Organisierte Kriminalität in Deutschland Das Netz der Mafia

Mehr als 1200 mutmaßliche Mitglieder und Unterstützer der italienischen Mafia leben in Deutschland. Besonders mächtig ist die 'Ndrangheta, die vor allem im Westen und Süden agiert. Das ergibt sich aus der Analyse von Dokumenten deutscher und italienischer Ermittler.

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I. Mafia-Mitglieder und Unterstützer in Deutschland

Mehr als 1200 mutmaßliche Mitglieder, Unterstützer und Sympathisanten der italienischen Mafia leben in Deutschland. Es zeigt sich, dass der Westen und Süden des Landes von ihnen bevorzugt werden. Besonders beliebt sind Baden-Württemberg, Nordrhein-Westfalen, Bayern und Hessen. Im Osten des Landes leben weniger Menschen mit Bezug zur Mafia.

Die Punkte markieren den jeweiligen Wohnort eines Mafioso oder Unterstützers, wobei für sehr kleine Städte eine größere Markierung gewählt wurde, um der gebotenen Anonymisierung Rechnung zu tragen.

Die verwendeten Daten stammen aus Dokumenten des Bundeskriminalamts, der italienischen Anti-Mafia-Behörde und von verschiedenen Staatsanwaltschaften in Deutschland. Der WDR, die Funke Mediengruppe und SPIEGEL ONLINE haben die über Jahre zusammengetragenen Informationen ausgewertet und aufbereitet.

Zwar kann sich wegen des enormen Dunkelfelds kein vollständiges Bild der italienischen Organisierten Kriminalität in Deutschland ergeben, doch der Eindruck ist eindeutig: Die Mafia ist mitten unter uns.

II. Mafia-Organisationen, die in Deutschland operieren

Aus vertraulichen Berichten des Bundeskriminalamts entstand diese Übersicht. Sie zeigt, wo in Deutschland sich welche Mafia-Gruppierungen wie stark ausgebreitet haben.



'Ndrangheta

Schon seit den siebziger Jahren hat sich die 'Ndrangheta in Deutschland festgesetzt. Überwiegend leben die Mitglieder und Unterstützer der als wirtschaftlich besonders potent geltenden Gruppierung aus Kalabrien in Baden-Württemberg, Hessen, Bayern und Nordrhein-Westfalen.

Die Behörden stellten auch Mitte der neunziger Jahre fest, dass nach der Wende einige 'Ndrangheta-Angehörige in den Raum Erfurt, Leipzig und Dresden gezogen waren und dort Restaurants eröffnet hatten. 2011 zeigte sich eine leichte Bewegung in den Berliner Raum, wobei hier wohl vor allem Lokale betrieben wurden, die Wohnsitze in Erfurt blieben bestehen.

Derzeit sind dem Bundeskriminalamt 283 mutmaßliche Mitglieder der 'Ndrangheta in Deutschland bekannt.

Bei den in Deutschland am stärksten vertretenen Gruppierungen handelt es sich um die Clans Romeo-Pelle-Vottari und Nirta-Strangio aus San Luca sowie Farao-Marincola aus Cirò. Natürlich ist nicht jeder, der einen der betreffenden Nachnamen trägt, ein Mitglied der Mafia. Das gilt auch für alle folgenden Mafia-Gruppierungen und alle Clannamen.

Camorra

Die Camorra ist seit den achtziger Jahren verstärkt in Deutschland aktiv. Regionale Brennpunkte liegen in Nordrhein-Westfalen, Baden-Württemberg, Hessen und Bayern. Laut Bundeskriminalamt hielten sich zuletzt 88 mutmaßliche Mitglieder der Mafia-Organisation aus dem Raum Neapel in Deutschland auf, am häufigsten waren die Clans Licciardi, Moccia, Cava und Ascione vertreten.

Cosa Nostra

Seit den siebziger Jahren ist die aus Sizilien stammende Cosa Nostra in Deutschland präsent, laut Bundeskriminalamt leben derzeit mutmaßliche 77 Mitglieder hier. Die Behörden stellten wiederholt fest, dass sich Bosse und auch Killer in der Bundesrepublik aufhielten, durchaus für längere Zeiträume. Mandamenti - das sind Einflussbereiche, in denen sich Cosa-Nostra-Familien engagieren - liegen vor allem in Nordrhein-Westfalen, Baden-Württemberg und Bayern. Hier agieren vor allem die Clans Gela, Agrigento, Partinicio und Catania.

Apulische Organisierte Kriminalität

Zur apulischen Organisierten Kriminalität liegen den deutschen Behörden nur wenige Informationen vor. Brennpunkte sind seit den neunziger Jahren bekannt, betroffen sind Bayern, Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz, hier im Raum Koblenz. Das Bundeskriminalamt zählt 14 mutmaßliche Mitglieder der apulischen Mafia, die in Deutschland leben. Die wichtigsten Clans heißen Rogoli-Buccarella-Donateillo, Padovano und Tornese.

