuße des Aspromonte-Gebirges, das als "Mutter der Mafia" gilt. Im nahe gelegenen Kloster von Polsi treffen sich alljährlich die Bosse der 'Ndrangheta, um die Leitlinien des kommenden Jahres festzulegen.

Kein Clan darf sich außerhalb seines Gebietes betätigen, ohne die Erlaubnis aus San Luca einzuholen. Das Bergdorf machte erstmals Schlagzeilen mit der Entführung des italienischen Milliardärssohns John Paul Getty III., der dort 1973 fünf Monate lang gefangen gehalten wurde. Die Entführer schnitten ihm ein Ohr ab und schickten es als Lebenszeichen an die Eltern.

San Luca wird von zwei mächtigen Clans dominiert, den Strangio-Nirta und den Pelle-Romeo, die seit Jahren verfeindet sind. Der Streit führte 2007 zu den größten Mafiamorden in Deutschland.

Video der italienischen Behörden: Die Vorbereitungen der Razzia

Sechs Männer wurden beim Verlassen des Lokals "Da Bruno" in Duisburg erschossen, in dem zuvor ein neues Mitglied im Rahmen einer Mafiataufe in den Clan aufgenommen wurde. Die aktuellen Ermittlungen richten sich gegen den Clan, dessen Mitglieder damals getötet worden waren.



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