III. Die Clans der 'Ndrangheta in Deutschland

In dieser Grafik sind die Bundesländer markiert, in denen die größten 'Ndrangheta-Clans in Deutschland leben: Carelli, Critelli, Farao und Nirta. Auch hier zeigt sich, dass die Familien den Westen und Süden Deutschlands bevorzugen. Die große Gemeinschaft dort lebender unbescholtener Landsleute bietet den Kriminellen Deckung. Auch hier gilt natürlich: Clannamen sind nicht mit Nachnamen gleichzusetzen. Nicht jeder, der einen der betreffenden Familiennamen trägt, sympathisiert mit der Mafia oder gehört sogar zu ihr.

Interessant ist, dass sich die Wohnorte der Sippen kaum überschneiden: Sie scheinen ihre Reviere deutlich abgesteckt zu haben.

Der Farao-Clan ist in Deutschland stark vertreten. Silvio Farao, laut italienischer Wikipedia einer von vier "Bossen" der Gruppierung, wurde bereits mehrfach festgenommen, konnte aber immer wieder fliehen. Anfang Februar wurde er erneut gefasst, berichtete damals "la Repubblica".

Mitglieder des Clans Carelli leben hauptsächlich im Raum Frankfurt und in Nordrhein-Westfalen.

Der Clan Nirta-Romeo-Pelle ist in Deutschland durch den Mehrfachmord in Duisburg im August 2007 bekannt geworden. Zwischen Fraktionen der Sippe war es zu Kämpfen gekommen.

Der Clan der Critellis gehört zu den 'Ndrangheta-Gruppierungen, die zu großen Teilen nach Deutschland übergesiedelt sind. Die meisten von ihnen sind aus Kalabrien nach Baden-Württemberg gezogen.

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Lesen Sie mehr zum Fall des Mafia-Killers Giovanni Rossi hier auf SPIEGEL ONLINE und mehr zum Thema im aktuellen SPIEGEL.

Die Funke Mediengruppe bietet auf einer Sonderseite zur Mafia in Deutschland umfangreiche Berichte.

TV-Tipp: Die WDR-Dokumentation "Vorsicht Mafia - Wie kriminelle Banden Deutschland bedrohen" sendet Das Erste am Montag, 7. April 2014, um 20.15 Uhr. Der WDR zeigt den Beitrag am 14. April 2014 um 22 Uhr.

Text: Jörg Diehl; Layout: Christopher Kurt; Koordination: Jule Lutteroth

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insgesamt 61 Beiträge
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Seite 1
DeutscherimAusland 07.04.2014
1. Es ist schwer zu verstehen,...
in den Nach-Wende Jahren, also ab 1991/92 gab es jede Menge Hinweise und Beweise auf "italienische" Einfluesse im dt. Baugewerbe. Insbesondere der Raum Leipzig und Dresden war seiner Zeit durch "italienische" Maurer- und Putzerfirmen durchsetzt. damals hat es, selbst im Zuge von "Schein"-Insolvenzen weder die Staatsanwaltschaften noch die involvierten Landeskriminalaemter (LKA) interessiert! Jetzt wo die Organisationen (hauptsaechlich die Ndrangheta) sich etabliert haben und alles moegliche "abgewickelt" wird, jetzt wo "einige" Behoerden bereits mit "stillen Adjutanten" besetzt sind, jetzt ist es zu spaet!!! um einen direkten Kampf dagegen zu starten. Im uebrigen die statistischen Zahlen sind weit "untertrieben" - Minimum Faktor 10! Aber nach oben! Trotzdem, nicht "jeder" Pizza-Baecker ist Teil der Familie, aber alle sind "ehrenwert"! Das geht den meisten Deutschen im Ausland, egal wo, leider ab!
petra.blick 07.04.2014
2. Geldwaschanlage Deutschland
in jeder Strasse ein Spielcasino oder Wettbüro. Dank deutscher Gesetzgebung. Dieses Land ist ein Etikettenschwindel.
Layer_8 07.04.2014
3. Nun
Zitat von sysopMehr als 1200 mutmaßliche Mitglieder und Unterstützer der italienischen Mafia leben in Deutschland. Besonders mächtig ist die 'Ndrangheta, die vor allem im Westen und Süden agiert. Das ergibt sich aus der Analyse von Dokumenten deutscher und italienischer Ermittler. http://www.spiegel.de/panorama/justiz/mafia-in-deutschland-das-netz-der-ndrangheta-und-camorra-a-962328.html
Das mag wohl alles stimmen. Weiterhin wird allerdings auch stimmen, dass auch Migranten aus anderen Kulturkreisen ebenso mafiöse Tendenzen hier entwickelt haben, wegen der PC müssen diese jedoch bis auf weiteres als Einzelfälle gelten.
Dramaturg 07.04.2014
4. Beruhigend
...wenn das Bundeskriminalamt so gut informiert ist. Da lebt es sich doch gleich sicherer in diesem Land....
achimedes 07.04.2014
5. .
Wie lange noch, auf EU Ebene bemühen sich Politiker endlich Italienische Gesetze in Deutschland einzuführen - in Italien darf gestohlenes und schwarzes Geld nicht einfach so angelegt werden - jeder muss sagen woher er das Geld hat ! In Deutschland kann gestohlenes Geld von Italien aus einfach angelegt werden. IN Steueroasen, oder Horten - wo Menschen dann für wenig Geld arbeiten und Steuern zahlen ! Bannanen Republik - Merkel-Republik !
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